Unten links die Gewitterzone vor Brasilien: AF447 steuerte direkt darauf zu.

AF447-Piloten: Bewusst in Sturm

Eine Zeitung hat die Cockpitaufnahmen des Unglückfluges angehört. Sie belasten die Piloten nochmals stärker.

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Von den zwei Stunden an Tonaufnahmen, die aus den Blackboxes vom Grund des Atlantiks gewonnen wurden, hat das französische Bureau d'Enquêtes et d'Analyses (BEA) in seinem Bericht von Ende Juli (aeroTELEGRAPH berichtete) nur zehn Minuten veröffentlicht. Es gebe zwei Gründe dafür, schreibt die Zeitung Le Figaro. Sie konnte nun die Bänder größtenteils anhören. Zum einen seien weite Teile unspektakulär. Zum anderen würden die Aufnahmen die Piloten noch stärker belasten. «Die Gespräche reflektieren nicht den Professionalismus, welchen die Pilotengewerkschaft so vehement verteidigt» folgert das Blatt.

Es war die frühe Nacht des 1. Juni 2009 als die Piloten des Fluges Rio de Janeiro - Paris eine folgenschwere Entscheidung treffen. Einige andere Maschinen flogen zur gleichen Zeit auf der gleichen Strecke, so eine Maschine der Swiss und eine der Lufthansa. Alle machten sie einen grossen Bogen um die Unwetterzone, welche sich vor der Küste Brasiliens aufgebaut hatte. Nicht so die Crew der Air-France-Maschine. «Wir allen uns von diesen Cunimbs nicht verarschen lassen» sagte der Pilot gemäß dem Figaro. Er meinte damit die Cumulonimbus-Wolken, die sich vor ihnen auftürmten. Sie bringen Gewitter mit Regen, Hagel oder Schnee mit sich.

Kette von Fehlreaktionen

Die Crew war ganz offensichtlich nicht beunruhigt. Bloss zwanzig Minuten vor dem Crash von Flug AF447 verließ der Pilot das Cockpit und meinte: «Es wird Turbulenzen geben, wenn ich mich hinlege». Wenige Minuten später meinte er: «Okay, ich verziehe mich». In vollem Bewusstsein steuerte man auf den Sturm zu.

Die neuen Enthüllungen werfen erneut ein schiefes Licht auf die Crew. Denn erst im Unwetter froren die Pitotsonden zu, welche die Geschwindigkeit messen. Darauf hin reagierten die beiden Ko-Piloten völlig falsch. Sie zogen das Flugzeug hoch und führten es so in einen Strömungsabriss. Dies taten sie auch noch, nachdem sie eine Warnung erhalten hatten. Innerhalb von dreieinhalb Minuten stürzte das Flugzeug danach auf den Atlantik. Alle 228 Insassen starben.

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