Aeroflot-Stewardess vor einem Jet: Sind Flüge ausgefallen, weil Kabinenpersonal fehlt?

Erst Technik, nun PersonalAeroflot-Personal meldete sich zu Tausenden krank

Die russische Nationalairline hat zahlreiche Verspätungen angehäuft. Aeroflot mangelt es offenbar an Kabinenpersonal. Das wollen die Behörden jetzt überprüfen.

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Luftfahrt

Besonders gut steht es um die russische Luftfahrt im Zuge der westlichen Sanktionen nicht. Das größte Problem ist der Mangel an Ersatzteilen, auch wenn über Umwege und rechtliche Grauzonen weiter westliche Technik nach Russland gelangt. Neue Flugzeuge wurden ausgeschlachtet und andere müssen am Boden bleiben.

Aeroflot hat am vergangenen Wochenende (29./30. Juni) mit massiven Verspätungen zu kämpfen gehabt. Laut Flightaware hatte die Fluggesellschaft am Samstag am Flughafen Moskau Scheremetjewo mehr als 130 Verspätungen und am Sonntag fast 200. Zudem musste die Fluglinie an beiden Tagen rund 20 Flüge streichen.

Weniger Kabinencrews als vorgeschrieben

Schuld waren aber nicht fehlende Ersatzteile, sondern ein Mangel an Personal, berichtet das Portal Aviatorshina. Konkret soll sich das Kabinenpersonal massenhaft krankgemeldet haben. Einige Quellen sprechen von 1500 Angestellten, die am Wochenende krank waren. Die Situation soll so schlimm gewesen sein, dass die Passagiere auf ihren Sitzen saßen, aber mangels Kabinencrews nicht abheben konnten.

Aeroflot soll Stewardessen und Stewarts von ankommenden Flügen direkt neuen Flügen zugewiesen haben - ohne Einweisung. Teilweise sollen die Flugzeuge auch mit weniger Kabinenpersonal als vorgeschrieben gestartet sein. Flüge mit dem Airbus A321 und der Boeing 737 sollen mit vier statt der  vorgeschriebenen fünf Kabinencrews durchgeführt worden sein.

Staatsanwaltschaft prüft sogar Überstundenvergütung

Grund für die massenhaften Krankmeldungen, sind die aktuellen Arbeitsbedingungen bei Aeroflot. Die Flugpläne sehen vor, dass die Crews 110 satt 90 Stunden pro Monat in der Luft sind. In ihrer Freizeit absolvieren sie technische Schulungen, die nicht auf die Arbeitszeit angerechnet werden.

Das hat nun offenbar auch die russischen Behörden auf den Plan gerufen. Laut Aviatorshina hat die zuständige Staatsanwaltschaft für Luft- und Wasserverkehr eine Überprüfung der Fluglinie angeordnet. Demnach will sich die Behörde eine Liste aller Flüge der letzten drei Tage geben lassen, die den Grund für die Verspätungen sowie die konkrete Anzahl der Crews auf den Flügen enthält.

Aeroflot widerspricht

Damit ist es noch nicht getan. Aeroflot muss auch Dokumente vorlegen, die die Anzahl der Flugbegleitenden pro Flug regeln, den Arbeitsplan der Person für den letzten Monat, Stundenzettel für Juni, Urlaubspläne und Bestellungen - sowie die Überstundenvergütung des Kabinenpersonals für die Jahre 2023 und 2024.

Die Fluglinie soll unterdessen mitgeteilt haben, dass sie über genügend Kabinen- und Cockpitpersonal verfüge, um ihren Flugplan abzufliegen. Aeroflot räumt lediglich ein, dass an stark nachgefragten Flügen an den Sommerwochenenden Flüge zusammengefasst würden und dann Großraumflugzeuge zum Einsatz kämen.

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