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Germanwings-Unglücksflug 4U9525

«Er hatte keine Chance»

Nach dem tragischen Absturz des Airbus A320 von Germanwings beginnt die Suche nach Ursachen. Warum gab es keinen Notruf? Warum sank der Jet kontrolliert ins Gebirge?

Germanwings

Airbus von Germanwings: Noch gibts zu wenig konkrete Daten.

Viele Bewohner des Vallée de la Blanche sahen am Dienstagmorgen den Airbus A320 über ihre Köpfe fliegen. «Ich war gerade hinter dem Haus und werkelte herum als ich das Flugzeug bemerkte. Ich dachte mir gleich, es sei schon sehr tief unterwegs», erklärte ein Mann dem französischen TV-Sender BMTV. Das Ganze habe aber nur zwei, drei Sekunden gedauert. Dann habe er nichts mehr gesehen oder gehört. Ein anderer Augenzeuge bemerkte ebenfalls, wie tief der A320 von Germanwings flog. «Es war klar, dass er verunglücken wird. Er hatte keine Chance bei dieser Flughöhe, da ja hinten die Berge bis fast 3000 Meter hoch ragen», erklärte er.

Dass es bald zu einer Katastrophe kommen würde, sah man sonst aber nicht. «Es gab keinen Rauch, keinen Lärm, nichts Außergewöhnliches», so der Augenzeuge weiter. Später kommen von der Felswand unterhalb des Gipfels des Trois Evéchés beim französischen Skiort La Foux d’Allos verstörende Bilder. Zwischen Felsspalten und Geröll liegen Trümmerteile, es sind nur noch Fetzen eines Flugzeuges. In der unwirtlichen, zerklüfteten Welt der französischen Alpen hat sich ein Drama abgespielt. Beim Absturz des Germanwings-Fluges 4U9525 kamen 150 Menschen ums Leben – darunter mindestens 67 Deutsche und 45 Spanier. Inmitten der Trümmer liegt der Flugschreiber von Flug 4U9525. Er wurde schnell gefunden.

Beim Start verlief noch alles ganz normal

Was hat sich abgespielt in den letzten Minuten vor dem Absturz? Die gespeicherten technischen Daten und die Gespräche aus dem Cockpit werden Aufschluss geben. Doch schnelle Antworten gibt es nicht: Nur wenige Spezial-Firmen sind in der Lage, die Blackbox auszuwerten. Es wird daher noch mindestens 14 Tage dauern. Das Flugzeug scheint aber frontal gegen eine Felswand geprallt zu sein. Er kenne die Gegend, sagte ein Augenzeuge, der hier im Sommer seine Kühe weiden lässt und nun zum Rettungsteam gehört, zum französischen TV-Sender RTL. Sie sei steil und zerklüftet. «Alles wurde in kleine Teile zerlegt. Total pulverisiert. Er knallte voll da rein. Da ist nichts mehr.»

Was nach Angaben von Germanwings bisher klar ist: Die Maschine startete in Barcelona reibungslos Richtung Düsseldorf, im spanischen Luftraum geschieht offenbar nichts Ungewöhnliches. Auch das Wetter ist gut, der Himmel über dem Süden Frankreichs zeigt sich fast wolkenlos. Gegen 10.45 Uhr erreichte Flug 4U9525 die Reisehöhe. Doch das ändert sich schnell. Lediglich eine Minute bleibt das Flugzeug auf dem geplanten Kurs. Dann geht es in einen Sinkflug über. Nach acht Minuten, um 10.53 Uhr, bricht der Kontakt mit der Flugkontrolle ab, da ist die Maschine nur noch auf einer Höhe von 6000 Fuß oder 1828 Meter.

Aufprall wohl bei hoher Geschwindigkeit

Mehr Fakten gibt es noch nicht. Zum jetzigen Zeitpunkt schließen die französischen Behörden darum auch noch nichts aus. Zu wenig ist über Unglücksflug 4U9525 bekannt. Auffallend ist jedoch, dass der A320 während fast zehn Minuten kontrolliert sank. Auch setzte die Crew keinen Notruf ab. Der Aufprall muss bei hoher Geschwindigkeit erfolgt sein. Das zumindest erklärt der französische Transportminister, der am Dienstagnachmittag über die Absturzstelle geflogen war.

Zu möglichen Ursachen für das Unglück wollte sich Thomas Winkelmann, Sprecher der Germanwings, bisher nicht äußern. Mit einer offenbar bewusst knapp gehaltenen Pressekonferenz am Dienstagabend wollte die Linie wohl auch Spekulationen darüber verhindern – Fragen der Medien waren nicht zugelassen. Nur so viel: Die Aufklärung solle schnell geschehen. Und zunächst stünde die Betreuung der Angehörigen der Opfer an erster Stelle.

Störungen an der Mensch-Maschine-Schnittstelle

Dennoch beginnen die ersten Luftfahrtexperten in Deutschland eine Diskussion über die Technikabhängigkeit der Piloten. Flugexperte Tim van Beveren betonte etwa in ARD, der A320 sei als «Wunderflieger» ein gefeierter Erfolg – vor allem wegen seiner Computerisierung. «Das Problematische bei diesem Flugzeug ist: Wenn Systeme ausfallen, kann das sehr tückisch werden.» Es komme immer wieder zu Störungen an der Mensch-Maschine-Schnittstelle. Viele Piloten, so van Beveren, würden das händische Fliegen kaum noch lernen. Er halte es für möglich, dass dies bei dem Absturz eine Rolle gespielt habe.



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