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J. Hozman Airport in EIlat

Abschied von Eilats faszinierendem Stadtflughafen

Der neue Ramon Airport ist seit drei Monaten in Betrieb. Er ersetzte im israelischen Badeort Eilat gleich zwei ältere Flughäfen. Besonders den J. Hozman Airport im Stadtzentrum vermissen viele Flugzeugfans.

Die Lage Eilats ist ziemlich speziell: Die 50‘000 Einwohner zählende Stadt liegt an der Südspitze Israels, in einem nur 15 Kilometer breiten Streifen, umgeben von den islamisch geprägten Ländern Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien. Sie ist auch Israels einziger Zugang zum Roten Meer und etablierte sich deshalb weit über die Landesgrenzen hinaus als beliebte Destination für Badeferien. Eilat besaß deshalb gleich zwei Flughäfen, die nun durch die Eröffnung des neuen Ilan and Assaf Ramon International Airports ersetzt wurden.

Einer der alten Flughäfen galt unter Flugzeugfotografen als Perle: Der nach dem Gründer der Arkia Airlines benannte Stadtflughafen, der J. Hozman Airport. Die Entwicklung ging auch am kleinen Flughafen nicht spurlos vorbei, der im Jahr 1949 an der damals noch ländlich geprägten Strandpromenade erbaut worden war. In den Folgejahren erlebte Eilat einen touristischen Boom, doch dafür war der Flughafen mehr schlecht als recht gerüstet: Seine 1900 Meter kurze Bahn schränkte die Flugzeug- und Destinationswahl beträchtlich ein, und sein nur fünf Parkpositionen umfassendes Vorfeld bescherte den Fluglotsen manch graues Haar. Sie hatten nicht nur die normale Verkehrsstaffelung in der Luft wahrzunehmen, sondern die Flieger oft auch in Warteschleifen zu schicken, um sicherzustellen, dass nie zu viele von ihnen gleichzeitig am Boden standen.

Auslandsflüge gingen nach Ovda

Aufgrund all dieser Limitationen wurden ab dem Eilat Airport fast ausschließlich Inlandsflüge abgewickelt. Internationale Airlines steuerten dagegen den rund 45 Kilometer nördlich gelegenen Militärflughafen Ovda mit seiner längeren Landebahn an, doch auch dessen kleines ziviles Vorfeld mit seinen fünf Parkpositionen und dem behelfsmäßigen Terminal war nicht gerade großzügig ausgebaut. So wurden hier jährlich auch nur gut 1600 zivile Flüge und 209‘000 Passagiere abgefertigt – der kleine Stadtflughafen kam dagegen auf 20‘000 Flüge und 1,6 Millionen Reisende.

Schon lange gab es daher Pläne, die Region mit einem komplett neuen Flughafen auszustatten. Erst war im Friedensvertrag mit Jordanien von 1994 noch vorgesehen gewesen, den nur 7 Kilometer entfernten Flughafen des jordanischen Badeorts Aqaba dafür zu nutzen und ihn in Aqaba-Eilat Peace International Airport umzubenennen. Doch das Aufflammen erneuter Spannungen in der Region machte dem Friedensflughafen bald den Garaus und Israel verfolgte fortan eine eigene Lösung.

Auch Notlösung für Tel Aviv

Im September 2017 wurde 20 Kilometer nördlich von Eilat der Ilan and Assaf Ramon Airport fertiggestellt – benannt ist er nach dem israelischen Astronauten, der beim Unglück der Raumfähre Columbia starb und seinem Sohn, der sechs Jahre später beim Absturz eines F-16-Kampfjets sein Leben ließ. Am 21. Januar 2019 feierte der prestigeträchtige Ramon-Flughafen mit einiger Verspätung endlich seine offizielle Eröffnung. Er wartet mit einem architektonisch ansprechenden Terminal auf und bietet überall genug Platz.

Seine 3,6 Kilometer lange Piste ist nicht nur auf touristische Großraumjets ausgelegt, sondern dient noch einem anderen Zweck: Sollte der Hauptflughafen Israels (Ben Gurion in Tel Aviv) wegen Anschlägen, Sicherheitsbedenken oder einem Unfall geschlossen werden müssen, verfügt das Land nun über einen Alternativflughafen mit genügend Kapazität, um die gesamte israelische Airline-Flotte aufzunehmen. 1,8 Millionen Passagiere kann der neue Flughafen derzeit abfertigen, nach weiteren Ausbaustufen sollen es bis zu 4,5 Millionen sein. Nachdem am 18. März Eilats Stadtflughafen und am 31. März der ehemalige internationale Ovda Airport geschlossen wurde, fertigt der Ramon-Flughafen nun sämtliche Flüge der Region ab.

Subventionen vom Staat

Kritiker fragen sich allerdings, ob die Region Eilat überhaupt so einen großen Flughafen benötigt. Ihre Besucherzahlen brechen nämlich mit jeder neuen kriegerischen Auseinandersetzung Israels erneut ein – letztmals um über zwei Drittel nach Gefechten im Gazastreifen 2014. Um den Touristenort vor dem Untergang zu bewahren, griff Israels Regierung daher im Jahr 2016 zu einem unkonventionellen Mittel: Sie versprach jeder Airline, die den Badeort anflog, eine Prämie von 80 Euro pro Passagier. Das kurbelte den Verkehr wieder an und rief speziell die Billigflieger Ryanair und Wizz Air auf den Plan.

Doch langfristig ist der Erfolg dieses Vorhabens umstritten. Einerseits locken die stark subventionierten Flüge zahlreiche Passagiere an, die Eilats Flughäfen nur wegen den billigen Tickets benützen, dann aber auf dem Landweg nach Tel Aviv, Jerusalem oder gar Jordanien und Ägypten weiterreisen. Andererseits vergrämt der Umstand, dass die Preise in Eilat selber unverändert hoch sind, eine Vielzahl der Urlauber aus Europa und Russland, die angelockt von den Billigtickets die Hoffnung auf Badeferien zu Discountpreisen hatten – viele von ihnen kommen deshalb kein zweites Mal.

Weißer Elefant am Roten Meer?

Die Subventionspolitik wird teilweise auch am neuen Flughafen fortgeführt, doch womöglich hat man sich längst in eine Sackgasse manövriert: Zahlreiche verärgerte Billigflieger-Touristen haben Eilat ohnehin den Rücken gekehrt – und streicht man die Subventionen, ist die Bedienung des Badeorts für viele Airlines schon gar nicht mehr lukrativ. Entsprechend groß sehen lokale Medien die Gefahr, dass der prestigeträchtige neue Ramon-Flughafen für die Region reichlich überdimensioniert sein könnte und zu einer Investitionsruine, einem sogenannten weißer Elefant wird.

Eines ist klar: Solch spektakuläre Anflüge wie der J. Hozman Airport bietet der neue Flughafen nicht.  Denn sämtliche Anflüge auf den Stadtflughafen aus Tel Aviv verlaufen ab dem Toten Meer bis Eilat direkt an der Grenze zu Jordanien entlang, während sie immer tiefer in den zunehmend schmalen israelischen Gebietskorridor vordringen. Eilat lässt sich nur im Sichtanflug ansteuern, gelandet wird zu 90 Prozent vom Meer her. Die Flieger kommen also von Norden an, fliegen in 300 Metern Höhe direkt über den Flughafen und absolvieren dann – eingeengt zwischen den Hügeln in Westen und der Landesgrenze im Osten – über dem Meer eine Umkehrkurve direkt in den Endanflug.

Erhöhte Sicherheit

Die spezielle Lage Eilats inmitten der misstrauisch beäugten Nachbarländer nie ganz ausblenden – insbesondere, wenn mal wieder eine militärische C-17 in nächster Nähe an Eilat vorbeifliegt, um gleich hinter der Grenze in Aqaba zu landen. Auch die alle zehn Meter an Eilats Flughafenzaun angebrachten Bewegungsmelder zeugen von einer angespannten Sicherheitslage. Ebenso sieht man an der Bushaltestelle häufig Soldatinnen und Soldaten in voller Kampfmontur.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Aufnahmen vom alten J. Hozman Airport.

Dieser Artikel von Tis Meyer und Jürgen Trautwein stammt von unserem Partner Jetstream, dem internationalen Luftfahrtmagazin. Hier abonnieren.



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