Letzte Aktualisierung: um 19:58 Uhr

Beispiel Aeroflot in Wien

Zur Abfertigung von Hilfsfrachtern braucht es viele Hände

Viele Airlines fliegen momentan mit temporären Frachtern durch die Welt. aeroTELEGRAPH durfte bei der Abfertigung eines solchen Jets von Aeroflot dabei sein.

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Auch wenn die Covid-19-Pandemie die Passagierluftfahrt so gut wie zum Erliegen bringt – Fracht ist fast wichtiger denn je. Vor allem auch für den Transport der dringend benötigten medizinischen Produkte und von Impfstoffen.

Aeroflot blickt inzwischen auf eine knapp hundertjährige Erfahrung mit Luftfracht zurück – auch wenn man irgendwann das Geschäft zurückgefahren hat. Betrieb die russische Fluglinie bis zum Jahr 2013 noch eine eigene Frachterflotte, so befördert sie Güter heute ausschließlich in den Gepäck- und Laderäumen ihrer 244 Flugzeuge umfassenden Passagierflotte.

Ein Teil der Flotte wurde umgerüstet

Weil die Nachfrage nach Frachtflügen aufgrund der fehlenden Verfügbarkeit der so genannten Belly Cargo, also der Fracht im Bauch der Passagierjets, steigt, reagierte auch Aeroflot. Einen Teil ihrer Flotte von 19 Boeing 777-300 ER rüstete die Airline für den Einsatz von Nur-Frachtflügen um.

Mit der Modifikation in der Kabine können so zusätzlich zu den herkömmlichen Paletten und LD3-Containern im Frachtraum auch Frachten auf den Passagiersitzen befördert werden. Dazu werden bei Aeroflot die Sitze der Economy-Class mit Plastikabdeckungen versehen, die Fracht danach direkt auf den Sitzen abgestellt und mit Netzen gesichert. Im Fall von Flug SU2183 von Moskau-Sheremetyevo nach Wien wurden so neben 28 Tonnen Fracht im Bauch noch fünf Tonnen dringend benötigte medizinische Produkte in der Kabine befördert.

Material dringend benötigt

Die österreichische Regierung hat kürzlich sowohl den Lockdown bis vorerst 3. Februar verlängert, als auch einige neue Schutzmaßnahmen angeordnet. Und für die braucht es teilweise auch neues Material. Das Tragen einer FFP-2 Maske in öffentlichen Verkehrsmitteln und Supermärkten ist etwa neu Pflicht. Durch den Einsatz von Antigen-Schnelltest soll außerdem eine rasche Verdachtsfallabklärung von Covid-19 Fällen an Schulen möglich werden.

Um die Maßnahmen zeitgerecht umsetzen zu können, beschaffte Österreich sich die Materialien in China und lieferte sie mit einem Luftfrachtshuttle an Bord einer Boeing 777-300 ER von Aeroflot zwischen Peking, Moskau und Wien.

Viel manuelle Arbeit

Um Flug mit Fracht in der Kabine effizient abzufertigen, braucht es viel Personal. Allein 25 Mitarbeiter des Flughafens Wien waren mit der Abfertigung von Flug SU2184 beschäftigt. Kaum hatte die Boeing 777- ihren Standplatz erreicht, begutachtete das Team der Frachtabfertigung zunächst die Ladung und die Mitarbeiter des Handlings wurden über die weitere Vorgangsweise informiert.

Zusätzlich kompliziert wird die Entladung auch, weil bei diesen manuell auszuführenden Arbeiten die Inneneinrichtung des Flugzeuges nicht beschädigt werden darf. Während die Flughafenmitarbeiter außerhalb des Flugzeuges mit der Entladung der Cargo-Container begannen, wurde die durch Fangnetze geschützte Ladung im Passagierteil der Economy Class von ihrer Sicherung befreit. Anschließend wurden die Pakete in per Hand in den hinteren Teil des Flugzeuges durchgereicht, wo Sie über die letzte Ausstiegstür auf ein Förderband gelangten. Dann lud Personal sie in bereit gestellte Kofferwagen am Vorfeld.

Schneller als geplant wieder abgehoben

Die Crew des Fluges bereitete sich währenddessen bereits auf ihren Rückflug nach Moskau vor. Weil die Entladearbeiten der 33 Tonnen Fracht schneller als geplant fertig waren, konnte der Rückflug nach Russland schon einige Minuten früher als geplant starten.



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