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Coole Pflaster

Wo sich in Toronto Hipster-Omas, Künstler und tolle Kneipen treffen

Etwas abseits von Downtown lebt Toronto auf. Im Stadtviertel Junction kreuzen sich vier Bahnlinien. Und alle aktuellen Trends

Alle Fotos: Livia Güntert/Der Internaut

Dundas Street West: WO Toronto wirklich cool ist.

Die Gegend westlich von Downtown Toronto gilt aktuell als das coolste Viertel der Stadt. The Junction nennt sie sich und liegt etwas abseits der üblichen Sehenswürdigkeiten; ihren Namen, der so viel wie Knotenpunkt oder Kreuzung bedeutet, trägt sie, weil sich in diesem Gebiet gleich vier Eisenbahnlinien kreuzen. Wichtigster Strang in der Gegend ist die Dundas Street West.

Die urbanen Juwelen, die sich hier finden, sind zahllos. Leider haben wir aber auch ein paar Kratzer zu vermelden: McDonald’s und Starbucks siedeln an dieser Straße, was für ein cooles Pflaster eigentlich gar nicht geht. Schließlich wollen wir hier ja das unglobalisierte Wesen ehren. Aber weil der Burgerbrater und der Kaffeegigant in Nordamerika zur Verpflegungsfolklore gehören, wollen wir für einmal gnädig sein. Die Dundas Street West kann ja auch nichts dafür, dass sie so cool ist.

Ein Ale oder ein Kaffee mit Hipster-Omas?

Und: Wir haben natürlich einen großen Bogen um diese Multis gemacht. Da lohnt es sich wieder, dass die Dundas Street West soo lange ist. Etwa sechs Kilometer sind es total. Da bekommt man schon mal Durst. Kein Problem. Das Indie Alehouse ist eine Goldgrube für Ale-Gniesser/innen. Ales mit dem Namen wie beispielsweise Broken Hipster, Couch Surfer und Love Triangle kann man direkt aus ihrer Brauerei trinken und dazu noch etwas leckeres essen. Spannend sind auch die Popcorn-Variationen im Indie Alehouse: «black truffle», «old cheddar, garlic butter & rosemary» und «bacon, grana padano & chili».

Das Full Stop Cafe ist der Treffpunkt für Hipster jeden Alters. Egal ob Hipster-Oma, -Twen oder -Kind. Das Cafe ist geschmückt mit Lego-Kunst, Flugzeug-Wandmalerei, Weltkugeln und Pop Art. Der Kaffee kann mit Soja-, Mandel- oder laktosefreier Milch genossen werden und schmeckt am besten mit einem Stück Pumpkin danish oder Lemon ricotta loaf. Das Full Stop ist der perfekte Ort für eine Auszeit in der dynamischen Großstadt, um ein paar Zeilen zu lesen, schreiben oder studieren. Oder einfach nur, um dem Hipster-Geschehen zuzuschauen.

Essen bei viel Gelächter und spanischer Musik

Im gemütlichen Café UB social.ca (das UB steht für «unemployed baker», das ist aber überhaupt nicht zutreffend) lässt sich ein kulinarisch abwechslungsreiches Mittagessen genießen. Besonders gut sind die hausgemachten Empanadas mit Kürbis, Kokusnuss und Peperoni. Es hat allerdings auch etwas für die Fleisch-Genießer oder All-Day-Breakfast- Fanatiker. Die Stimmung im Café erinnert mich an unsere eigene Küche zu Hause: Viel Gelächter und Gespräche mit spanischer Musik im Hintergrund.

Die Entscheidung für eine Mahlzeit auf einem coolen Pflaster fällt nicht leicht. Das Lokal The Hole in the Wall ist großartig! Die Atmosphäre angenehm und das Essen überraschend anders. Nicht das Copy-Paste-Burger-Fries-Menu, das öfter vorkommt. Hier kann man Buffalo Duck Confit Wings, Smoked Trout and Gravlax und Escargots (ja, das sind auch in Kanada Schnecken) essen. Auf jeden Fall ein Besuch wert und wenn man Glück hat haben sie auch live Musik.

Kaufen, direkt vom Künstler

Als Liebhaberin von Second-Hand-Büchern kommt man an der Dundas Street West gleich zweimal zum Vergnügen. Im Book Exchange oder im Pandemonim kann man endlos Buchrücken von verschiedensten Genres studieren und Notizen von den Vorbesitzern lesen.

Der Arts Market ist ein kunterbunter Laden, in dem kleine lokale Künstler eine Verkaufsfläche mieten können und ihre Kunst und ihre Produkte verkaufen können. Das Angebot reicht von Second- Hand Kleidern, Schmuck, Seifen und Grußkarten bis hin zu Pflanzen und Antiquitäten. Es macht Spaß, durch die Regale zu schlendern und die verschiedenen Werke zu studieren. Es ist definitiv nicht der Durchschnitts-Geschenke-Laden und passt somit perfekt in das Junction-Quartier. Wir entscheiden uns für einen kleinen violetten Dinosaurier mit einer Sukkulente als Gepäck auf dem Rücken. Bezahlt haben wir 25 kanadische Dollar, rund 17 Euro. Alle Erlöse gehen direkt an die Künstler, der Arts Market finanziert sich rein durch die Mietgebühren der Ausstellungsflächen.

Im Junction-Quartier kommt man an einigen guten Insta-Spots vorbei. Fast so, als wären einige kleine Läden nur dafür designt worden. Am besten gefiel uns jedoch das coole Graffiti mit dem alten Bahnhof und der Überschrift «The Junction». Mit dem 3D-Effekt ist es ein richtiger Hingucker.

Und in der Nähe?

In Nordamerika kennt man das Wort Gehdistanz nicht wirklich. Die Stadt entdeckt man deshalb besser mit der U-Bahn oder einem Fahrrad. Der High Park ist gemäss Locals der Central Park von Toronto. Er ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Je nach Jahreszeit kann man die farbigen Blätter, den Schnee oder einfach die Natur geniessen und etwas detoxen von der pulsierenden Stadt. Von der Dundas Street West sind es 15 Minuten mit dem Bus Nummer 30A. Das Museum of Contemporary Art (oder wie es die Coolen nennen: Moca) ist 25 Minuten mit dem Bus Nummer 40 entfernt.

Etwas weiter entfernt, aber genauso interessant, ist die Gegend Kensington Market. Dorthin kommt man von der U-Bahn-Station Dundas West mit der grünen Linie (eastbound) bis zu der Station Bathurst und dann zu Fuß oder mit dem Tram (was die Kanadier lustigerweise «Streetcar» nennen) zu der Station Nassau & Bathurst). Die Gegend Kensington Market ist bekannt für ihre Vintage-Läden, Street Food Stalls mit Essen aus der ganzen Welt und Flohmärkte.

So kommt man hin

Die Anreise vom Flughafen Toronto:  Etwa ein halbes Stündchen dauert es vom Flughafen Toronto bis zum ersten Kaffee im Full Stop an der Dundas Street West: Ab YYZ mit dem UP Express Pearson Airport zur Haltestelle Bloor GO/UP. Weiter ab Dundas West Station mit dem Bus 40 zur Haltestelle Dundas St. West & Pacific.

Wer bereits in der Stadt ist:  Von der Union Station sind es sechs Stationen mit der gelben U-Bahn (northbound) bis zu St. George und dann mit der grünen U-Bahn (westbound) sieben Stationen bis zu Dundas West.
Dort beginnt eigentlich schon die Starke Strecke Dundas Street West, allerdings besteht die sie zu Beginn hauptsächlich aus Wohnhäusern. Entweder geht man ca. 25 Minuten bis zu den Läden und Restaurants – oder man nimmt den Junction Bus 40 von Dundas West und steigt nach acht Haltestellen an der Station Dundas St. West & Pacific Ave. aus.

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In «Coole Pflaster» porträtieren wir städtische Straßen aus aller Welt, die nicht globalisiert sind. Kein Starbucks, kein H&M, kein McDonald’s – sondern lokale und regionale Anbieter aus Gastronomie, Hotellerie, Shopping und Kultur. Hier werden Straßen geehrt, die Einheimische und Zugereiste gleichermaßen glücklich machen. Der heutige Beitrag wurde von Livia Güntert verfasst.

Mehr interessante Stories über Städte, Reise-Gadgets und Reise-Apps lesen Sie jede Woche neu bei Der Internaut.



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