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Neuer Airline-Verbund

Was der Deal Etihad und Tui bringt

Etihad und Tui wollen rund um Reste von Air Berlin einen Airline-Verbund gründen, der eigentlich nicht zu ihrer Strategie passt. Warum tun sie das?

Eric Salard/Flickr/CC

Boeing 737 von Tuifly: Wohin geht die Reise?

Eigentlich wächst gerade zusammen, was nicht zusammengehört. Am einen Ende des Tisches sitzt Verhandlungspartnerin Etihad Airways, die Netzwerkairline mit globalen Ambitionen auf der Suche nach Zubringern. Und auf der Gegenseite sitzt der Reisekonzern Tui, der voll auf ein integriertes Reiseangebot setzt. Und doch tun diese beiden Partner nun etwas, was eigentlich nicht zu ihren Strategien passt. Sie planen ein gemeinsames Unternehmen im Bereich der Ferienflüge, aufgebaut rund um die nicht mehr zur neuen Ausrichtung passenden Reste von Air Berlin.

Warum macht Etihad mit?

Die ehrgeizige Golfairline beteiligt sich weltweit an Fluggesellschaften, die zusätzliche Passagiere auf ihr Netz leiten können. Eine Ferienairline in Deutschland, der Schweiz und Österreich kann dies nicht leisten. Dennoch hat Etihad Airways ein Interesse daran, dass der Deal mit Tui gelingt.

Die Manager aus Abu Dhabi haben ihre Beteiligung Air Berlin bisher mit mehr als einer halben Milliarde Euro unterstützt. Nur wenn die Restrukturierung der deutschen Airline gelingt, müssen sie ihre Investition nicht abschreiben und können sie vielleicht irgendwann sogar rentabel machen. Dabei könnte das Ferienflug-Konstrukt helfen – etwa wenn es nach erfolgreicher Einführung am Markt mit Gewinn an einen neuen Investor weitergereicht wird. Etihad könnte so sogar einen Teil der Investitionen wieder zurückholen.

Warum macht Tui mit?

Der Reisekonzern verzahnte seine deutsche Fluglinie Tuifly eigentlich gerade noch stärker mit den Schwestern in Belgien, Großbritannien, den Niederlanden und Schweden. Dazu wurde auch eine Einheitsmarke eingeführt. Dadurch kann Tui europaweit gleich auftreten, was Marketingkosten spart. Es erleichtert aber auch den Betrieb. Die einzelnen Fluggesellschaften können sich nun Personal und Flugzeuge ausleihen ohne dass der Passagier das Gefühl hat, mit einer anderen Airline zu fliegen als gedacht. Die Loslösung der deutschen Tuifly läuft dem entgegen. Doch Tui hat ebenso ein Interesse an einer Gesundung von Air Berlin.

Tui hat 2009 einen zehn Jahre laufenden Wet-Lease-Vertrag mit Air Berlin abgeschlossen. Der Konzern vermietet 14 Flieger mit Besatzung. Bei einem Aus von Air Berlin wäre dieser lukrative Vertrag hinfällig. Dabei geht es gerüchteweise um Einnahmen von 100 Millionen Euro pro Jahr. Selbst könnte Tui die Flieger kaum gewinnbringend nutzen – teuere Entlassungen wären die Folge. Zudem kann Tui so Terrain besetzen, das bei einem Ende von Air Berlin schnell durch die Konkurrenz belegt worden wäre – etwa Easyjet oder Ryanair.

Warum macht Air Berlin mit?

Air Berlin hat keine Wahl. Die neue Strategie besteht aus einer Konzentration auf das Netzwerkgeschäft. Das Ferienfluggeschäft passt nicht mehr und wird daher konsequenterweise verselbstständigt – meist eine Vorstufe zum Verkauf. Der Wet-Lease mit Tui ist zudem zu teuer und der Großaktionär Etihad macht Druck. Die Lösung des neuen Airline-Verbundes zwischen Etihad und Tui kommt daher sehr gelegen, auch wenn Air Berlin selbst betont, das Ferienfluggeschäft sei «werthaltig». Das Management in Berlin wird so entlastet.

Noch aber wird verhandelt. Die Details des neuen Konstrukts sind nicht bekannt – so auch ob die einzelnen Marken bestehen bleiben, von wo aus geflogen wird und mit wie vielen und welchen Flugzeugen. Es wird auf jeden Fall spannend bleiben bei Air Berlin.



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