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Bisher reiner Airbus-Betreiber

Warum Allegiant die Boeing 737 Max dem Airbus A320 vorzog

Der Billigflieger aus den USA muss seine Investoren von der Entscheidung für die Boeing 737 Max überzeugen. Beim Airbus A320 Neo sah Allegiant einen großen Nachteil.

Allegiant Air

Boeing 737 Max von Allegiant Air über Las Vegas: So soll sie aussehen.

Die Entscheidung kam bei den Investoren nicht gut an. Nachdem Allegiant Air am Mittwoch (5. Januar) einen Auftrag über 50 Boeing 737 Max plus 50 Optionen bekannt gegeben hatte, fiel die Aktie des amerikanischen Billigfliegers um fast 9 Prozent. Die Fluggesellschaft setzt bisher ausschließlich auf Airbus A319 und A320, die meisten davon hatte sie gebraucht erworben.

Gegenüber wichtigen Investoren musste sich Allegiant-Chef Maury Gallagher nun sogar in einer Telefonkonferenz rechtfertigen. Zur Entscheidung, neuwertige Jets zu ordern, sagte Gallagher, man könne bei einer Flotte mit mehr als 100 Flugzeugen nicht nur auf gebrauchte Exemplare setzen. «Keine Airline der Welt wird so geführt – das geht einfach nicht.» Ein Grund sei das Problem, genügend gebrauchte Ersatzteile zu erhalten.

Schockiert von anderem Flugzeugtyp

Aktuell besteht die Flotte aus 108 Jets, 35 Airbus A319 und 73 A320. Bis Ende des Jahrzehnts möchte der Billigflieger jedoch auf mehr als 250 Flugzeuge wachsen.

Bei der Kritik am aktuellen Auftrag geht es aber gar nicht nur um die Frage nach gebrauchten oder neuwertigen Fliegern. So sagte etwa der ehemalige Allegiant-Präsident nach der Verkündung des Auftrages, er sei nicht überrascht, dass die Airline sich neue Flieger beschaffe, «aber schockiert, dass sie sich für einen anderen Flugzeugtyp entschieden haben». Zwei Flugzeugtypen zu betreiben, sei eine große Herausforderung.

737 Max vs. A320 Neo vs. A220-300

Allegiant-Chef Gallagher sagte, dass man von den Boeing 737 Max geringere jährliche Betriebs- und Treibstoffkosten und höhere Erträge erwarte als von der aktuellen Flotte. Spannender ist allerdings der Vergleich mit Airbus A320 Neo und A220-300.

Eine Folie aus einer Allegiant-Präsentation zeigt, wie die Fluggesellschaft zwischen den verschiedenen Modellen abwog. Demnach sieht der Billigflieger es als Nachteil des Airbus A220 an, dass noch nicht sicher ist, ob es eine größere Variante als den A220-300 geben wird. Zudem hat man Zweifel in Bezug auf die Ersatzteilversorgung.

Lange Wartezeit bei Airbus A320 Neo

Die Flexibilität des A320 Neo wird mit nur zwei Varianten des Fliegers beziffert, womit wohl der A319 Neo und der A320 Neo gemeint sind, während der A321 Neo für Allegiant zu groß sein dürfte. Warum für die Boeing 737 Max dann aber vier Versionen aufgeführt sind, ist nicht ganz klar. Denn auch die kommende 737 Max 10 ist deutlich größer als die Max 7 und die Max-Billigfliegervariante 737-8-200, welche Allegiant jetzt bestellt hat.

Das größte Minus der A320-Neo-Familie ist für Allegiant jedoch die Verfügbarkeit, die nur als langfristig markiert ist. «Lieferslots eingeschränkt bis Mitte oder Ende des Jahrzehnts», ist zu lesen. Für die Boeing 737 Max führt die Airline kurzfristige Verfügbarkeit auf und spricht auch von den «niedrigsten Stückkosten» und der Aussicht auf den höchsten Gewinn.

Wie günstig waren die Boeing 737 Max?

Die 50 bestellten Boeing 737 Max sollen ab dem kommenden Jahr eintreffen. Zehn sind zur Auslieferung 2023 vorgesehen, 24 Exemplare für das Jahr 2024 sowie 16 für 2025.

Was nicht thematisiert wird, sind die Anschaffungskosten. Allegiant-Finanzchef Greg Anderson hatte zuvor schon in einem Interview gesagt, man habe «ein großartiges Geschäft gemacht» und einen günstigen Preis erhalten. Konkrete Zahlen nannte er nicht. Dass sich mit KLM und Qantas kurz zuvor zwei wichtige Fluggesellschaften gegen die 737 Max und für Jets von Airbus entschieden hatten, dürfte Allegiant in der letzten Phase der Verhandlungen mit Boeing allerdings in jedem Fall in die Karten gespielt haben.



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