Remote TowerWenn im Kontrollturm niemand sitzt

Der Flughafen Miquelon wird künftig von der 40 Kilometer entfernten Nachbarinsel aus überwacht. Möglich machen das Kameras und Computer. Die Remote-Tower-Technologie wird immer reifer.

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Saint-Pierre et Miquelon ist ein französisches Archipel von 242 Quadratkilometer Größe. Es liegt 4200 Kilometer von der Hauptstadt Paris entfernt und 25 Kilometer vor der Küste der kanadischen Provinz Neufundland. Die Flugverbindungen nach Halifax, Montreal, St. John's und Sydney in Nova Scotia sind für die rund 6000 Bewohner daher lebenswichtig.

Nun vereinfacht die französische Flugaufsicht Direction des Services de la Navigation Aérienne das Management der beiden Flughäfen der Mini-Inselgruppe. Das kleinere Aérodrome de Miquelon, von dem aus neben Privatfliegern einzig die lokale Air Saint-Pierre auf die Hauptinsel fliegt, wird künftig ferngesteuert. Die kanadische Firma Searidge Technologies liefert dazu ihr Remote-Tower-System.

3D-Bilder in 360-Grad-Panorama

Vor Ort werden künftig HD-Kameras Bilder des Flughafens aufnehmen, die an den Kontrollturm am Aéroport de Saint-Pierre Pointe-Blanche gesendet werden. Dort werden sie so dargestellt, dass der Fluglotse das Geschehen so sieht, als würde er vor Ort aus dem Fenster gucken. Dazu werden die 40 Kilometer entfernt aufgenommen Bilder mit einem Algorithmus so zusammengefügt, dass ein korrektes Live-3D-Bild in einem 360-Grad-Panorama entsteht. Die Bildschirme sind zoombar. Neben den HD-Kameras sorgen Wärmebildkameras und drehbare Kameras für ein noch genaueres Bild in allen Wettersituationen.

Die Remote-Tower-Technologie wurde 2002 vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln entwickelt. Searidge Technologies ist heute Marktführerin. Miquelon wird weltweit der dritte Kontrollturm sein, der ganz ferngesteuert wird. Am schwedischen Flughafen von Örnsköldsvik ist ein System von Hersteller Saab im Einsatz, am Fort Collins-Loveland Municipal Airport im US-Bundesstaat Colorado wird derzeit ein System eingebaut.

Es fehlten erst die Geräusche

Die Hersteller vermarkten ihr System als überlegen. Zum einen sind ferngesteuerte Kontrolltürme billiger, weil es weniger Bauten braucht, mehr Fluglotsen mehr kleine Flughäfen gleichzeitig bedienen können und Notfallflüge auch dann landen können, wenn kleine Flughäfen geschlossen sind. Zum anderen wird argumentiert, dass Kameras mehr Dinge aufnehmen können als das menschliche Auge. Daher seien sie auch besser.

Noch müssen Fluglotsen sich aber an die neue Technik gewöhnen. In Schweden versuchten sie immer wieder, ihre Ferngläser zu benutzen, wie sie es früher getan hatten, statt einfach auf dem Touchscreen zu zoomen. Zudem installierte man in Örnsköldsvik nachträglich Mikrofone, weil die Aufseher die Geräusche vermissten.

Potenzial in großen Ländern

Noch steckt die Technik in den Kinderschuhen, doch viele Experten glauben, dass sie die Luftfahrt massiv verändern wird. So können vor allem in größeren Ländern wie den USA oder Australien viele lokale Flughäfen viel effizienter überwacht werden. Die Alternative wäre oft, sie zu schließen.

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