Südkorea nimmt den Kampfjet der Zukunft ins Visier. Die Behörde für Verteidigungsbeschaffung in Seoul hat eine Konzeptstudie für einen Tarnkappenjäger der sechsten Generation ausgeschrieben. Der soll nicht nur extrem schwer zu orten sein, sondern im Einsatz von einer Flotte unbemannter Drohnen und Marschflugkörper unterstützt werden, so die Vorgaben der Defense Acquisition Program Administration Dapa.
Damit legt Korea in der militärischen Luftfahrt nach. Erst im Mai 2026 hatte die Regierung unter Premierministerin Han Seung-sook die Massenproduktion des heimischen Kampfjets der fünften Generation KAI KF-21 Boramae gutgeheißen. Nun geht der Blick bereits eine Generation weiter. Laut lokalen Berichten deuten die Anforderungen an das Design des Mystery-Stealthfighters auf einen Quantensprung gegenüber der KAI KF-21 hin.
Vom feindlichen Radar nicht zu identifizierende Silhouette
Der Entwurf des Sechstgenerationjägers Made in Korea soll leitwerklos und absolut schwer zu orten sein – und bereits in 14 Monaten vorliegen. Im Idealfall soll der Einsitzer mit zwei Triebwerken mit variablem Betriebszyklus ausgestattet sein, die Flüge in Überschall ermöglichen. Interne Waffenschächte sind obligatorisch, um eine vom feindlichen Radar nicht zu identifizierende Silhouette zu gestalten.
Was sich auf dem Hochleistungs-PC vergleichsweise einfach designen lässt, stößt in der Wirklichkeit allerdings schnell an physikalische Grenzen. Denn schwanzlose Kampfflugzeuge, also Flugzeuge ohne Seitenleitwerk sind nur schwer manövrierfähig. Bislang hat nur China es vermocht, mit dem Prototyp der dreistrahligen Chengdu J-36, die seit Ende 2024 erprobt wird, dieses Kunststück zu vollbringen. Deren Diamond-/Double-Delta-Layout ähnelt aus der Froschperspektive einem Flughörnchen – und wirkt aufgrund seiner Spannweite auf den Beobachter recht bedrohlich.
Weltweites Wettrüsten läuft hochtourig
Das aufsehenerregende Konzept steht exemplarisch für einen der wichtigsten Trends bei der Entwicklung künftiger Luftkampfsysteme. Die neuen Jets sollen ihre Umgebung mit Sensoren erfassen, Daten in Echtzeit verarbeiten sowie Begleitflugzeuge und Kampfdrohnen koordinieren. Und sie sollen möglichst lange außerhalb der Reichweite gegnerischer Sensoren und Waffen operieren. Noch allerdings bleiben die modernsten Kampfjets Südkoreas die 40 Lockheed Martin F-35 Lightning II, die seit 2019 einsatzbereit sind.
Südkoreas Konzept fügt sich damit in eine internationale Entwicklung ein, die inzwischen von China und den USA bis nach Europa reicht. Die Vereinigten Staaten entwickeln mit der Boeing F-47 ihren nächsten Luftüberlegenheitsjäger, Großbritannien, Italien und Japan arbeiten am Global Combat Air Programme GCAP. Der klassische Dogfight, also der Nahkampf auf Sichtweite aus dem Cockpit, wird dabei in Zukunft immer unwahrscheinlicher. Statt allein gegen einen Gegner anzutreten, wird der Kampfpilot zum Teamleader. Das Konzept wird auch als Manned-Unmanned Teaming bezeichnet.
Sorge um amerikanischen Kurswechsel
Das Bestreben der Südkoreaner nach Eigenbau in der Militärluftfahrt kommt zu einem geopolitisch interessanten Zeitpunkt. In Seoul hat die Regierung deutlich registriert, dass sich die jahrzehntealte Schutzmacht USA und insbesondere die Trump-Administration immer weniger für Ostasien engagieren und irritierende Signale senden. Präsident hatte am 16. August die gemeinsamen US-südkoreanischen Manöver deutlich zurückgefahren und dies ausdrücklich mit seinem guten Verhältnis zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un begründet, den er noch in diesem Jahr zum vierten Mal persönlich treffen will.
China springt derweil in die Bresche und umwirbt Seoul auffällig, verspricht Südkorea Hilfe, um «strategische Autonomie» zu erreichen. Während sich also die Gewichte zwischen Washington, Peking und Seoul verschieben, arbeitet Südkorea bereits am Kampfjet für die nächste Generation. Der geplante Stealthfighter wäre damit nicht nur ein technologischer Quantensprung gegenüber der KF-21. Er könnte auch Ausdruck eines Landes sein, das sich militärisch weniger darauf verlassen will, dass im Ernstfall andere für seine Sicherheit sorgen.
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