Eurofighter EF- 2000 mit der offiziellen Folierung zur Tranche 4

Eurofighter EF-2000 QuadrigaDeutschlands modernster Kampfjet hebt ab – wie viel mehr steckt im neuen Eurofighter?

Mit der Tranche 4 haben Airbus und das Eurofighter-Konsortium die bislang modernste Ausführung des europäischen Kampfjets entwickelt. Was bietet der Quadriga-Eurofighter?

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Totgesagte leben länger! Während Tarnkappenjäger wie die F-22 Raptor, die F-35 Lightning II (beide aus dem Hause Lockheed-Martin) oder Chinas Shenyang J-35 / FC-31 als Kampfjets der fünften Generation mit radarabsorbierenden Materialien die Schlagzeilen beherrschen, beweist die deutsche Luftwaffe, dass auf dem Schlachtfeld der Zukunft Agilität und Hightech im Innern des Flugkörpers weiterhin zählen.

Der Eurofighter EF-2000 Quadriga kombiniert die Stärken eines modernen Mehrzweckkampfjets mit beachtlichen Verbesserungen bei Radar, Sensorik, Avionik und Vernetzung, ohne die Merkmale eines Kampfjets der fünften Generation (Tarnkappeneigenschaft) zu besitzen.

Quantensprung für die deutsche Luftwaffe

Mit dem ersten Testflug des ersten Serienjets durch Testpilot Stefan Aur am 14. Juli am Airbus-Standort Manching bei Ingolstadt ist die vierte Tranche des seit 2003 im Dienst befindlichen Mehrrollen-Kampfflugzeugs erfolgreich abgehoben. Die modernste Version des europäischen Mehrzweckkampfflugzeugs ersetzt sukzessive die ältesten Eurofighter der ersten Generation. Gleichzeitig soll die vierte Baureihe die Einsatzfähigkeit der deutschen Luftwaffe bis weit in die 2060er-Jahre sicherstellen.

«Eurofighter ist nicht gleich Eurofighter», sagt die Bundeswehr. Tatsächlich stellt der Quadriga-Eurofighter den größten Technologiesprung seit der Einführung des Eurofighters im Jahr 2003 dar. Äußerlich unterscheidet sich die neue Version kaum von ihren Vorgängern. Schlanke Silhouette, vergleichsweise geräumiges Cockpit, markante Canard-Flügel – alles ein Déjà-vu. Und doch gibt es Neuerungen unter der Zelle.

Furchtlos gegen viele Feinde

Mit dem AESA-Radar, der modernisierten Avionik und der offenen Systemarchitektur markiert der Quadriga die bislang umfangreichste Modernisierung des Eurofighters seit dessen Indienststellung. Im Gegensatz zum bisher verwendeten mechanisch geschwenkten Captor-M-Radar arbeitet das neue System mit elektronischer Strahlschwenkung. Dies bedeutet: Die Antenne bleibt weitgehend unbeweglich. Stattdessen wird der Radarstrahl elektronisch und in Echtzeit durch Hunderte oder Tausende einzelner Sende-/Empfangsmodule in die gewünschte Richtung gelenkt.

So kann der Kampfpilot mehrere feindliche Luft- und Bodenziele simultan erfassen und verfolgen. Diese Kapazität ist indes kein Novum. Die russische Mig-31 (Nato-Code: Foxhound) beherrscht dies bereits seit ihrer Indienststellung im Jahr 1981. Allerdings besticht das AESA-Radar der Quadriga durch höhere Auflösung, größere Störfestigkeit und gleichzeitige Luft-Boden-Fähigkeiten.

Eurofighter EF-2000 Quadriga als digitale Gefechtsplattform

Laut Airbus kann die Quadriga zudem besser gegen elektronische Störmaßnahmen, sogenanntes Jamming, bestehen. Kleinere unbemannte Ziele wie Drohnen oder Marschflugkörper lassen sich ebenfalls besser erkennen. Die Softwarearchitektur wurde so ausgelegt, dass sich künftige Waffen, Sensoren und Kommunikationssysteme einfacher integrieren lassen. Besonders wichtig ist ihre Rolle als Basis für den Eurofighter EK. 15 Quadriga-Flugzeuge sollen mit dem schwedischen Saab-Arexis-System ausgerüstet werden. Diese Version ist dazu da, gegnerische Radare und Luftverteidigungssysteme aufzuklären, zu stören und bei Bedarf zu bekämpfen – Aufgaben, die bislang von den alternden Tornado ECR wahrgenommen werden. Auch behält die Quadriga ihre Höchstgeschwindigkeit von rund Mach 2, also doppelter Schallgeschwindigkeit, dank der bewährten EJ200-Triebwerke.

Nach Angaben von Airbus sichert die Eurofighter-Produktion in Deutschland rund 25.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze und bindet etwa 120 Zulieferunternehmen ein. Für 5,4 Milliarden Euro bestellte 2020 die damalige Bundesregierung insgesamt 38 Eurofighter der Tranche 4. Davon sind 30 Einsitzer und acht Doppelsitzer für Ausbildungs- und Trainingsflüge. Dies macht rund 142 Millionen Euro pro Jet, was das Fluggerät, Ersatzteile, Ausbildung der Kampfpiloten und Flugzeugmechaniker und Bodenausrüstung umfasst.

Vier gewinnt

Der Eurofighter absolvierte 2011 seinen ersten Kampfeinsatz bei der Nato-Mission Operation Unified Protector in Libyen. Großbritannien und die Royal Air Force entsandten 18 Kampfjets, Italiens Aeronautica Militare stellte vier Eurofighter zur Verfügung. Kampfpiloten hoben nach der Feuertaufe die Wendigkeit des Jets sowie seine Flugleistungen hervor.

Der Name Quadriga ist übrigens nicht nur eine Hommage an den vierspännigen Streitwagen aus der Antike und Wahrzeichen des Berliner Brandenburger Tors. Die Quadriga steht traditionell für Stärke, Einheit und Fortschritt. Zum anderen verweist der Name auf die vierte Tranche, zum anderen auf die vier Partnerstaaten des Eurofighter-Programms – Deutschland, Spanien, Italien und das Vereinigte Königreich.

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