Letzte Aktualisierung: um 20:34 Uhr
Partner von  

Verunsicherung

Verspätungen in Zürich nach Lotsen-Urteil

Nachdem ein Fluglotse vom Schweizer Bundesgericht verurteilt wurde, reduziert die Flugsicherung am Freitag die Kapazitäten. Viele Lotsen seien verunsichert.

Flughafen Zürich

Flughafen Zürich: Skyguide hat die Kapazität gesenkt.

Das Schweizer Bundesgericht hat am Donnerstag (4. Juli) ein Urteil gegen einen Fluglotsen bestätigt. Während er Dienst schob, war es im April 2013 zu einer Annäherung zweier Flugzeuge von Ryanair und Tap gekommen. Obwohl die Situation glimpflich ausging, verurteilte das Bundesstrafgericht in Bellinzona den Fluglotsen im April 2019 wegen fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs zu einer Geldstrafe. Dieses Urteil bestätigte nun das Bundesgericht als oberste Instanz und verwies darauf, dass der Lotse eine konkrete Gefährdung geschaffen und Sorgfaltspflichten verletzt habe.

«Erstmals ist in der Schweiz somit ein Flugverkehrsleiter rechtskräftig verurteilt worden», teilte die Flugsicherung Skyguide mit. «Skyguide ist über diesen Entscheid enttäuscht und wird nun analysieren, was dies für die Operationen der Flugsicherung in Zukunft bedeutet.» Es müsse die Frage erlaubt sein, ob das Strafrecht das richtige Mittel zur Ahndung eines Vorfalles darstelle, bei dem das Sicherheitssystem wie erwartet funktioniert habe und bei dem es zu keinem Personen- oder Sachschaden gekommen sei.

Lotsen melden sich krank

«Im vorliegenden Fall haben der Flugverkehrsleiter und einer der beteiligten Piloten den Vorfall offen und ehrlich gemeldet, wodurch eine interne und externe Untersuchung eingeleitet wurde», so Skyguide. So etwas müsse auch weiterhin möglich sein, ohne dass Mitarbeitende disziplinarische Konsequenzen befürchten zu müssen, sofern sie die Fehler nicht mutwillig oder grobfahrlässig begangen hätten.

Das Ganze hat auch unmittelbare Auswirkungen auf den Luftverkehr am Flughafen Zürich am Freitag (5. Juli). «Ein gutes Dutzend» Lotsen habe sich krank oder arbeitsunfähig gemeldet, erklärte ein Skyguide-Sprecher  gegenüber der Zeitung Tages-Anzeiger. «Viele Lotsen sind aufgrund des Gerichtsentscheids aufgewühlt.»

Reduzierung auch am Wochenende?

Daher hat Skyguide die Kapazität in der Luft um 25 Prozent, im An- und Abflugverfahren um 10 Prozent verringert. Gegen Mittag betrug die durchschnittliche Verspätung für Starts und Landungen 15 bis 30 Minuten, sagte eine Flughafensprecherin. Die Verspätungen seien aber nicht nur Folge der Skyguide-Maßnahmen, sondern auch der Ferienzeit geschuldet.

Skyguide will die Lage am Nachmittag analysieren, hält es aber für möglich, dass es über das Wochenende so weitergeht. «Es geht darum, Druck aus dem System zu nehmen», so der Sprecher. Auch in Genf, von wo aus der Rest des Schweizer Luftraumes kontrolliert wird, wurde demnach die Kapazität reduziert.

Ähnlicher Fall im Dezember

Im vergangenen Dezember hatte es einen ähnlichen Fall gegeben. Damals wurde ein Zürcher Fluglotsen zu einer sogenannten bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 210 Franken, insgesamt also fast 19.000 Franken verurteilt. Bedingt bedeutet in der Schweiz so viel wie auf Bewährung.

Im März 2011 hatte der Lotse am Flughafen Zürich zwei Maschinen von Swiss die Start-Erlaubnis erteilt – auf sich kreuzenden Pisten. Erst als es einen Alarm gab, brach er das Ganze ab. Skyguide reduzierte die Anflugrate am Flughafen Zürich am Tag danach um 10 Prozent und verwies auf die Verunsicherung unter den Lotsen.

Schön, dass Sie hier sind. Unsere erfahrenen Journalisten bieten Ihnen 365 Tage pro Jahr Nachrichten und Hintergründe. Gratis. Das wird so bleiben. Um unser Angebot weiter zu verbessern, haben wir ein Vielleser-Programm gestartet. Damit finanzieren wir aufwendige Recherchen und die Umsetzung neuer Ideen. Ihr Beitritt hilft, den unabhängigen Luftfahrtjournalismus zu stärken. Und nebenher profitieren auch Sie. Jetzt Mitglied werden!



Die Redaktion behält sich das Recht vor, Kommentare zu moderieren und zu kürzen. Kritische Diskussionen sind willkommen. Beschimpfungen oder Kommentare mit rassistischem, sexistischem, themenfremdem, rein politischem, beleidigendem oder rein polemischem Inhalt hingegen werden entfernt. Es besteht kein Recht auf Veröffentlichung. Über die Entscheide der Moderatoren wird keine Korrespondenz geführt.