Brief von Außenminister Peter Carington: «Ernst und unakzeptabel».

Mysteriöser Flug einer Iljuschin

Dokumente aus Großbritannien zeigen, wie die Sowjetunion im Kalten Krieg Jets von Aeroflot missbrauchte, um militärische Anlagen im Westen auszuspionieren.

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Verteidigungsminister John Nott zeigte sich alarmiert. Im Dezember 1981 informierte er Premierministerin Margaret Thatcher, dass man unübliche Flugbahnen bei Jets aus Ländern des Ostblocks festgestellt habe. Am 9. November etwa sei eine Iljuschin Il-62 von Aeroflot plötzlich und ohne Bewilligung von 35'000 auf 10'000 Fuss gesunken, berichtet er in einem Schreiben, das mit «SECRET UK US EYES ONLY» überschrieben ist. Die Maschine sei unter die Wolkendecke getaucht und über die Radaranlage Boulmer der Royal Air Force geflogen. Danach sei sie wieder auf die normale Reiseflughöhe gestiegen, so Nott in seiner Nachricht an die Regierungschefin.

Was die Briten dabei besonders beunruhigte war, dass es offenbar dieselbe Maschine war, welche bereits in den USA einmal ein solches Manöver durchgezogen hatte. Damals war die Il-62 über die U-Boot-Basis New London der amerikanischen Marine geflogen, als diese gerade ihr neustes Unterseegefährt testete. Für den britischen Verteidigungsminister war deshalb klar: hier geht es um Spionage. Das zeigen Dokumente, die nun vom britischen Staatsarchiv freigegeben wurden und in die aeroTELEGRAPH Einsicht hatte.

Das Radar ausgeschaltet

Ein Einzelfall war der mysteriöse Tiefflug nicht. «Ich verstehe, dass der beschriebene Vorfall nur der letzte in einer ganzen Reihe ist», schrieb Außenminister Peter Carrington in einer Antwort an Nott. Das sei ein «ernster und unakzeptabler». Dass der Tiefflug System hatte zeigte auch, dass das Sekundärradar plötzlich keine Positionssignale mehr an die Flugsicherung sendete, solange die Maschine tiefer als geplant flog. «Darum muss angenommen werden, dass es bewusst ausgeschaltet wurde, um ein absichtliches und vorsätzliches Manöver zu vertuschen», notierte Nott.

Sein Kollege Carrington befand, dass man sich bei den Sowjets beschweren solle. Handelsminister John Biffen pflichtete dem bei. «Keine Einwände», notierte er. Man müsse den Sowjets mit dem Entzug der Überflugrechte drohen, befand Biffen. Aus rechtlichen Gründen sei das problemlos möglich. Zehn Jahre später löste sich das Problem von selbst - mit dem Ende der Sowjetunion.

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