Cockpit: Müdigkeit ist hier oft ein Problem.

Sekundenschlaf im CockpitIn Europa fliegt fast jeder vierte Pilot, obwohl er sich zu müde fühlt

Eine neue Umfrage unter europäischen Pilotinnen und Piloten zeigt, dass Müdigkeit und Sekundenschlaf weiterhin große Probleme im Cockpit sind. Dabei gibt es teilweise große Unterschiede zwischen Ländern und verschiedenen Arten von Fluggesellschaften.

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Luftfahrt

Europäische Pilotinnen und Piloten haben oft zu wenig Erholung zwischen den Flügen und kämpfen häufig mit Sekundenschlaf - das zeigte 2023 eine Umfrage im Auftrag der European Cockpit Association ECA. Drei Jahre später zieht der Dachverband der Cockpitcrew-Berufsverbände und -Gewerkschaften am Montag (26. Oktober) eine ernüchternde Bilanz.

«Seit dem letzten Bericht 2023 hat sich nach den Erfahrungen der europäischen Pilotinnen und Piloten bei keiner der untersuchten Dimensionen des Ermüdungsrisiko-Managements der Fluggesellschaften eine signifikante Verbesserung gezeigt», schreibt die ECA.

24,2 Prozent fliegen, obwohl sie sich zu müde fühlen

Der Verband hat eine neue Untersuchung in Auftrag gegeben und dafür zwischen dem 4. August und 7. September 2026 insgesamt 7198 Pilotinnen und Piloten aus 32 europäischen Ländern befragen lassen. Dabei zeigte sich: 38,8 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in den vergangenen vier Wochen meist oder immer zu wenig Ruhezeit hatten, bei 76,8 Prozent war dies zumindest manchmal der Fall. Ebenfalls 76,8 Prozent erlebten demnach in dieser Zeit mindestens einmal Sekundenschlaf im Cockpit, 24,7 Prozent sogar mehrmals.

Und wie reagieren die Pilotinnen und Piloten, wenn sie sich zu müde zum Fliegen fühlen? 37,2 Prozent der Befragten melden genau das und fliegen nicht. 16,8 Prozent melden sich krank. 24,2 Prozent melden sich gar nicht und fliegen, obwohl sie sich zu müde fühlen. Von den übrigen Befragten gaben 18,3 Prozent an, dass sie sich üblicherweise nicht zu müde zum Fliegen fühlen, und 3,5 Prozent sagten, dass keiner dieser Antwortmöglichkeiten zutrifft.

Wo ist die Airline gemeldet? Unterschied zwischen Ländern

Dabei gibt es aber große Unterschiede zwischen den Ländern. So haben die Pilotinnen und Piloten von Fluggesellschaften mit Luftverkehrsbetreibezeugnis in Deutschland etwa den höchsten Wert bei denjenigen, die sich krankmelden mit 36 Prozent. Nicht fit zum Fliegen aufgrund von Müdigkeit melden sich hierzulande dagegen nur 25,6 Prozent, während Großbritannien dabei in der Umfrage den Höchstwert von 67 Prozent erreicht.

Darüber hinaus äußerten 44 Prozent der Befragten große oder moderate Bedenken hinsichtlich negativer Konsequenzen, falls sie eine Verlängerung der Flugdienstzeit im Rahmen der «Entscheidungsbefugnis des Kommandanten» («Commander’s Discretion») ablehnen. Diese Werte liegen bei Pilotinnen und Piloten von Fluggesellschaften mit Luftverkehrsbetreiberzeugnis in Irland oder Malta höher (55,2 und 47,7 Prozent), ebenso bei Crew-Mitgliedern von Billigflug- oder Wet-Lease-Airlines (59,7 und 57,4 Prozent). Im Vergleich dazu lag der Anteil der Piloten mit entsprechenden Bedenken beispielsweise in Deutschland bei nur 4,7 Prozent und in den Niederlanden bei 3,5 Prozent.

Vereinigung Cockpit: Auch für Deutschland keine Entwarnung

Zu diesem Punkt sagt Anja Granvogl, Vorständin für Sicherheit bei der deutschen Cockpitcrew-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit VC: «Die Entscheidung über eine Verlängerung der Flugdienstzeit muss sich ausschließlich an der Flugsicherheit und der tatsächlichen Belastbarkeit der Besatzung orientieren.» Wenn Pilotinnen und Piloten befürchten müssten, für eine sicherheitsbewusste Entscheidung unter Druck gesetzt oder sanktioniert zu werden, laufe etwas grundlegend falsch. «Die Commander’s Discretion ist ein Instrument für außergewöhnliche Situationen und darf nicht dazu dienen, unrealistische Flugplanungen oder betriebliche Engpässe regelmäßig aufzufangen.»

Generell nennt Granvogl die Ergebnisse der Umfrage erschreckend, besonders, da «sich gegenüber 2023 praktisch nichts verbessert hat». Zwar schneide Deutschland in einzelnen Aspekten besser ab, dennoch sehe man auch hierzulande keinen Anlass zur Entwarnung.

Das fordert die deutsche Cockpitcrew-Gewerkschaft

«Fluggesellschaften müssen ihrer Verantwortung für ein wirksames, präventives Ermüdungsrisikomanagement gerecht werden», fordert die VC-Vorständin. Nationale Aufsichtsbehörden und die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) müssten die Einhaltung bestehender Schutzvorschriften konsequenter überwachen und regulatorische Lücken schließen. «Insbesondere muss sichergestellt werden, dass Pilotinnen und Piloten Ermüdung ohne Angst vor beruflichen Nachteilen melden und eine Verlängerung ihrer Flugdienstzeit ohne negative Konsequenzen ablehnen können», sagt Granvogl.

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