Erst jetzt berichtet die französische Untersuchungsbehörde BEA in einem neuen Zwischenstand über diesen besonderen Teil der Ermittlungen. Bei dem Nachtflug ging es vor allem um die beiden parallelen Pisten 04L und 04R, und darum, welchen Einfluss ihre unterschiedliche Befeuerung auf die Wahrnehmung aus dem Cockpit haben kann.
Die Pistenbeleuchtung in Nizza stand bereits im Fokus
Damit geht die Ermittlungsbehörde einer Spur nach, die sich bereits im vorläufigen Untersuchungsbericht abgezeichnet hatte. Denn die beiden Pisten waren zum Zeitpunkt des Zwischenfalls unterschiedlich beleuchtet. Während 04L mit älteren Halogenlampen ausgestattet war, verfügte 04R über hellere LED-Leuchten. Hinzu kamen in jener Nacht Regen und eingeschränkte Sicht.
Genau in dieser Situation kam es zur folgenschweren Verwechslung. Die Crew des aus Tunis kommenden Airbus A320 von Nouvelair hatte die Freigabe für 04L erhalten und bestätigt. Tatsächlich flog sie jedoch 04R an. Dort wartete bereits der Airbus A320 von Easyjet auf den Start nach Nantes. Der Nouvelair-Jet flog nur wenige Meter über ihn hinweg und startete durch.
Auch Gendarmerie und technischer Dienst helfen
Ob die unterschiedliche Beleuchtung tatsächlich dazu beigetragen hat, dass die Crew die falsche Piste ansteuerte, steht weiterhin nicht fest. Der Nachtflug soll den Ermittlern helfen, diesen möglichen Faktor besser zu beurteilen. Dabei verlassen sich die Fachleute nicht allein auf den Flug mit Easyjet. Für die Untersuchung zogen sie auch die Fliegerstaffel der französischen Gendarmerie hinzu. Der technische Dienst der französischen Zivilluftfahrt STAC untersuchte seinerseits die Eigenschaften der Pistenbeleuchtung und deren Wahrnehmung.
Das BEA schaut zudem über den konkreten Zwischenfall hinaus. Die Ermittler beschäftigen sich mit früheren Pistenverwechslungen am Flughafen Nizza und untersuchen die europäischen Vorschriften für die Beleuchtung von Flugplätzen. Dabei geht es auch darum, wie diese Beleuchtung am Boden und aus der Luft kontrolliert wird.
Flugschreiber von Nouvelair werden ausgewertet
Parallel dazu werteten die Fachleute die Flugschreiber des Nouvelair-Airbus, Daten der Flugsicherung und den Funkverkehr aus. Sie befragten die beteiligten Piloten und Fluglotsinnen und -lotsen und beschäftigten sich mit deren Ausbildung und den geltenden Verfahren.
Aus den bisherigen Arbeiten ergeben sich laut BEA mehrere Bereiche, in denen Verbesserungen möglich sein könnten. Dazu zählen die Kenntnisse von Crews über Besonderheiten einzelner Flughäfen, Vorgaben und Kontrollen bei der Pistenbeleuchtung sowie die Nutzung des A-SMGCS-Bodenkontrollsystems. Auch der Umgang der französischen Flugsicherung DSNA mit sicherheitsrelevanten Ereignissen wird untersucht.
Untersuchung noch nicht abgeschlossen
Endgültige Schlüsse zieht das BEA daraus noch nicht. Die Behörde betont, dass sich die bisherigen Punkte im weiteren Verlauf der Untersuchung verändern können. Erst nach Abschluss der noch laufenden Arbeiten soll feststehen, welche Faktoren dazu beitrugen, dass der Nouvelair-Airbus in jener Nacht auf die falsche Piste zuflog.
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