Flughafen Klagenfurt: Leidet unter einer Pattsituation.

Airport in GefahrShowdown am Flughafen Klagenfurt

Nicht die Folgen der Pandemie sind das große Problem. Ein Streit zwischen den Eigentümern bedroht die Existenz des Flughafens Klagenfurt.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Team Leader Account Management

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
HahnAir

Compliance Monitoring Manager (all genders)

Hahn Air Lines GmbH
Vollzeit
Düsseldorf
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Luftfahrt
Etihad Job

Captain A320

Etihad Airways
Vollzeit
Abu Dhabi
Top jobs
United Arab Emirates
Feste Anstellung
Etihad Job

First Officer A320

Abu Dhabi
Feste Anstellung
Etihad Airways
United Arab Emirates
Vollzeit
Top jobs

Ein großer Flughafen war Klagenfurt nie, auch nicht für einen Regionalflughafen. Damit der kleine Airport weiter betriebsfähig ist, braucht er Geld. Um liquide zu sein und für die notwendigen Investitionen. Das Terminal stammt aus den 1970er-Jahren, die Security-Einrichtungen müssen den neuesten Vorschriften angepasst werden. Und das sind nur die notwendigsten Verbesserungen. Doch es passiert nichts. Denn der Mehrheitseigentümer und die Minderheitseigentümer Land und Stadt ziehen nicht an einem Strang.

Zwischen 200.000 und 300.000 Fluggäste pro Jahr wurden vor der Pandemie in Klagenfurt gezählt. Zu wenig, um gut zu leben, zu viel, um zu sterben. Deshalb ist vor vier Jahren der Flughafen privatisiert worden. 74,9 Prozent gingen nach einer Ausschreibung an die Lilihill Aviation City Beteiligungs GmbH des Immobilienunternehmers Franz Peter Orasch.

Gegenseitige Vorwürfe

Die restlichen Anteile, die Sperrminorität, halten das Land Kärnten und die Stadt Klagenfurt. Ziel war es, über den Umweg von Industrieansiedlungen, Bürokapazitäten, Gastronomie und Messeveranstaltungen die Passagierzahlen am Flughafen zu steigern. Sogar eine eigene kleine Fluglinie war im Gespräch, um die Wirtschaftstreibenden in Kärnten besser mit Deutschland zu verbinden.

Aus den Plänen wurde – nichts. Land und Stadt werfen Lilihill vor, nichts zu investieren und große Grundstücksflächen für eigene Ziele zweckentfremden zu wollen. Orasch beklagt derweil, dass Klagenfurt entgegen ursprünglicher Zusagen den Messestandort doch nicht an den Flughafen verlegen will. Wie aus gut informierter Quelle verlautet, sollen Land und Stadt zudem Ansiedlungspläne von Amazon und DHL am Standort Flughafen vereitelt haben.

Ryanair kehrt im Herbst zurück

Dazu kommt der Streit darum, was im Falle einer (notwendigen) Eigenkapitalzufuhr durch den Investor Orasch mit den Minderheitseigentümern passiert. Verwässern, also unter die Sperrminorität fallen, wollen diese nicht. Die restlichen Anteile verkaufen wollen sie auch nicht. Alles zu zahlen, aber nur zwei Drittel der Gewinne zu bekommen, will der Investor nicht. Eine klassische Pattsituation.

Aktuell ist Klagenfurt, abseits von Charterflügen, nur mit Wien (Austrian Airlines) und Köln (Eurowings) verbunden. Ab Herbst will Ryanair ab Klagenfurt dann London, Dublin, Brüssel und Manchester anfliegen. Jene Fluglinie, die schon vor Jahren nur wegen hoher Förderungen Klagenfurt bedient hatte. Nach einem Urteil der EU-Kommission waren diese Beihilfen rechtswidrig, Ryanair und Tuifly müssen deshalb 13 Millionen Euro zurückzahlen.

Ohne Investitionen wackelt Betriebsgenehmigung

Die Passagierzahlen sind durch die Pandemie unter 100.000 gefallen. Und plötzlich wittert die Politik Morgenluft. Denn im Vertrag existiert eine Klausel, wonach Stadt und Land die Anteile dann wieder günstig zurückkaufen können. Orasch sagt, die Klausel gelte nicht, wenn höhere Gewalt der Grund für den Passagierrückgang sei, und die Pandemie sei höhere Gewalt. Und er würde so einen Rückkauf gerichtlich bekämpfen. Ob es soweit kommt, ist aber fraglich. Denn einerseits sind sich die Parteien im Land uneins. Andererseits müssten dann Stadt und Land alle Investitionen mit Steuergeld bezahlen.

Die Zukunft des Flughafen Klagenfurt ist daher ungewiss. Ohne Investitionen droht er die Betriebsgenehmigung zu verlieren. Und ist sie einmal weg, wird es sehr schwierig sein, sie wiederzubekommen, sagen Insider. Etwas mehr als 100 Beschäftigte könnten ihre Jobs verlieren.

Mehr zum Thema

Ryanair fliegt ab Klagenfurt vier Ziele an

Ryanair fliegt ab Klagenfurt vier Ziele an

Avanti Air fliegt für Reiseveranstalter ab Klagenfurt

Avanti Air fliegt für Reiseveranstalter ab Klagenfurt

Ryanair und Tuifly müssen Beihilfen des Flughafens Klagenfurt zurückzahlen

Ryanair und Tuifly müssen Beihilfen des Flughafens Klagenfurt zurückzahlen

ticker-oesterreich

Österreich modernisiert Luftfahrtgesetz und Drohnenregeln

Video

Der neue Honda Jet: Die Maschine heißt ab sofort Echelon.
Der japanische Businessjet-Hersteller vermeldet Fortschritte beim Bau der ersten Echelon-Maschine, muss aber gleichzeitig eine deutliche Verzögerung einräumen. Erstflug und Zulassung verschieben sich um bis zu drei Jahre.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
Airbus A320 Neo wird bei Tarmac Aerosave zerlegt: Das Unternehmen erweitert seine Zerlegungskapazitäten.
Eigentlich könnten sie noch Jahrzehnte fliegen. Trotzdem werden derzeit auffällig viele junge Airbus A220, A320 Neo und Boeing 737 Max zerlegt. Warum?
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
Ilyushin Il-96: Das Flugzeug ist am 16. September in Köln gelandet.
Eine Ilyushin Il-96 der russischen Spezialflugstaffel ist heute in Köln/Bonn gelandet. Vermutet wird, dass die Maschine Mitarbeitende des russischen Konsulats in Bonn abholt. Die Landung im Video.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies