Nacht im Cockpit: Statt nur aus dem Fenster zu schauen, studieren viele Dienstvorschriften.

Fragen Sie den PilotenSchauen Piloten im Cockpit Serien oder Filme?

Ich frage mich immer wie man sich auf einem Langstreckenflug die Zeit im Cockpit vertreibt, fragt aeroTELEGRAPH-Leser Lukas Wunderlich. Ein Linienpilot antwortet.

Top-Jobs

bwlv

Fluggerätmechaniker (m/w/d)

BWLV-Motorflugschule Hahnweide
Vollzeit
Kirchheim/Teck
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Flugschule
Pilatus Logo

Team Leader Account Management

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Hahnair Logo

Compliance Monitoring Manager (all genders)

Hahn Air Lines GmbH
Vollzeit
Düsseldorf
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Luftfahrt
Etihad Job

Captain A320

Etihad Airways
Vollzeit
Abu Dhabi
Top jobs
United Arab Emirates
Feste Anstellung

Die Arbeitsbelastung für Piloten im Reiseflug steht in keinem Verhältnis zu der bei Start und Landung. Aus dienstlicher Sicht bleiben aber noch genug Aufgaben, die den Flugverlauf begleiten. Die durch einen Beobachter sichtbare Arbeitsmenge nimmt aber ab.

Neben Funkverkehr mit den Radarlotsen bleibt das vereinzelte Korrigieren des bereits programmierten Autopiloten. Es wird zudem von Zeit zu Zeit das Protokollieren der Kraftstoffmenge und der Abgleich mit den Planungsdaten fällig. Das Boden- und Strecken-Wetter und Nutzbarkeit der umliegenden Flughäfen wird fortlaufend geprüft, um immer einen Plan B und C zur Hand zu haben. Die Vitalfunktionen der wichtigen Systeme an Bord werden begutachtet ... und dann bleibt noch einige Zeit übrig.

Zeit für ein Gespräch privater Natur

Statt nur aus dem Fenster zu schauen, studieren viele Kollegen Dienstvorschriften, deren Aktualisierungen, neue Gesetze und neue Verfahren. Diese zur Kenntnis zu nehmen oder mit dem Kollegen zu diskutieren — wenn alle anderen Aufgaben zur aktiven Flugführung erledigt sind — wird von den Airlines in aller Regel akzeptiert.

Und auch Zeit für ein Gespräch privater Natur findet sich im Reiseflug, das unter 10.000 Fuß Flughöhe absolut verboten ist.  Das alles wird ergänzt mit kleineren Zeitfressern wie Passagieransagen, Essen, Trinken und Toilettenbesuche, da geht jeder Flug um. In 20 Jahren Berufsluftfahrt habe ich noch nicht erlebt, dass ein Kollege bei mir im Cockpit Filme oder Serien geschaut hat oder den Vorschlag dazu unterbreitete.

Anders in der Pausenzeit

Ganz klar davon differenzieren muss man aber die freie Pausenzeit bei verstärkten Crews. Wenn beispielsweise zwölf Stunden durch die Nacht nach Kapstadt geflogen wird, dann wird in der Regel mit drei Piloten geflogen. Wenn man für Start und Landung je eine Stunde abzieht, verbleiben zehn Stunden Nachtflug in denen jeweils ein Kollege im Crew Rest für je gute 3 Stunden rollierend ruhen kann. Wer nicht schlafen kann wird dort außerhalb des Cockpits lesen, Filme gucken, meditieren oder was anderes entspannenden machen.

Und um nochmal auf das private Gespräch im Reiseflug zurückzukommen: Rückblickend ist es verblüffend, welchen Zugang zu Informationen all diese Gespräche mit Kollegen bieten. In der Regel werden bei großen Airlines mit großen Flotten die Crews immer wieder neu zusammengewürfelt, sodass man quasi nie mit den gleichen Kollegen wiederholt fliegt. Stellen Sie sich also vor, Sie werden vier Mal im Monat für mehrere Tage mit einer immer wieder fremden Person in einem drei Quadratmeter kleinem Zimmer eingesperrt (Cockpit) und dort zum Gespräch gebeten.

Erweiterung des persönlichen Horizonts

Neben der Fliegerei sind die allermeisten Kollegen noch verliebt in irgendein anderes Hobby oder Thema. Der eine ist Finanzexperte, der Nächste studiert nebenbei Jura, der Dritte baut Solarparks, jemand züchtet Bienen, ist politisch engagiert, oder ist Prepper oder oder oder... zu all diesen immer unterschiedlichen Themen bekommt man detaillierten Zugang, vor allem bei mehrtägigen Umläufen. Eine wunderbare Ergänzung meines Berufes und Erweiterung des persönlichen Horizonts - und vor allem besser als jeder Film !

Was Sie schon immer übers Fliegen wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten: Ein Pilot einer großen europäischen Fluglinie beantwortet exklusiv für aeroTELEGRAPH die Fragen der Leser. Er bleibt dabei anonym, um unabhängig antworten zu können.  Schicken Sie uns einfach eine E-Mail an pilot@aerotelegraph.com.  Unter den eingesandten Fragen werden die spannendsten jeweils auf aeroTELEGRAPH beantwortet. Dabei wird der Name des Einsenders veröffentlicht. Ein Recht auf Beantwortung besteht nicht. Es gelten die AGB von aeroTELEGRAPH.

Mehr zum Thema

Betankung eines Flugzeuges: Nachhaltiger Treibstoff wird beigemischt.

Warum wird heute auch beim Einsteigen betankt?

Flugzeugkabine: Die Luft ist meist ziemlich trocken.

Warum befeuchtet man die Kabinenluft nicht?

Triebwerk eines Airbus A220: 50 Prozent Leistungsreserven.

Was, wenn beim Start ein Triebwerk ausfällt?

Video

Betankung einer Boeing 747 von Lufthansa: IN Frankfurt ist Kerosin knapp.
Der niedrige Wasserstand des Rheins wird zum Problem für Deutschlands größten Flughafen. Tankschiffe können nur noch eingeschränkt Kerosin liefern. Deshalb hat Lufthansa ihre Crews angewiesen, auf ausgewählten Strecken zusätzlichen Treibstoff nach Frankfurt mitzubringen.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
Airbus U740 Valkyrie: Erstflug erfolgreich absolviert.
Sie startet ohne Landebahn, erreicht bis zu Mach 0,8 und kann bewaffnet werden: Die Airbus U740 Valkyrie hat ihren ersten Flug absolviert. Künftig soll das autonome Kampflugzeug gemeinsam mit Eurofightern operieren.
gerard al fil
Gérard Al-Fil
Boeing 747-8 von Lufthansa: Am 10.Oktober wäre es fast zu einem Tailstrike in Los Angeles gekommen.
Eine Boeing 747-8 von Lufthansa musste in Los Angeles durchstarten. Dabei kam das Heck des Jumbo-Jets der Piste bedenklich nahe.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies