Aero-Dienst-Chef Oliver Kosing: Betreibt die Rettungsflugzeuge für den ADAC.

Podcast LuftraumADAC-Ambulanzjets: «Wir können innerhalb von zwei bis drei Stunden in der Luft sein»

Die Ambulanzflugzeuge des ADAC holen jedes Jahr rund 1000 schwer erkrankte oder verletzte Menschen nach Deutschland zurück. Betrieben werden sie von Aero-Dienst in Nürnberg. Geschäftsführer Oliver Kosing erklärt, wie aus Businessjets fliegende Intensivstationen werden, warum manche Einsätze Hunderttausende Euro kosten - und weshalb die Flotte jetzt modernisiert wird.

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Wenn Urlaub plötzlich im Krankenhaus endet, beginnt für Aero-Dienst häufig ein Wettlauf gegen die Zeit. Das Nürnberger Unternehmen betreibt im Auftrag des ADAC vier Ambulanzflugzeuge und sorgt dafür, dass schwer verletzte oder schwer erkrankte Mitglieder sicher nach Deutschland zurückgebracht werden. «Man fliegt keinen Patienten für irgendwelche Lappalien», erklärt Geschäftsführer Oliver Kosing im Podcast Luftraum von aeroTELEGRAPH dazu. «Natürlich nur, wenn es sich um schwere Verletzungen handelt oder schwer erkrankte Personen.»

Ein Motorradunfall in Thailand, ein schwerer Verkehrsunfall in Südeuropa oder eine akute Erkrankung im Urlaub - erst wenn ein Transport mit einem Linienflugzeug nicht mehr möglich ist, kommen die speziellen Ambulanzjets zum Einsatz.

Rund 1000 Patientinnen und Patienten pro Jahr

Die Zahlen zeigen die Dimension des Geschäfts. Der ADAC betreut jährlich rund 40.000 medizinische Notfälle im Ausland. Etwa 10.000 Betroffene werden auf dem Landweg nach Hause gebracht, rund 3000 fliegen mit Linienmaschinen zurück. Für ungefähr 1000 hebt einer der gelben Ambulanzjets ab. Bevor das geschieht, läuft jedoch zunächst eine umfangreiche medizinische Prüfung. «Beim ADAC in München klären festangestellte Ärzte zunächst mit dem Krankenhaus vor Ort, wie es um den Patienten steht», erklärt Kosing. «Ist er überhaupt flugfähig?

Ebenso müsse bereits vor dem Start feststehen, welches Krankenhaus den Patienten in Deutschland übernimmt. «Das ist tatsächlich mittlerweile in Deutschland ein Thema. Das ist gar nicht so einfach.»

Businessjet wird zur Intensivstation

Die Flugzeuge beginnen ihr Leben als gewöhnliche Businessjets. Erst in Nürnberg werden sie zu fliegenden Intensivstationen umgebaut. «Die Businessjet-Ausstattung wird rausgenommen und es kommen medizinische Stretcher mit entsprechendem Equipment hinein», sagt Kosing. «Den Umbau selbst und die entsprechende Zulassung machen wir bei uns.»

Rettungsjet von innen.

Die medizinische Besatzung stammt dabei nicht aus dem eigenen Unternehmen. Aero-Dienst arbeitet unter anderem mit dem Universitätsklinikum Erlangen, der Cnopfschen Kinderklinik in Nürnberg und mit den Maltesern zusammen. «Das ist ein großer Vorteil», sagt Kosing. «Die Ärzte und Sanitäter arbeiten täglich im Krankenhaus und kennen dadurch die modernste medizinische Technik. Sie fliegen dann von Zeit zu Zeit für uns.»

Im Notfall Start innerhalb von drei Stunden

Bis ein Ambulanzflug tatsächlich startet, arbeitet im Hintergrund ein großes Team. «Es müssen Landeerlaubnisse organisiert werden. Es muss geprüft werden, ob wir den Flughafen überhaupt anfliegen können. Die Routen müssen geplant, Überfluggenehmigungen eingeholt und die Treibstoffversorgung sichergestellt werden», beschreibt Kosing den Aufwand.

Normalerweise erhält Aero-Dienst den Einsatzauftrag einen Tag im Voraus. Doch im Ernstfall geht es deutlich schneller. «Wir können innerhalb von zwei bis drei Stunden in der Luft sein», sagt Kosing. «Das ist aber nicht die Regel. Normalerweise wissen wir gegen elf Uhr, was wir am nächsten Tag fliegen.» Solche Soforteinsätze gebe es lediglich «ein bis zwei mal pro Jahr».

Das Hauptgeschäft findet in Europa statt

Grundsätzlich fliegen die ADAC-Ambulanzjets weltweit - sofern die Sicherheitslage es zulässt. «Weltweit - ausgenommen Kriegs- und Krisengebiete», sagt der Aero-Dienst-Chef. «Da fliegen wir nicht hin.» Die meisten Einsätze führen in klassische Urlaubsregionen.

«Ganz Europa, Nordafrika, die Kanaren und die Türkei - das ist unser Brot-und-Butter-Geschäft», erklärt er. Inzwischen nehme auch das Verkehrsaufkommen nach Skandinavien zu. Die Einsätze folgen dabei klar dem Reiseverhalten der Deutschen. «Die Hochsaison sind die Sommerferien und die Wochen danach bis in den November.»

Zwei Challenger ersetzen die Learjets

Noch besteht die Ambulanzflotte aus zwei Learjets und zwei Dornier 328 Jet. Doch: «Die Learjets sind nicht die Zukunft», sagt Kosing. «Wir werden sie in den nächsten Jahren gegen leistungsfähigere Flugzeuge mit größerer Kabine austauschen.»

Dornier 328 Jet.

Bereits bestellt sind zwei Bombardier Challenger 650. «Der erste Challenger kommt im August aus Kanada», kündigt er an. Anschließend werde das VIP-Interieur entfernt und durch medizinische Ausrüstung ersetzt. «Anfang Oktober soll das Flugzeug in Betrieb gehen.» Der zweite Challenger folgt im kommenden Jahr. Dieser erhält eine neu entwickelte Spezialkabine, in der bis zu vier Patienten liegend transportiert werden können.

Rückholungen kosten bis zu mehrere Hunderttausend Euro

Die Kosten für einen Ambulanzflug hängen stark von der Entfernung ab. «In Europa geht es bei mehreren zehntausend Euro los», sagt Kosing. «International können es mehrere Hunderttausend Euro werden.»

Für die Crews selbst bleibt trotz der medizinischen Ernsthaftigkeit des Einsatzes die Motivation hoch. «Der Ambulanzpilot sieht deutlich mehr als ein klassischer Linienpilot», sagt Kosing. «Es sind jeden Tag andere Flughäfen. Und natürlich tut er etwas Gutes. Wir helfen Menschen - und der Pilot ist ein elementarer Bestandteil dieser Mission.»

Das ganze Gespräch mit Oliver Kosing, dem Geschäftsführer von Aero-Dienst in Nürnberg, hören Sie jetzt in unserem Podcast:

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