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Bilder einer sterbenden Airline

Lloyd Aéreo Boliviano ist eine der ältesten Fluglinien. Sie hat 200 Angestellte, fliegt aber seit Jahren nicht mehr. Ein Fotograf dokumentierte den Betrieb.

Nick Ballons neustes Projekt ist melancholisch und absurd zugleich. «Ezekiel 36:36» heißt es. Und auch wenn der biblische Name nicht direkt auf den Inhalt schließen lässt – irgendwie passt er. Der britische Fotograf dokumentierte den Alltag bei Lloyd Aéreo Boliviano. Der Projektname ist auch der Name des letzten aktiven Fliegers der Airline. Abgehoben ist LAB aber seit 2008 nicht mehr. Nach mehr als 80 Jahren entzog die bolivianische Aufsichtsbehörde ihr damals die Lizenz. Seit der Privatisierung im Jahr 1997 hatte stetes Missmanagement dazu geführt, dass der Betrieb unmöglich wurde.

Noch immer besitzt LAB ein Hauptquartier am Jorge Wilstermann International Airport in Cochabamba. Nick Ballon sah es zufällig auf einer privaten Reise. Die morbide Stimmung zog ihn an. Alte Flieger vor herunter gekommenen Hangars, tote Vögel auf Flugzeugsitzen. Und Angestellte. Angestellte die immer noch darauf warten, dass die einstige Nationalairline aus ihrem Koma erwacht.

Noch 200 Angestellte

Rund 200 Menschen arbeiten offiziell noch für LAB – auch wenn sie schon lange nicht mehr regelmäßig ein Gehalt bekommen. In den sechs Monaten, die Ballon den Betrieb der Fluggesellschaft beobachtete, lernte er sie kennen. Und meistens sah er sie warten. Nickerchen während des Tages sind angesichts der fehlenden Arbeit etwas ziemlich normales geworden.

Hin und wieder, berichtet der Fotograf, komme ein Reicher, welcher der Fluggesellschaft verspreche, sie wieder auf die Beine zu bringen. Auf seinen Fotos sieht man, wie sich die Angestellten um einen der selbsternannten Retter reihen. Doch wirklich funktioniert hat das nie.

Unbenutzter Flugsimulator

Seitdem gammelt alles vor sich hin. Die letzten Flieger verstauben in einem Hangar, der Flugsimulator für rund 2,5 Millionen Dollar bleibt eingepackt. Nur Ezekiel 36:36 fliegt noch. LAB hat den Jet ans Militär geleast. Die 150 Millionen Dollar Schulden lassen sich dadurch aber kaum abbauen.

Die Angestellten geben nach und nach auf. Ballon sprach mit Kapitän Zabalaga. Er trat Ende 2012 in Streik, weil er und seine Crew schon lange nicht bezahlt worden waren – erfolglos. Schließlich kündigte der Pilot. Seine ehemaligen Kollegen klammern sich noch an die Hoffnung. Fast schon absurd genau trifft es da der Psalm, auf den sich der Name des letzten Fliegers bezieht: «Und die Heiden, so um euch her übrigbleiben werden, sollen erfahren, dass ich der Herr bin, der da baut, was zerrissen ist, und pflanzt, was verheert war. Ich, der Herr, sage es und tue es auch.»

Klicken Sie sich oben durch die Bildergalerie einer Auswahl von Ballons besten Fotos.

Das Buch Ezekiel 36:36 kann man hier online erstehen.



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