Letzte Aktualisierung: um 17:40 Uhr

Airbus-Jet

Merkels Wutanruf und der neue A321 LR der Flugbereitschaft

Die deutsche Bundeswehr hat ihren ersten Airbus A321 LR erhalten. Nach peinlichen Pannen in der Vergangenheit steht er bei der Flugbereitschaft für eine neue Flottenepoche.

Generalleutnant Ingo Gerhartz steht vor einem neuen Airbus A321 LR. Lufthansa Technik, die das Flugzeug in der grauen Bemalung der deutschen Luftwaffe ausgebaut hat, übergibt ihn heute auf der Messe ILA an die Bundeswehr. Doch bevor er sich in seiner Rede der Gegenwart zuwendete, blickt der Inspekteur der Luftwaffe in die Vergangenheit.

«Am 30. November 2018 ist es Luftwaffe und Flugbereitschaft nicht gelungen, die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel rechtzeitig zum G20-Gipfel nach Buenos Aires zu bringen», erinnert sich Gerhartz. «Der erste A340, in dem sich die Kanzlerin befand, musste aufgrund von elektrischen Problemen eine Notlandung in Köln-Bonn machen.» Der zweite A340 habe aufgrund der Flugdienstzeit der Crew nicht zur Verfügung gestanden. Schließlich musste die Bundeskanzlerin per Linienflug mit Iberia nach Argentinien reisen.

Standpauke von der Kanzlerin

«An dem Abend hatte ich direkten telefonischen Kontakt mit der damaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und dann letztlich auch mit der Kanzlerin», erzählt Gerhartz uns sagt an die Zuhörer gerichtet: «Sie alle kennen das, wenn Sie ihr Handy auf den Tisch legen und der Gegenpart ist gut zu verstehen, ohne dass die Lautsprecherfunktion aktivieren wäre. So erging es mir an diesem Abend.»

Aus dieser Krise habe sich aber auch die Chance ergeben, durch die man heute eine moderne und verlässliche Flugbereitschaft habe, so Gerhartz weiter. Er meint damit die Anschaffung von drei Airbus A350-900 und zwei Airbus A321 LR. Einer der A350 ist schon ausgeliefert, der zweite soll im Herbst 2022 folgen.* Und nun ist auch der erste A321 LR da.

Platz für bis zu 136 Fluggäste

Der nun übergebene Flieger, der das taktische Kennzeichen 15+10 tragen wird, ist aber nicht eigentlich dazu da, Kanzler und Co. zu transportieren, sondern im Normalfall Bundeswehrangehörige. Lufthansa Technik hat das Flugzeug so eingerichtet, dass es beim Truppen- und Passagiertransport eine Kapazität von bis zu 136 Fluggästen hat. «Ich will es nicht als Military Business Class bezeichnen, aber mit Sicherheit reisen unsere Soldatinnen und Soldaten jetzt etwas bequemer in ihre Auslandseinsätze», sagt Gerhartz.

Der Airbus A321 LR kann künftig aber auch umgebaut werden für den Transport von Verwundeten, Unfallverletzten und Kranken, also für sogenannte Medevac-Einsätze. Lufthansa Technik hat dafür schon Vorbereitung getroffen, etwa die Sauerstoffversorgung an Bord verbaut. Zwölf Patiententransporteinheiten und zwei Reserveeinheiten wird sie noch an die Bundeswehr liefern. Die ergänzende Zulassung ist für Mitte 2023 geplant.

Erste Einsätze Richtung Westen

Abheben wird der Flieger aber bereits vorher. «Unser neuer Airbus wird schon bald in Richtung Westen über den Atlantik fliegen, um beispielsweise Wechselcrews der Marine in Lateinamerika abzuholen, er wird unsere Heereskameraden nach Litauen fliegen oder unsere Soldatinnen und Soldaten nach Afrika», so Inspekteur der Luftwaffe.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie den Airbus A321 LR der Bundeswehr  von außen und innen.

*Korrektur: Zuerst hieß es an dieser Stelle, es seien schon zwei Airbus A350 ausgeliefert. Es ist bisher jedoch nur einer. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.