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Trennung von Tochter

Lufthansa verkauft LGW an Zeitfracht

Und schon wieder ein neuer Eigentümer für die Luftfahrtgesellschaft Walter: Zeitfracht aus Berlin übernimmt LGW von der Lufthansa Gruppe. Piloten fordern ein Wechselrecht.

Felix Stoffels/aeroTELEGRAPH

Bombardier Dash 8 Q400 von LGW: Typisches Flugzeug der Dortmunder.

Die Lufthansa Gruppe trennt sich von ihrer Regionaltochter LGW Luftfahrtgesellschaft Walter. Käufer ist zum 1. April das Logistikunternehmen Zeitfracht. Das teilte Lufthansa-Tochter Eurowings am Mittwoch (20. Februar) mit. Ein entsprechender Vertrag sei heute in Berlin unterzeichnet worden. Die LGW-Angestellten erfuhren am Nachmittag bei der Informationsveranstaltung am Flughafen Düsseldorf von der Entscheidung.

«Mit dem Wechsel beginnt zugleich eine längerfristige Zusammenarbeit der LGW mit der Eurowings in Form einer Wetlease-Vereinbarung», schreibt Eurowings. Dies bedeute, dass der Beitrag der LGW zum Streckennetz von Eurowings unverändert bestehen bleibe. «Der Wechsel der LGW ist für Eurowings darüber hinaus ein wichtiger Schritt hin zu einer einheitlichen Airbus A320-Flottenstruktur im Kurz- und Mittelstreckengeschäft.»

Wet-lease für Eurowings

Für die Mitarbeiter der LGW ändert sich laut Eurowings nichts, ihre Verträge blieben unverändert bestehen. «Wir freuen uns, die LGW und ihre Mitarbeiter schon bald bei uns an Bord begrüßen zu können», sagt Wolfram Simon-Schröter, Geschäftsführer der Zeitfracht Gruppe. «Die LGW passt perfekt in unsere Strategie, den Luftfahrtbereich nachhaltig zu stärken – wir wollen ihre Flotte mittelfristig mit dem Kauf weiterer Maschinen ausbauen.»

Die aus Dortmund stammende LGW war im Juni 2017 von Air Berlin übernommen worden, die kurz darauf pleite ging. Als Lufthansa dann Teile von Air Berlin übernahm, ging auch LGW an Deutschlands größten Luftfahrtkonzern. Dort kam sie dann bei der Billigtochter Eurowings zum Einsatz und erhielt zu ihren Bombardier Dash 8 Q400 auch Airbus A320.

A320 wieder abgezogen

Ein Jahr später, im November 2018, zog Eurowings die Airbus-Flieger jedoch wieder ab. Das führte zu Spekulationen über einen möglichen Verkauf der ganzen LGW. Gerüchte über ein Interesse vom Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht machten schon damals die Runde.

Die Vereinigung Cockpit kritisiert nun, LGW sei offenbar gebraucht worden, «um wichtige Slots und Streckenrechte für die Lufthansa zu sichern». Die Pilotengewerkschaft schreibt: «Ein langfristiges Engagement war augenscheinlich von Anfang an nicht geplant.» Der Wet-Lease-Deal mit Eurowings erinnere nun an frühere Regionalpartner von Lufthansa, wie etwa Augsburg Airways und Contact Air. «Als das Dax-Unternehmen sich von diesen Partnern wieder trennte, entzog es ihnen de facto die Existenzgrundlage.» Im Ergebnis hätten Hunderte Mitarbeitende ihre Arbeitsplätze verloren, so die Gewerkschaft.

VC fordert Wechselmöglichkeit

Eine VC-Sprecher forderte, «dass das gesamte Cockpitpersonal der LGW die Möglichkeit haben muss, auf einen Arbeitsplatz in der LH Group wechseln zu können». Man gebe der neuen Eigentümerin einen Vertrauensvorschuss und wolle die Entwicklung bei der LGW auch weiterhin mitgestalten, müsse jedoch für alle Eventualitäten entsprechende, arbeitsplatzsichernde Tarifverträge bereits jetzt verhandeln, sagte der Sprecher.

Zeitfracht war 2017 in die Luftfahrt eingestiegen. Damals übernahm sie neben der Air-Berlin-Tochter Leisure Cargo auch WDL Aviation. Die Charterfluggesellschaft mit Sitz in Köln erwarb dann im November 2018 vier Embraer E190, um die aktuelle Flotte aus BAE146-Jets zu ersetzen. Die LGW-Flotte besteht derzeit aus 17 Dash 8 Q400.



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