Michael O'Leary, Carolyn McCall, Willie Walsh, Carsten Spohr und  Alexandere Juniac: Ihr neuer Verband will für bessere Regeln in Europa sorgen.

Airlines for EuropeLufthansa, Ryanair und Co. greifen Airports an

Normalerweise kämpfen sie gegeneinander, nun gemeinsam. Air France, British Airways, Easyjet, Iberia, KLM, Lufthansa und Ryanair gründen einen neuen Verband. Sie haben einen zentralen Feind.

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Ein größeres Kompliment kann man wohl nicht erhalten. «Ich gratuliere Ihnen zur Gründung des neuen Verbandes», sagte EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc am Mittwoch (20. Januar). Es sei «sehr beeindruckend», dass sich die fünf wichtigsten Luftfahrtkonzerne Europas trotz unterschiedlicher Strategien und teilweise gegenläufiger Interessen zusammengefunden hätten, um gemeinsame Interessen gemeinsam zu vertreten. A4E Airlines for Europe nennt sich der neue Verband, den die Vorstandsvorsitzenden der fünf  Airlinegruppen bei einem gemeinsamen Treffen in Amsterdam ins Leben gerufen haben.

Air France-KLM, Easyjet, IAG mit British Airways und Iberia, Lufthansa und Ryanair verfolgen mit dem neuen Verband ein Ziel. Sie wollen gegenüber der EU, internationalen Organisationen und nationalen Regierungen mit einer einheitlichen Stimme auftreten. So erhoffen sie sich mehr Durchsetzungskraft. Weitere Fluggesellschaften wurden bereits aufgerufen, dem Verband ebenfalls beizutreten. Basis ihrer Arbeit ist die vergangenen Dezember vorgestellte EU-Luftfahrtstrategie. «Wir werden mit lauter, klarer, einheitlicher Stimme sprechen», verspricht Easyjet-Chefin Carolyn McCall.

Flugsicherung und Steuern angehen

Ein Punkt, den der neue Verband angehen will, ist die Flugsicherung. Die ist in den Augen der Mitgliedsairlines derzeit viel zu ineffizient und zu teuer. Rund 5 Milliarden zu viel kostet das heutige Regime. Zudem wollen sie erreichen, dass Streiks nicht mehr so heftige Auswirkungen in ganz Europa haben. Das soll durch die Umsetzung des Single European Sky erreicht werden - eine einheitliche europäische Flugischerung. Heute wird noch weitgehend national mit 50 Flugsicherungsanbietern und 650 Lufträumen operiert. «Das heutige System ist ein Witz», so Ryanair-Chef Michael O'Leary.

Daneben wollen die Mitglieder von Airlines for Europe sich gegen Steuern wehren. Beonders sauer ist ihnen etwa die neue Steuer aufgestoßen, die Italien im Dezember überraschend eingeführt hatte und mit der Entlassungen bei Meridiana und Alitalia bezahlt werden sollen. EU-Kommissarin Bulc solle hier auf die nationalen Regierungen einwirken, forderten sie. Die Politikerin musste sie aber gleich in ihrem Elan bremsen. Steuern lägen im Verantwortungsbereich der nationalen Regierungen, darauf habe Brüssel wenig Einfluss.

Gegen die Monopole der Flughäfen

Das wichtigsten Anliegen ist den Fluggesellschaften aber ganz klar der Kampf gegen die Flughäfen. Die Gebühren der zehn größten Airports in Europa seien in den letzten zehn Jahren um 90 Prozent gestiegen. In Spanien hätten sie gar 255 Prozent zugenommen, in Italien 141 Prozent und in Großbritannien 120 Prozent. Die Ticketpreise seien dagegen um 20 Prozent gesunken, beklagen sich die Mitglieder des neuen Verbandes. Hier fordert A4E Airlines for Europe ganz klar ein Handeln von EU-Komissarin Bulc - und für einmal mehr Regulierung. Die Flughäfen besäßen Monopole, da brauche es Grenzen. Die Kosten müssten eindeutig sinken.

Ein anderer Verband hat dieselbe Klage bereits früher vorgebracht. Vergangenen November erklärte die Internationale Luftverkehrsvereinigung Iata, die «europäischen Fluggesellschaften bezahlen zu viel für eine ineffiziente Infrastruktur». Die hohen Flughafengebühren hätten zur Folge, dass die Profitabilität der Airlines auf dem Alten Kontinent tiefer sei als anderswo. A4E Airlines for Europe glaubt, dass EU-Komissarin Bulc die Nachricht verstanden hat und das Problem auch angeht. Bis Ende des Jahres soll es konkrete Resultate geben, versprach sie in Amsterdam.

Kein Kampf gegen die Golfairlines

Ein Thema will der neue Verband aber nicht zur Sprache bringen. Die Konkurrenz durch die Golfairlines sei explizit kein Punkt, den man bei A4E Airlines for Europe zur Diskussion stelle. «Hier gibt es keine einheitliche Meinung», erklärte IAG-Chef Willie Walsh. Es lohne sich nicht, sich um etwas zu kümmern, bei dem es keinen Konsens gebe.

Vielleicht hat A4E auch aus den Erfahrungen anderer Gelernt. Der europäische Airlineverband AEA wurde mitten in die Auseinandersetzung um die Golfairlines gezogen - und droht daran zu zerbrechen. Vergangenes Jahr traten Air Berlin, Alitalia, British Airways und Iberia aus, weil sie keine protektionistische Luftfahrtpolitik unterstützen wollen. Alle vier Airlines haben Anteilseigner aus der Golfregion.

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