Spuren im Gras: Die Maschine geriet am Ende zurück auf die Piste.

Vorfall mit Jetstream 32Linienpiloten misslingt Start in Münster völlig

Eine Jetstream 32 hatte in Münster/Osnabrück beim Start größte Mühe. Der Passagierflieger geriet tief ins Gras und rollte dort knapp an einem Leichtflugzeug vorbei.

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Die Piloten von Flug W2-6505 waren früh dran. Eineinhalb Stunden vor Abflug trafen sie an jenem 8. Oktober 2019 am Flughafen Münster/Osnabrück ein. Für den Kopiloten war es ein besonderer Tag. Es war sein erster Ausbildungsflug im Linienflugverkehr nach dem Erwerb der Musterberechtigung.

Eine Stunde vor dem für 17:30 Uhr geplanten Abflug begab sich die Besatzung zur Jetstream 32, mit der AIS Airlines ihre Flüge von Münster nach Stuttgart durchführt. Nach dem Außencheck arbeiteten die Piloten die Checkliste im Hinblick zum Start ab. Da erfuhren sie von den Lotsen im Kontrollturm, dass sie erst um 18:01 Uhr starten dürften. Das nervte den 63-jährigen Flugkapitän.

Genervt wegen Abflugzeit

Die Lotsen erklärten ihm daraufhin, er solle sagen, wenn sie im Cockpit bereit seien. Dann könne er vielleicht auch früher starten. Doch das wurde überhört. Und so rollte die Jetstream 32 mit den beiden Piloten, einer Flugbegleiterin und einem Passagier an Bord um 17:58 Uhr über die Rollwege D und A zu Piste 25. Dem 26-jährigen Kopiloten war es dabei ziemlich mulmig.

Schon während des Rollens habe er sich «nicht auf der Höhe des Geschehens» gefühlt, heißt es im Bericht der deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung BFU zum Vorfall, der jetzt veröffentlicht wurde. Er habe dies darauf zurückgeführt, dass er seit drei Monaten nicht mehr mit einer Jetstream 32 geflogen sei. Um 18:01 Uhr erhielten die Piloten die Startfreigabe und sie arbeiteten die Checkliste dafür ab.

Keine Lichter eingeschaltet

Dabei passierte dem Kopiloten dann auch prompt ein Missgeschick. Er überlas den Punkt «Flight Controls». Dadurch bleiben die Ruder verriegelt. Der Kapitän reagierte darauf nicht. Dem Kopiloten unterliefen danach weitere Fehler. Trotzdem wurde gestartet.

Als die Jetstream 32 auf Piste 25 von Münster/Osnabrück beschleunigte, merkte der Kapitän, dass sowohl die Landelichter als auch das Überziehwarnsystem (Flight Envelope Protection) nicht eingeschaltet waren. Er steuerte zu jenem Zeitpunkt und übergab die Steuerung dann dem Kopiloten. Der Flieger hatte eine Geschwindigkeit von rund 130 Kilometern pro Stunde erreicht.

Schon 240 Kilometer pro Stunde

Während jetzt der Kopilot steuerte, erreichte die Jetstream 32 eine Geschwindigkeit von rund 200 Kilometern pro Stunde. Der Kapitän gab den Befehl «V1, rotate». Nun hätte der Kopilot die Nase des Fliegers heben sollen. Doch das ging nicht. «Ich kann nicht ziehen», sagte er, wie es im BFU-Bericht heißt. Der Kapitän brach den Startlauf bei rund 240 Kilometern pro Stunde schließlich ab.

Jetzt begann das Flugzeug nach rechts auszuscheren und geriet ins Gras. Rund 530 Meter rollte es weiter und entfernte sich dabei bis zu 23 Meter vom Pistenrand. Die Maschine beschädigte dabei eine Leuchte am Pistenrand und ein Hinweisschild sowie kreuzte auch einen Rollweg, wo gerade ein kleines Leichtflugzeug stand. Dann kam sie zum Stehen.

Defekt ermöglichte den Start

Bei der überschnellen Fahrt ins Gras nahm das Flugzeug Schaden. Nicht nur ein Propellerblatt und ein Reifen des Hauptfahrwerks wurden beschädigt, sondern auch die Rumpfunterseite. Menschen wurden nicht verletzt.

Bei ihrer Untersuchung fand die BFU heraus, dass die Piloten trotz Ruderverriegelung starten konnten. Dies lag daran, dass ein Teil am Flugzeug sich verbogen hatte, welches das eigentlich verunmöglichen sollte. Zudem gab es einige Differenzen zwischen den Checklisten der Fluggesellschaft und denen des Herstellers.

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