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Kohlenstoffdioxid-Filter

Kommt Kerosin bald aus der Luft?

Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre filtern: Daran arbeitet das Unternehmen Climeworks. Mit einer neuen Technologie soll aus dem eingefangenen Treibhausgas Kerosin werden.

Climeworks

Kohlenstoffdioxid-Kollektor im schweizerischen Hinwil: Biokerosin aus eingefangenem CO2.

Im schweizerischen Hinwil macht eine etwa zehn auf zehn Meter Meter große Anlage seit 2017 genau das, was im Kampf gegen den Klimawandel als logisches Mittel erscheint: 18 Filtermodule sammeln Kohlenstoffdioxid aus der Umgebungsluft und speichern es. Was sich einfach anhört, ist technisch sehr komplex.

Noch handelt es sich um eine Versuchsanlage. Der Entwickler Climeworks hofft jedoch, dass die neue Technologie in Zukunft im großen Stile einen Teil der weltweiten CO2-Emissionen einfangen wird. Das gespeicherte Kohlenstoffdioxid kann dann nicht nur in Gewächshäusern oder in der Lebensmittelindustrie wiederverwertet werden. Auch Biokerosin als Treibstoff für Flugzeuge kann mithilfe der Technik hergestellt werden.

Test-Raffinerie in den Niederlanden geplant

Zwar wird das Biokerosin wieder CO2 als Emission in die Luft abstoßen, wenn es im Triebwerk eines Flugzeuges verbrannt wird. Da das Kohlenstoffdioxid der Atmosphäre aber vorab entzogen wurde, weist der Treibstoff im Gegensatz zu fossilem Kerosin eine neutralere Ökobilanz auf, so Climeworks. Das Unternehmen spricht von einem «geschlossenen CO2-Kreislauf».

Wie aus Luft im industriellen Stil Kerosin hergestellt werden könnte, soll bald am Flughafen Rotterdam/Den Haag Airport erprobt werden. Im vergangenen Mai beschloss Climeworks mit anderen Unternehmen die Errichtung einer Testraffinerie. Eingefangenes CO2 wird dabei zusammen mit Wasserstoff zu einem Synthesegas vermischt und anschließend in Kerosin umgewandelt. Für den Probelauf streben die Partner eine Produktion von 1000 Litern pro Tag an. 2021 sollen die Tests beginnen.

Teure Aufbereitung

Für die Versorgung eines Flughafens ist diese Menge unbedeutend – ein Airbus A320 kann beispielsweise mehr als 20.000 Liter Kerosin an Bord nehmen. Viel mehr geht es bei dem Projekt darum, die Produktion des neuartigen Kerosins aus dem Labor hinaus zu tragen und sie erstmals unter Realbedingungen zu erproben. In jetzigen Versuchen würden nur einstellige Litermengen produziert, schreibt Climeworks in einer Mitteilung.

Die fast größte Herausforderung sind aber die Produktionskosten. «Fossiler Flugzeugtreibstoff ist relativ preiswert», erklärte Oskar Meijerink vom Unternehmen Sky NRG dem Rundfunksender BBC. Die Abtrennung von CO2 aus der Luft sei hingegen noch eine neue Technologie und somit teuer, sagt der Manager. Das aus Luft hergestellte Kerosin habe noch einen langen Weg vor sich, ehe es wettbewerbsfähig ist, gesteht Meijerink: «Der Schlüssel sind die Kosten».



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