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Schwindsucht bei Kingfisher

Leasingfirmen nehmen Flugzeuge zurück, Ingenieure verlassen die Airline zu Dutzenden - Kingfisher kann sich nicht erholen.

Kingfisher

Heckflosse von Kingfisher: Nur noch 15 Flieger heben ab.

Inzwischen fliegen nur noch 15 Flugzeuge für Kingfisher Airlines. Und dass es in nächster Zeit wieder mehr werden, ist ziemlich unwahrscheinlich. Vorstandsvorsitzender Vijay Mallya versuchte noch Anfang des Monats positive Stimmung zu verbreiten. Schon in den nächsten zwölf Monaten werde man wieder das gewohnte Flugangebot bieten können, sagte er damals. Doch die Tatsachen widersprechen ihm. Wie in dieser Woche bekannt wurde, nahmen Leasingunternehmen insgesamt 34 Flieger wieder zurück, weil Kingfisher die Gebühren nicht mehr bezahlen kann. Weitere 15 bleiben aus demselben Grund schon länger am Boden. Bei der Fluglinie heißt es zwar, man habe die Maschinen freiwillig zurück gegeben. Doch Informanten der Zeitung Times of India behaupten das Gegenteil. Die Firmen hätten die Jets eigenmächtig zurück genommen.

Wie auch immer es zum Flugzeugschwund kam – gut sieht das nicht aus. Etwa hundert Flüge am Tag bietet Kingfisher nur noch an, aus dem internationalen Geschäft zog sich die Airline von Milliardär Mallya schon länger zurück. Inzwischen hat Kingfisher so ziemlich bei jedem Schulden, bei dem man Schulden haben kann: Leasingpartner, Flughäfen, Banken, Wartungsunternehmen, dem Staat – nicht einmal die Löhne der eigenen Angestellten kann die Airline regelmäßig zahlen. Das mündete in den letzten Monaten immer wieder in Streiks und damit noch mehr Flugausfällen. Seit Februar sahen die Angestellten kein Gehalt mehr.

Exodus der Ingenieure

Die Ingenieure haben davon genug: Wie die Nachrichtenagentur PTI berichtet, haben in den vergangenen vier Monaten etwa 80 Ingenieure Kingfisher verlassen. Planen würden das aber noch mehrere. Wie Quellen aus der Branche der Nachrichtenagentur berichten, würde es selbst bei der reduzierte Flotte zu einem massiven Mangel an qualifizierten Ingenieuren kommen, wenn der Exodus weiter geht. Aus Protest hatten sich bereits im April Hunderte krank gemeldet. Bei Kingfisher heißt es aber weiter, ein Mangel stehe nicht bevor. Es gebe genug Techniker, um alle Flieger zu warten und versorgen.

Umgerechnet etwa 165 Millionen Euro verlor die Airline zwischen Januar und März. Ein Jahr zuvor hatte der Verlust nur ein Viertel so viel betragen. Noch vor einem Jahr war Kingfisher die zweitgrößte Airline des Landes. Heute ist sie die kleinste. Von 20 Prozent fiel der Marktanteil auf nur rund fünf Prozent.



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