Apps von Lufthansa und Hopper: Ein Ziel suchen, ein anderes buchen.

Investition in Künstliche IntelligenzWas Lufthansa von einem Boxkampf in Las Vegas lernen will

Deutschlands größte Fluggesellschaft investiert in eine kanadische Firma, welche die Entwicklung von Flugpreisen voraussagt. Was sich Lufthansa davon erhofft.

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Im Januar verkündete Lufthansa eine millionenschwere Investition in eine Forschungsallianz mit dem kanadischen Unternehmen Hopper zum Thema Künstliche Intelligenz. Hopper sagt Nutzern per App Preisentwicklungen von Flügen und Hotels voraus und bietet personalisierte Empfehlungen zum optimalen Buchungszeitpunkt sowie zu alternativen Reiseangeboten. Doch was interessiert Lufthansa daran? Will sie vielleicht gar Verbraucher austricksen, die günstige Flüge suchen? aeroTELEGRAPH fragte nach.

Lufthansa-Innovation-Hub-Manager Björn Müller, der die Partnerschaft mit Hopper mit umgesetzt hat, sagt, es gehe nicht darum, die Kunden zu überlisten, sondern darum, über sie zu lernen. So handele es sich etwa bei rund 25 Prozent der von Hopper verkauften Tickets um Empfehlungen der Künstlichen Intelligenz, die nicht der eigentlichen Suchanfrage entsprechen würden. «Zum Beispiel sucht ein Kunde eine Verbindung nach Hawaii, fliegt aber dann lieber in die Karibik, da es dort ein Angebot gibt, das noch besser zu seinen Bedürfnissen passt», erklärt Müller. «Die Frage, wie man die Nachfrage über alternative Angebote steuern kann, möchten wir beispielsweise genauer ergründen.»

Boxkampf und Datenverarbeitung

Als Beispiel dafür, wie Hopper fallende und steigende Preise vorhersagt, nennt Müller ein ungewöhnliches Beispiel: den Boxkampf Mayweather gegen Pacquiao in Las Vegas im Jahr 2015. «Hier hat Hopper noch vor der offiziellen Ankündigung des Kampfs eine erhöhte Nachfrage identifiziert, weil es in Boxkreisen bereits Gerüchte gab, das der Kampf stattfinden wird.» Hopper habe Nutzern somit zu einer frühzeitigen Buchung raten können, noch bevor Fluglinien bekannt gewesen sei, dass es an diesem Tag eine hohe Nachfrage geben werde. «Airlines hätte eine automatisierte Information über den Nachfrageanstieg dabei helfen können, frühzeitig größere Flugzeugmuster einzuplanen», so Müller.

Insgesamt sei für Lufthansa an Hopper besonders die Fähigkeit spannend, riesige Datenmengen zu verarbeiten. «Hopper besitzt den größten Datenschatz an realen Fluganfragen und Preisen», sagt Müller. Jeden Tag würden eine Milliarde individuelle Fluganfragen mit Echtzeit-Preisen hinzukommen. «Die Erkenntnisse, wie man die Daten am besten aufbereitet, damit die Ergebnisse auch anschließend wieder ohne erneute große Rechenleistung gefiltert werden können, sind extrem relevant für Lufthansa.»

Zusatzangebote per Pushmitteilung?

Anwendung finden sollen diese Erkenntnisse zur Datenaufbereitung bei etlichen Fragestellungen: «Wie können frühzeitig Nachfrage-Schwankungen erkannt werden? Wie können spannende neue Destinationen gefunden werden? Wie können wir erkennen, ob einem Nutzer ein alternativer Zielort vorschlagen werden kann? Wie können wir erkennen, ob ein Nutzer lieber ein Angebot in der Premium Economy angeboten werden soll, oder ob er lediglich mehr Gepäck benötigt?», sagt Müller. Die Liste sei quasi endlos.

Interessanterweise führe Hopper im Durchschnitt nicht dazu, dass Kunden ihre Buchungen hinauszögerten, erläutert Müller. Regelmäßige Hopper-Nutzer würden über die App sogar zusätzlich motiviert, Flüge deutlich früher zu buchen. «Für Airlines führt dies zu einer besseren Planbarkeit und hilft, die Auslastung zu erhöhen», sagt der Manager. Ebenso könne Lufthansa davon lernen, wie Hopper per Pushmitteilungen in den Dialog mit Kunden trete. «Eine Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Hopper zeigt zum Beispiel, dass es eine nicht zu unterschätzende Anzahl von Kunden gibt, die direkt nach Buchung bereit sind, Upgrades oder Zusatzleistungen für Basic Economy Fares zu erwerben.»

Auch nützlich für Hopper

Müller betont, dass aber nicht nur Lufthansa von der Partnerschaft profitiere. Mit Blick auf Hopper sagt er: «Die Datenanalyse kann noch weiter optimiert werden, wenn man versteht, aus welchem Grund Airlines wann welche Preise anbieten.» An dieser Stelle würden die Kanadier aus dem Austausch mit den Lufthansa-Experten lernen.

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