Roland Jaggi: «Mit Indigo verbindet uns eine ähnliche Mentalität»

Roland Jaggi, Aegean Airlines«Aegean Airlines positioniert sich auch als Option für Umsteiger nach Indien aus Europa»

Aegean Airlines' Kommerzchef Roland Jaggi spricht im Interview über die Indien-Pläne, verspätete Airbus-Lieferungen, das Vielfliegerprogramm sowie alternde Dash 8. Und er erklärt, warum Star Alliance für die griechische Fluglinie wichtiger denn je ist.

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Viele Airlines klagen über verspätete Flugzeugauslieferungen. Auch Sie warten auf neue Jets, die neue Märkte erschließen sollen. Läuft die Lieferung der Airbus A321 LR nach Plan?

Roland Jaggi: Unser Zeitplan war auf 2027 und 2028 ausgelegt – auch wenn manche dachten, es könnte früher sein. Im Moment stehen die Zeichen für eine pünktliche Auslieferung leider nicht sehr gut.

War das der Grund, warum Sie zusätzlich Airbus A321 XLR zur früheren Auslieferung bestellt haben?

Genau. Und auch, weil wir noch früher als ursprünglich geplant starten wollten.

Warum die Eile?

Weil wir derzeit gute Chancen sehen, neue Märkte zu erschließen – darunter Indien, das vor allem im Tourismus großes Potenzial hat. Derzeit gibt es keine Direktverbindungen zwischen Griechenland und Indien. Beide Regierungen investieren stark in die Zusammenarbeit, es gibt regelmäßige politische Besuche, das Interesse ist da und der Markt wächst. Jetzt können wir diese Nachfrage bedienen.

Landung eines Airbus A321 Neo von Aegean in Athen: Die Airline expandiert.

Haben Sie ansonsten alle Flugzeuge, die Sie brauchen, oder stehen einige wegen Triebwerksproblemen am Boden?

Im Moment steht eine zweistellige Zahl von Flugzeugen dauerhaft am Boden. Der Höhepunkt wird 2026 erreicht – je nach Zeitpunkt unserer Flugzeugauslieferungen. Ab 2027 wird es besser, und bis 2028 sollten wir dieses Thema hinter uns gelassen haben. Wir haben eine Entschädigungsvereinbarung. Als kleinere Airline sind wir in einer anderen Lage als große Konzerne.

Werden Sie ausreichend entschädigt?

Wir haben eine Vereinbarung. Es ist sinnlos, zu spekulieren, ob das ausreichend ist oder nicht.

Ist es für eine kleinere Airline wie Aegean Airlines schwieriger, sich bei Herstellern und Partnern Gehör zu verschaffen?

Natürlich ist es nicht dasselbe, wenn wir mit 50 Flugzeugen an Airbus herantreten im Vergleich zu einem Großkunden wie Lufthansa oder Indigo. Aber wir haben uns als verlässlicher Partner etabliert – selbst während der griechischen Finanzkrise haben wir pünktlich gezahlt. Wir wissen, wer wir sind und was wir können. Und Airbus weiß das auch.

Werden alle vier Airbus A321 LR gleich konfiguriert sein?

Zwei werden von Anfang an mit zusätzlichen Treibstofftanks ausgestattet, und wir haben die Option, das bei allen zu tun. Die Maschinen mit den Zusatztanks gehen direkt auf die Indien-Strecken. Die anderen werden auf Routen in den Nahen Osten eingesetzt: Abu Dhabi, Dubai, Saudi-Arabien. Wir denken auch über Ziele wie Nairobi oder Lagos nach. Mit diesem Flugzeug erreichen wir nonstop Ostafrika und Teile Westafrikas – das ist eine neue Reichweitenkategorie für uns.

Und wie wird die Kabine aussehen? Wird es so wenige Sitze geben wie die 138 im A321 XLR?

Wir planen insgesamt 180 Sitze an Bord: 16 in der Business Class mit Lie-Flat-Sitzen und 164 in der Economy Class mit 31 Zoll Sitzabstand und persönlichen Bildschirmen. Das ist ein klares Produkt-Upgrade im Vergleich zu heute.

Airbus A320 von Aegean: Die Airline will mit ihren neuen Flugzeugen weiter fliegen.

Wer ist Aegean Airlines‘ größter Wettbewerber auf diesen Strecken?

Der Fokus liegt auf indischen Reisenden, die nach Griechenland fliegen. Aber wir positionieren uns auch als Option für Umsteiger aus Europa. Aegean Airlines ist keine reine Punkt-zu-Punkt-Airline. Zum Beispiel haben wir auf den Strecken von und nach Erbil mehr Transferpassagiere als Direktpassagiere. Falls nötig, können wir auch Umsteiger aus Europa nach Indien bedienen.

Sie wollen dafür ein Codeshare-Abkommen mit Indigo schließen.

Mit Indigo verbindet uns eine ähnliche Mentalität – auch wenn sie mit ihrer Größe in einer ganz anderen Liga spielen.

In Europa haben Sie sich vor einiger Zeit an Volotea beteiligt. Was bringt Ihnen das?

Es ist eine reine Finanzinvestition. Wir sind Wettbewerber, ohne gemeinsame Buchungssysteme, ohne Netzkoordination, ohne Preisabsprachen – und das wird auch so bleiben. Für uns ist Volotea eine Investmentchance. Sollte die Airline an die Börse gehen, wäre das für uns als Anteilseigner ein interessanter Schritt.

Ein Thema, das viele interessiert: Ihr Vielfliegerprogramm Miles + Bonus. Es ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz beliebt, weil der Gold-Status im Vergleich zu anderen Star-Alliance-Mitgliedern relativ leicht zu erreichen ist. Ärgert das nicht Lufthansa und andere Mitglieder der Star Alliance?

Das war ganz am Anfang ein Thema, aber schon lange nicht mehr. Heute braucht man vier Flüge mit uns, um den Status zu erreichen – und zu halten –, und das ist fair. Unser Treueprogramm ist in Griechenland stark gewachsen, vor allem durch Möglichkeiten, Meilen ohne Fliegen zu sammeln. Wir überarbeiten das Programm gerade.

Als Antwort auf Druck der Star Alliance?

Nein.

Viele Airlines klagen darüber, dass Allianzen nicht mehr so viele Vorteile bringen. Wie wichtig ist die Star Alliance für Aegean Airlines heute?

Sehr wichtig. Der Beitritt 2010 war ein strategischer Schritt, als unsere internationale Expansion begann. Damals war «Aegean» eine unbekannte Marke – das Star-Alliance-Logo hat Vertrauen geschaffen. Heute ist es ein anerkanntes Qualitätssiegel, das den Kunden Orientierung gibt. Und wir fühlen uns dort weiterhin gut aufgehoben.

Aegean Airlines fliegt nicht nur Mittelstreckenjets. Ihre Tochtergesellschaft Olympic Air betreibt weiterhin kleine De Havilland Canada Dash 8-100 auf subventionierten Routen, zum Beispiel nach Kastelorizo. Wie lange fliegen sie noch damit?

So lange wie möglich – das ist keine Frage der Profitabilität, sondern der Verantwortung. Kastelorizo ist ein Beispiel: Die kleine Insel im äußersten Osten der Ägäis, nur wenige Kilometer von der türkischen Küste entfernt, hat hohen Symbolwert für Griechenland. Wir fliegen dorthin nicht zum Spaß – sondern weil es notwendig ist. In Griechenland erinnert man sich noch an die Geschichte der alten Dame, die dort jeden Tag die griechische Flagge hisste – auch das prägt die Wahrnehmung dieser Strecke. Wir betreiben diese Flüge als öffentlichen Dienst für abgelegene Regionen.

Aber die Dash 8-100 sind teilweise rund 40 Jahre alt.

Das ist natürlich eine Herausforderung. In der Regel befindet sich eines der Flugzeuge in der Wartung. Aber im Moment ist es immer noch die beste Lösung.

Roland Jaggi ist seit 2018 Kommerzchef (Chief Commercial Officer) von Aegean Airlines. Zuvor arbeitete er bereits zwölf Jahre für die griechische Fluggesellschaft. Seine früheren Stationen waren Swiss und Swissair.

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