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Konstantinos Iliakis, Sky Express

«Unsere Erwartungen an die München-Strecke wurden weit übertroffen»

Konstantinos Iliakis ist Pilot und seit Oktober Chef von Sky Express. Im Interview spricht er über das Wachstum der griechischen Fluggesellschaft, die Bedeutung des deutschen Marktes und warum er seinen Job im Cockpit nicht so sehr vermisst.

Die griechische Fluggesellschaft Sky Express hat mit Beginn des Winterflugplans ihre Präsenz in Deutschland aufgestockt. Neben München verbindet die griechische Fluggesellschaft Athen auch mit Düsseldorf und Frankfurt. aeroTELEGRAPH hat mit dem neuen Chef der Fluglinie über seine Pläne für Deutschland, das Alleinstellungsmerkmal seiner Airline und den Wechsel an die Unternehmensspitze gesprochen.

Sie sind selbst Pilot und Chef von Sky Express. Wie oft fliegen Sie noch selbst?
Konstantinos Iliakis*: In meiner neuen Rolle als Chef von Sky Express muss ich die Weichen für die Zukunft unserer Fluggesellschaft stellen. Mein Fokus liegt auf der strategischen Planung des Wachstums und der Entwicklung von Visionen für die Zukunft. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Ich fliege nicht so viel, wie ich möchte, und ich bilde auch unsere Piloten nicht so viel aus, wie ich es gerne würde. Ich fliege aber jeden Monat ein paar Umläufe. Wir sind im Oktober in Düsseldorf gestartet und ich war Kapitän des Erstfluges. Natürlich vermisse ich das Fliegen, aber ich kann mir keinen besseren Job vorstellen, als an der Gestaltung der Zukunft von Sky Express mitzuwirken.

Mit dem Wechsel zum Winterflugplan hat Sky Express Flüge mit Düsseldorf und Frankfurt zwei weitere Ziele aufgenommen. Was spricht für Deutschland?
In Deutschland leben, studieren und arbeiten seit Jahrzehnten Griechen. Gleichzeitig gehören Deutsche zu den wichtigsten Besuchern unseres Landes, da sie seit langem von den atemberaubenden Landschaften, der reichen Geschichte, den schönen Inseln und der lebendigen Kultur Griechenlands angezogen werden. Deutschland ist auch ein verlockendes Ziel für griechische Reisende, dank der Kombination aus historischen Sehenswürdigkeiten, Naturschönheiten, kulturellen Erlebnissen und Geschäftsmöglichkeiten. Es gibt eine tief verwurzelte Beziehung zwischen beiden Ländern. Deutschland ist für uns ein strategisches Ziel, zumal wir vor fast einem Jahr unsere Flüge nach München aufgenommen haben. Unsere Erwartungen an die Strecke wurden weit übertroffen. Der Zeitpunkt war also perfekt, um diese beiden neuen Ziele in Deutschland zu eröffnen.

Drei unserer elf internationalen Ziele, die wir ganzjährig fliegen, liegen in Deutschland

Wie sehen die weiteren Pläne für Deutschland aus?
Um nochmal zu verdeutlichen, wie wichtig der deutsche Markt für Sky Express ist: Drei unserer elf internationalen Ziele, die wir ganzjährig fliegen, liegen in Deutschland. Der deutsche Markt steht ganz oben auf unserer Liste und bietet noch mehr Möglichkeiten für Wachstum und Markenpräsenz in der europäischen Luftfahrtlandschaft.

Kommen weitere Ziele dazu?
Wir evaluieren ständig neue Strecken. In diesem Winter haben wir uns für Düsseldorf, Frankfurt und Warschau entschieden. Übrigens konnten wir dank der Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern in diesem Sommer zahlreiche weitere neue Ziele anfliegen. Auf diese Weise standen in unserem Flugplan Flüge in zwölf Länder und zu 29 internationalen Destinationen, die jeden Winkel Griechenlands mit europäischen Zielen verbinden.

Früher waren Weeze und Dortmund ihre deutschen Stationen. Heute sind es München, Düsseldorf und Frankfurt. Warum die Umstellung auf Primärflughäfen?
Wir haben uns entschieden, auf Primärflughäfen auszuweichen, weil wir unseren Reisenden mehr Anschlussmöglichkeiten bieten wollen. Aber in Weeze sind wir nach wie vor im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern aktiv. Im Sommer sind wir von Kreta, Zakynthos, Rhodos und Kos nach Weeze geflogen. Wir prüfen gerade einen weiteren Ausbau für den kommenden Sommer. Dortmund gehört in der Tat der Vergangenheit an, war aber eines unserer ersten internationalen Sommerziele.

Sky Express hat sich aber noch keiner Luftfahrt-Allianz angeschlossen. Wie wollen Sie dann die  Anschlussmöglichkeiten erweitern?
Wir haben strategische Interline-Vereinbarungen mit einer Reihe von großen internationalen Fluggesellschaften, darunter Condor, American Airlines, Emirates, Qatar Airways, Turkish Airlines, Easyjet und noch einigen anderen geschlossen. In den letzten zwölf Monaten ermöglichten diese Kooperationen Reisenden aus mehr als 100 Ländern den Anschluss an Sky Express und den Zugang zu unserem Auslandsnetz, übrigens das Größte, das von einer griechischen Fluggesellschaft betrieben wird.

Griechenland ist ein wichtiger Tourismusmarkt. Wie behaupten Sie sich gegen die Konkurrenz von Billig- und Ferienfluggesellschaften?
Indem wir weder eine Billigfluggesellschaft noch ein Ferienflieger sind. Wir bieten einen Premium-Service für die gesamte Flugstrecke, inklusive kostenlosen Erfrischungen und Snacks. Kürzlich haben wir eine Business Class namens Bliss eingeführt. Wir fliegen, wie schon angesprochen, zu den wichtigsten Flughäfen Europas und sind vertriebsseitig auf allen Kanälen präsent. Auch an dieser Stelle muss ich erneut an die Tatsache erinnern, dass wir das größte innergriechische Streckennetz betreiben. Reisende können über Athen 33 Ziele in Griechenland erreichen.

Aktuell bietet keine griechische Fluggesellschaft Langstreckenflüge an. Können Sie sich vorstellen, in das Geschäft einzusteigen?
Wir evaluieren alle unsere Optionen auf dem Markt und werden jede Möglichkeit in Betracht ziehen.

Mit zwei fabrikneuen Airbus A321 Neo haben wir im Jahr 2023 zwei bedeutende Zugänge verzeichnet.

Sky Express wächst. Was wollen Sie kurz-, mittel und langfristigen erreichen?
Wir sind sehr stolz auf das, was wir in den vergangenen Jahren erreicht haben. Wir haben als junge Airline die Herausforderungen der Corona-Krise gemeistert und sind sogar gewachsen. 2019 beförderten wir 1,1 Millionen Passagiere, 2021 3,5 Millionen und für 2023 erwarten wir etwa 4,4 Millionen. Daten von Eurocontrol zeigen, dass Sky Express im vergangenen Jahr die europäische Fluggesellschaft war, die im Vergleich zu 2019 den größten Anstieg des Flugbetriebs verzeichnete. Mittel- bis langfristig wollen wir unsere Marktposition in den Ländern, in denen wir tätig sind, weiter stärken, auch dank unserer Partnerschaften mit Reiseveranstaltern. Wir setzen dabei auf Innovationen wie unsere neue Business Class, die uns einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil auf dem europäischen Markt verschaffen. Wir profitieren von der Auswahl unserer Flotte und investieren weiter in neue Technologien, die den Betrieb und das Kundenerlebnis verbessern werden.

Sie haben Ihre Flotte angesprochen. Wie sehen die Planungen da aus?
Wir betreiben aktuell 23 Flugzeuge. Mit zwei fabrikneuen Airbus A321 Neo haben wir im Jahr 2023 zwei bedeutende Zugänge verzeichnet. Mit diesen beiden Maschinen haben wir den ersten Teil unseres Investitionsplans erfolgreich abgeschlossen. Derzeit evaluieren wir, welche weiteren Ziele wir in unser Streckennetz aufnehmen wollen, gehen aber davon aus, dass unsere aktuelle Flotte ausreichen wird.

* Konstantinos Iliakis verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Bereich der Zivilluftfahrt, unter anderem als Flugkapitän, Fluglehrer und Ausbildungsleiter. Seit Oktober 2023 ist er Geschäftsführer von Sky Express, zuvor war er Betriebschef.