Beschilderung in Paris Charles de Gaulle: Schaffte es in die ganze Welt.

Für Paris-Charles de Gaulle konzipiertVom Flughafen Paris in die ganze Welt: Wie Frutiger zur Kultschriftart wurde

Millionen Menschen lesen sie jeden Tag. Auf Flughäfen, an Bahnhöfen, auf Straßenschildern oder sogar auf Euro-Banknoten. Frutiger gehört zu den bekanntesten Schriftarten der Welt. Was viele nicht wissen: Ihre Entstehung ist eng mit der Luftfahrt verknüpft.

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Wer schon einmal an einem großen Flughafen unterwegs war, kennt sie. Sie weist den Weg zum Gate, zur Gepäckausgabe, zur Passkontrolle oder zum Ausgang. Millionen Menschen sehen sie aber auch jeden Tag auf Banknoten, Schildern, Pässen. Meistens, ohne sie überhaupt bewusst wahrzunehmen. Dabei gehört Frutiger zu den berühmtesten Schriftarten der Welt. Sie entstand ursprünglich nicht für Bücher, Zeitungen oder Firmenlogos, sondern für einen Flughafen.

Ende der 1960er-Jahre entstand in Paris der neue Flughafen Charles de Gaulle. Für das riesige Projekt brauchte es nicht nur Terminals, Rollwege und Abfertigungsanlagen, sondern auch ein einheitliches Leitsystem. Reisende sollten sich schnell zurechtfinden können, auch unter Stress, mit Gepäck, aus größerer Entfernung oder im Vorbeigehen.

Schweizer Gestalter entwarf Schrift für Paris-Charles de Gaulle

Mit dieser Aufgabe wurde der Typograf Adrian Frutiger betraut. Er sollte eine Schriftart entwickeln, die nicht in erster Linie schön sein musste, sondern vor allem eines: sofort lesbar. Für Frutiger war das eine sehr konkrete technische Aufgabe. Ein Buchstabe müsse dieselbe Klarheit besitzen wie ein Pfeil, sagte er später.

Deshalb ließ er alles weg, was stören konnte. Serifen, also kleine Verzierungen an den Enden der Buchstaben, kamen für ihn nicht infrage. Sie hätten auf Flughafenschildern nur visuelles Rauschen erzeugt. Stattdessen setzte er auf klare, offene Formen, kräftige Innenräume und Buchstaben, die sich schnell voneinander unterscheiden lassen.

Das Auge muss schnell von einem Buchstaben zum nächsten

Besonders wichtig waren ihm die offenen Rundungen. Sie führen das Auge weiter zum nächsten Buchstaben und helfen dabei, ein Wort als Einheit zu erfassen. Genau das ist an Flughäfen entscheidend. Wer nach einem Gate sucht, liest nicht in Ruhe. Man überfliegt Schilder. Man scannt Richtungen. Man muss Informationen in Sekundenbruchteilen erkennen.

Die Schrift erhielt zunächst den Namen Roissy, nach dem Ort, an dem der Flughafen Paris-Charles de Gaulle entstand. Von 1970 an arbeitete Frutiger an ihr, Anfang der 1970er-Jahre wurde sie für die Beschilderung des Airports eingesetzt. Schon damals war sie mehr als nur eine Flughafenschrift. Sie war der Versuch, Orientierung sichtbar zu machen.

Frutiger wurde eine der bekanntesten Schriftarten der Welt

Dass daraus später eine der bekanntesten Typografien der Welt werden würde, war zunächst nicht das eigentliche Ziel. Doch Roissy bewährte sich. Die Schrift war sachlich, modern und gut lesbar, ohne kalt zu wirken. Einige Jahre später wurde sie deshalb für den Drucksatz weiterentwickelt. Dafür musste sie angepasst werden: etwas feiner, etwas schmaler, mit mehr Kontrast.

Schriftart Frutiger: Heute allgegenwärtig.

Als Linotype die Schrift in ihr Programm aufnahm, hieß sie zunächst noch Roissy. Später erhielt sie den Namen ihres Schöpfers: Frutiger. Eigentlich sollte das auch helfen, den Entwurf vor Nachahmungen zu schützen. Das gelang nur bedingt. Dafür wurde Adrian Frutigers Name endgültig weltbekannt.

Straßenbeschilderung in der Schweiz seit 2003 in Frutiger

Heute ist Frutiger längst nicht mehr nur an Flughäfen zu finden. Die Schrift wird in zahlreichen Verkehrs- und Leitsystemen eingesetzt. Flughäfen wie Paris, London, Amsterdam, Singapur, Kuala Lumpur oder Seoul nutzten sie oder eng verwandte Varianten. In der Schweiz prägt sie seit 2003 die Straßenbeschilderung. Auch die Österreichischen Bundesbahnen verwenden Frutiger Next. Selbst auf Euro-Banknoten ist Frutiger zu sehen.

Und auch im Alltag begegnet sie vielen Menschen häufiger, als ihnen bewusst ist. Bis 2019 nutzte die Deutsche Post Frutiger als Hausschrift. Hochschulen, Behörden, Unternehmen und Institutionen setzten oder setzen sie ebenfalls ein. Die Schrift, die einst für die schnelle Orientierung am Flughafen entwickelt wurde, wurde so zu einer der großen Gebrauchsschriften der modernen Welt.

Adrian Frutiger schrieb mehrmals Typo-Geschichte

Adrian Frutiger war da längst kein Unbekannter mehr. Schon zuvor hatte er mit Univers Typografiegeschichte geschrieben. Die Schriftart kam 1955 auf den Markt und galt als eine der ersten systematisch aufgebauten Schriftfamilien. Verschiedene Stärken und Breiten passten dort wie aus einem Guss zusammen. Für die damalige Zeit war das neu – und ein Grund dafür, dass Univers schnell zu einem Sinnbild moderner Gestaltung wurde.

Frutiger beschäftigte sich sein ganzes Berufsleben mit der Frage, wie Schrift funktioniert. Er zeichnete klassische Schriften für neue Satztechniken um, entwickelte die maschinenlesbare OCR-B-Schrift und beriet Firmen wie IBM und Linotype. Doch sein bekanntestes Werk verdankt er der Luftfahrt.

Nicht dekorieren, sondern helfen

Vielleicht ist genau das der Grund, warum Frutiger so erfolgreich wurde. Sie will nicht auffallen. Sie will nicht dekorieren. Sie will helfen. Am Flughafen bedeutet das: den richtigen Weg finden, ohne lange nachdenken zu müssen. Genau deshalb lesen Millionen Reisende sie bis heute. Und bemerken sie trotzdem kaum.

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