Bac 1-11 von Paninternational: Ein solches Flugzeug verunglückte auf der Autobahn nördlich von Hamburg.

Unglück von PaninternationalAls eine BAC 1-11 voller Urlaubsgäste auf der Autobahn A7 bei Hasloh notlanden musste

1968 gegründet, wollte die Münchner Airline den Tourismusboom erobern. Drei Jahre später endete ihre Geschichte abrupt – nach einem fatalen Tankfehler und einer spektakulären Notlandung auf der A7 nördlich von Hamburg.

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Es war die Zeit des Tourismusbooms. 1968 entschied der Münchner Reiseveranstalter Paneuropa, nicht nur Reisen zu verkaufen, sondern gleich auch die Flugzeuge dafür zu betreiben. Am Flughafen München-Riem hob man deshalb die eigene Airline aus der Taufe: Panair. Doch der große Name währte nur kurz – Pan Am, in Deutschland damals mit Sonderrechten präsent, legte Einspruch ein. Nach zähen Verhandlungen flog man schließlich unter dem Namen Paninternational. IATA-Code: DR, Funkrufzeichen: Delta Romeo.

Schon im Sommer 1969 begann der Flugbetrieb – zunächst noch mit gemieteten Caravelles der französischen Trans-Union SA. Parallel liefen die Vorbereitungen für eine modernere Flotte: Bei der British Aircraft Corporation bestellte man vier brandneue BAC 1-11-500, jeweils mit 119 Sitzplätzen. Die erste Maschine, Kennzeichen D-ALAT, kam noch im selben Jahr. Ihr folgten die D-ALAR, die D-ALAS und 1971 schließlich die D-ALAQ.

Paninternational expandierte rasant

Die Airline expandierte schnell: Neben den Paneuropa-Reisen ab München-Riem bot sie Flüge zu Mittelmeerzielen, bald auch zu Langstreckendestinationen – dafür wurden zwei gebrauchte Boeing 707-123B von American Airlines erworben, Kennzeichen D-ALAL und D-ALAM.

Boeing 707 von Paninternational: Die Airline setzte auch zwei Exemplare des Vierstrahlers ein, die sie gebraucht von American Airlines übernahm, Düsseldorf spielte dabei im Streckennetz eine große Rolle.

Paninternational galt als ambitioniert, professionell – und zukunftsträchtig. Bis zu jenem Spätsommerabend in Hamburg. Am 6. September 1971 stand Flug DR 112 auf dem Plan: Von Hamburg nach Málaga, mit der D-ALAR, einer BAC 1-11. An Bord: 115 Passagiere und sechs Crewmitglieder.

Der Schock am 6. September 1971

Um 18:19 Uhr hob die Maschine von der Startbahn 34 in Fuhlsbüttel ab. Doch Sekunden später geschah das Unfassbare: Beide Rolls-Royce-Spey-Triebwerke fingen fast gleichzeitig Feuer. Die Leistung brach zusammen – und aus knapp 1000 Metern Höhe ging es im Sinkflug hinab.

Im Cockpit entschied man sich für das einzig Rettende: eine Notlandung auf der noch im Bau befindlichen Autobahn A7 bei Hasloh. Mit mehr als 250 km/h setzte die BAC auf, verlor das linke Fahrwerk und schoss nach links. Wenige Augenblicke später tauchte eine Brücke vor dem Flugzeug auf. Beim Unterqueren rissen Seitenleitwerk und Teile der Tragflächen ab, das Cockpit schlug gegen einen Pfeiler. Der Rumpf zerbarst, Teile brannten – ein Bild des Grauens.

99 Menschen überlebten den Crash

Trotzdem überlebten 99 Menschen den Crash, 54 davon sogar mit nur leichten Verletzungen – ein Wunder und eine fliegerische Meisterleistung. Doch für 22 Menschen, darunter ein Besatzungsmitglied, kam jede Hilfe zu spät.

Zur Leistungssteigerung der Triebwerke sah das Handbuch vor, beim Start demineralisiertes Wasser einzuspritzen. Doch in den Tanks der D-ALAR befand sich ein gefährliches Gemisch – weil in Düsseldorf Kanister mit Wasser und solche mit abgelassenem Kerosin unmarkiert nebeneinander lagerten. Zwei Kerosinkanister wurden für Wasser gehalten und nach Hamburg gebracht. Beim Start wurde das schwerere Kerosin aus dem Tankboden angesaugt – und setzte die Triebwerke in Brand.

Flughafenmitarbeiter wies auf Kerosingeruch hin - er wurde ignoriert

Hinweise eines Flughafenmitarbeiters, dass es stark nach Kerosin rieche, wurden ignoriert. Ein klarer Fall menschlichen Versagens, verstärkt durch schlampige Abläufe und unklare Verantwortlichkeiten. Politische Einflussnahme auf die Kontrolle der Airline stand im Raum, bewiesen wurde sie nie.

Der Unfall löste ein enormes Medienecho aus – und ruinierte das Vertrauen in Paninternational. Reiseveranstalter kündigten ihre Verträge, Passagiere stornierten massenhaft Flüge. Auch die Behörden erhöhten den Druck. Bereits zum Ende des Sommerflugplans 1971 wurde der Flugbetrieb eingestellt, wenig später die Airline liquidiert.

Muttergesellschaft Paneuropa ging später in der Thomas-Cook-Gruppe auf.

Zurück blieb eine der spektakulärsten Geschichten der deutschen Luftfahrt: Eine junge Airline, die vom Aufbruchstraum zum tödlichen Desaster nur drei Jahre brauchte – und durch eine Autobahn-Notlandung in die Geschichte einging.

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