Lufthansa feiert 2026 ihr 100. Jubiläum. Zwar wurde das Unternehmen in seiner heutigen Form erst 1953 gegründet, doch das Jubiläum bezieht sich auf die erste Lufthansa, die am 6. Januar als Luft Hansa gegründet wurde und genau drei Monate später Linienflüge aufnahm. Doch was war das überhaupt für eine Zeit 1926, als diese Geschichte begann?
Nach der Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg 1918 entstand die Weimarer Republik. In den Jahren 1919 bis 1923 taumelte sie hin und her zwischen Selbstbehauptung und Krisen wie Hyperinflation, Umsturzversuchen und politischen Morden.
Ab 1924 stabilisierte sich die Lage in Deutschland
Doch mit dem fehlgeschlagenen Hitlerputsch und dem Start der Währungsreform im Winter 1923 begann eine Phase relativer Stabilisierung von 1924 bis 1929. Bis Herbst 1925 einigte sich Deutschland außenpolitisch mit Frankreich und Belgien in den Verträgen von Locarno auf die Unverletzlichkeit seiner Westgrenze. 1926 trat Deutschland dem Völkerbund bei.
Die Stabilisierung der Währung sorgte für eine Erholung der Wirtschaft. Dennoch erreicht die Industrieproduktion erst 1927 wieder das volle Niveau des Vorkriegsjahres 1913.
Goldene Zwanziger Jahre, aber auch düstere Vorzeichen
Was das Lebensgefühl und die Kultur anging, begannen nun die Goldenen Zwanziger. Thomas Mann veröffentlichte seinen Roman «Der Zauberberg», Bertolt Brecht und Elisabeth Hauptmann schrieben das Theaterstück «Die Dreigroschenoper» und die von Walter Gropius gegründete Kunstschule Bauhaus brachte Kunst und Handwerk zusammen.
Andererseits war auch schon vieles am Werke, was zwischen 1930 und 1933 zur Auslösung und Zerstörung der Weimarer Republik und zum Beginn der Nazi-Herrschaft beitrug. So wurde der Ex-Feldmarschall Paul von Hindenburg 1925 zum Reichspräsidenten gewählt, der acht Jahre später Hitler zum Reichskanzler ernannte. 1925 wurde auch das Verbot der SA, der paramilitärischen Organisation der NSDAP, aufgehoben, das seit 1923 bestanden hatte.
Aus Junkers Luftverkehr und Aero Lloyd wird Luft Hansa
Und was war in der Luftfahrt los? Tatsächlich sehr viel. Im Herbst 1921 waren sieben deutsche Luftverkehrsgesellschaften aktiv. Die Zahl der Fluggäste im planmäßigen deutschen Luftverkehr stieg von rund 13.400 im Jahr 1924 auf etwa 55.200 im Jahr 1925.
Das Geschäft war jedoch auf Subventionen angewiesen und der Staat drängte auf eine Konzentration. Es blieben zwei Große übrig mit Deutsche Aero Lloyd AG und Junkers Luftverkehr AG - und die wurden zusammengelegt zu Deutsche Luft Hansa AG. Deren Farben Blau und Gelb kamen von Junkers. Das Kranich-Logo stammte von Aero Lloyd, die es in einer vorherigen Fusion von Deutsche Luft-Reederei übernommen hatte.
Deutsche Bank und Reichswehr wollten Luft Hansa
Beteiligt an Luft Hansa waren das Deutsche Reich, die Länder, regionale Luftverkehrsgesellschaften und über sie mittelbar die beteiligten Gemeinden sowie die Privatwirtschaft in Form von Aero Lloyd, die nun als Holdinggesellschaft fortbestand.
Die Interessenlage rund um die Gründung von Luft Hansa war komplex. Zu denjenigen, die auf eine Fusion zu einer großen Fluglinie hinarbeiteten, gehörten die Deutsche Bank sowie die Reichswehr, die nicht aufrüsten durfte. Derweil kämpfte Junkers vergeblich dagegen an.
Begeisterung für Luftfahrt, Wunsch nach Weltgeltung
Der Historiker Lutz Budrass schreibt in seinem Buch «Adler und Kranich» zur Geschichte von Lufthansa, in Deutschland habe sich damals trotz Krieg und Inflation das weltweit dichteste und längste Luftverkehrsnetz gebildet. «Entsprechend wurde in die Luftfahrt besonders in Deutschland eine gesellschaftliche und nationale Utopie hineingedeutet.» So sei es auch bei der Luft-Hansa-Gründung um den Wunsch nach neuer Weltgeltung und um die Einigung der Nation gegangen - sowohl politisch und parteiübergreifend als auch in der Bevölkerung.
Dabei sei die Begeisterung der Deutschen für die Luftfahrt nicht grundsätzlich militärisch oder kriegerisch ausgerichtet gewesen, so Budrass. Und die Aufhebung alliierter Beschränkungen für die zivile Luftfahrt sei wichtig für die Luft-Hansa-Gründung gewesen.
«Gründung der Luft Hansa hing mit Luftrüstung zusammen»
Dennoch gelte auch: «Die Gründung der Luft Hansa hing eng mit der Luftrüstung zusammen.» Zwar sei sie bei der Geburt kein bloßes Instrument militärischer Rüstungspolitik gewesen, schreibt der Historiker. «Aber durch die Zusammenfassung der Luftfahrtinteressen und die Bändigung von Sonderstrategien wie sie Junkers gepflegt hatte, gewann die Luftfahrtpolitik des Reichsverkehrsministeriums eine Schlagkraft, mit der auch sehr langfristige Strategien - sogar der Aufbau einer idealen Luftwaffe - möglich waren.»
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