Es war ein ungewöhnlicher Einsatz für die verschiedenen Schweizer Behörden, von der Polizei bis zur Feuerwehr: Am 26. August 2025 bargen sie die Daher TBM940 mit der Kennung D-FSAM aus dem Vierwaldstättersee. Das Flugzeug war am 28. Juli in den See gestürzt und rund eine Woche später in 100 Metern Tiefe geortet worden. Fast einen Monat nach dem Absturz tauchte es nun sprichwörtlich wieder auf. Gegenüber dem Schweizer Rundfunkanbieter SRF zeigten sich die Behörden zufrieden mit dem Verlauf der Aktion.
Die Kosten für die Bergung sollen im tiefen sechsstelligen Bereich liegen. Tragen muss sie der Flugzeugbesitzer beziehungsweise dessen Versicherung, wie Martin Pohl, Untersuchungsleiter Aviatik bei der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust, am Tag der Bergung erklärte. Gut ein Jahr nach dem Unglück hat die Behörde ihre Untersuchung abgeschlossen und einen Bericht veröffentlicht.
Daher TBM940 hatte Probleme mit dem Fahrwerk
Am Morgen des 28. Juli um 8:21 Uhr wollten ein 78-jähriger Pilot aus Österreich und eine 55-jährige Passagierin aus der Schweiz in Buochs starten, zunächst nach Sichtflugregeln. Zum Startzeitpunkt herrschte in der Region schlechtes Wetter: Eine Nordstaulage, bei der sich feuchte Luft an der Alpennordseite staut, sorgte für ergiebigen Regen mit schlechter Sicht.
Um 8:21 Uhr startete die Daher TBM 940 auf der Piste 24. Kurz danach erschien eine Warnleuchte für eine unsichere Fahrwerksstellung. Der Pilot kehrte um und landete unfallfrei wieder in Buochs. Am Boden führte er mehrere Telefonate mit dem deutschen Wartungsbetrieb des Flugzeugs, heißt es im Bericht. Nach einem Neuaufstarten am Bedienpanel erlosch die Fehleranzeige. Eigentlich hätte laut Wartungshandbuch eine Funktionsprüfung des Fahrwerks mit aufgebocktem Flugzeug stattfinden müssen, was jedoch nicht erfolgte.
Drei Minuten nach dem zweiten Start stürzte das Flugzeug ab
Um 9:38 Uhr startete die TBM940 ein zweites Mal. Schon eine Minute später meldete sich der Pilot über Funk: Das Problem mit dem Fahrwerk bestehe weiterhin und er komme erneut zurück nach Buochs, wie es im Bericht heißt. Einen Vorschlag des Fluglotsen, eine linke Platzrunde zu fliegen, lehnte der Pilot wegen tiefliegender Wolken ab. Stattdessen flog er am Nordufer des Vierwaldstättersees entlang, vorbei am Bürgenstock Richtung Kehrsiten, und sank dabei immer tiefer, bis er nur noch rund 45 Meter über dem Wasser flog.
Flugverlauf der TBM940 mit der Kennung D-FSAM. Sust
Nur drei Minuten später, um 9:41 Uhr, schlug das Flugzeug mit ausgefahrenem Fahrwerk auf dem Wasser auf, mit einer Sinkrate von rund 1200 Fuß oder 366 Metern pro Minute bei einer Geschwindigkeit von 109 Knoten oder rund 100 Kilometern pro Stunde. Diese Angaben stammen aus den Daten der Bordavionik, die sich nach der Bergung des Wracks auslesen ließen. Das Flugzeug drehte sich beim Aufprall um 180 Grad und ging mit dem Bug voran unter.
Insassen schwammen ans Ufer
Pilot und Passagierin verließen das Flugzeug durch die Pilotentür und schwammen Richtung Ufer, bevor sie nach rund 40 Minuten von einem Polizeiboot aufgenommen wurden. Der Pilot blieb unverletzt, die Passagierin zog sich Verletzungen am Oberkörper zu. Laut Sust wurden am Wrack keine technischen Auffälligkeiten festgestellt. Die Avionikdaten zeigten, dass das Triebwerk während des gesamten Flugs die gewünschte Leistung geliefert hatte. Auch die Leistungsschalter des Fahrwerksmechanismus standen in normaler Position.
Der Pilot verfügte über rund 4000 Flugstunden, davon 2500 auf der TBM, und war zehn Tage vor dem Unfall mit der D-FSAM über den Atlantik nach Oshkosh und zurück geflogen. Die Sust stufte den Vorfall als Einzelfall ohne systemische Ursache ein.
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