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Londoner Flughafen

Gatwick will mit Trick zur zweiten Piste kommen

Der Airport London Heathrow erhält eine dritte Piste, London Gatwick muss weiterhin mit einer auskommen. Damit will sich der Flughafen nicht abfinden - und hat einen Plan.

Rund 1,25 Milliarden Euro steckt der Flughafen London Gatwick in den Ausbau. Das North Terminal wird vergrößert, das South Terminal erhält unter anderem eine neue Inlands-Ankunftshalle. Aber eines bekommt der zweitbetriebsamste Flughafen der britischen Hauptstadt vorerst nicht: eine zweite Piste. Denn die politische Entscheidung fiel zugunsten einer dritten Start- und Landebahn am größeren Airport London Heathrow.

Jetzt hat der Airport Gatwick aber einen neuen Plan präsentiert, wie er womöglich doch noch in absehbarer Zeit zu einer zweiten Piste kommen könnte. Der Flughafen schlägt vor, die bestehende Reserve-Piste 08L/26R, die parallel zur Hauptpiste 08R/26L verläuft, für den regelmäßigen Abflugbetrieb zu öffnen. «Unter der aktuellen Planungsvereinbarung wird Gatwicks existierende Reserve-Piste nur genutzt, wenn die Hauptpiste aufgrund von Notfällen oder Wartungsarbeiten geschlossen ist», schreibt der Flughafen. Jedoch laufe die Vereinbarung 2019 aus und man prüfe die Nutzung der Piste für Abflüge ab Mitte der 2020er-Jahre.

68 bis 70 Millionen Passagiere

«Durch den gleichzeitigen Betrieb beider Pisten wären wir in Hauptverkehrszeiten zu 10 bis 15 zusätzlichen Flugbewegungen pro Stunde in der Lage», ist in dem Plan zu lesen. Das könnte den Flughafen auf 68 bis 70 Millionen Passagiere im Jahr 2032 bringen, heißt es weiter. 2017 haben rund 45 Millionen Reisende den Flughafen Gatwick genutzt.

Um den Plan umzusetzen, würde das Rollfeld «einige Rekonfigurationen benötigen», schreibt der Flughafen. Auch seien Infrastrukturerweiterungen nötig. Damit würde man den Sicherheitsanforderungen gerecht werden, heißt es. Auch der Lärmpegel und die Belastung der Luftqualität würden sich nicht wesentlich erhöhen, verspricht Gatwick.

Pisten zu nah beieinander?

Allerdings liegen die Haupt- und die Ausweichpiste nur 198 Meter auseinander und damit zwölf Meter weniger als von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation Icao gefordert. Gatwick glaubt jedoch, dass sie zusätzlichen Asphalt verlegen, neue Markierungen malen und Landelichter verschieben können, um die Anforderungen zu erfüllen. Die Hauptpiste 08R/26L misst 3316 × 45 Meter, die Ausweichpiste 08L/26R bringt es auf 2565 × 45 Meter.

Gatwick betont, der Plan sei auch eine Antwort auf die Aufforderung der Regierung, bestehende Start- und Landebahnen bestmöglich zu nutzen. In den kommenden zwölf Wochen wolle man sich Reaktionen von Gemeinden und Gesellschaftern anhören.

Anwohnergruppe verärgert

Die kritische Anwohnergruppe Communities Against Gatwick Noise and Emissions reagierte erbost und sprach von einer «zweiten Piste durch die Hintertür». Die Vorsitzende der Gruppe, Sally Pavey, nannte den Plan des Flughafens laut dem TV-Sender CNBC zudem hinterhältig und einen «Stich ins Herz für die Anwohner».

Die Gruppe fürchtet mehr Lärm und Luftverschmutzung durch die Nutzung der Reserve-Piste. Pavey äußerte zudem den Verdacht, der New Yorker Investor Global Infrastructure Partners, der 42 Prozent an Gatwick hält, wolle durch den Plan den Wert des Flughafens vor einem möglichen Verkauf kurzfristig nach oben treiben.



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