Warum keine Waffe ins Cockpit gehört

[image1]«Stimmt es, dass die Crew seit 9/11 zur Notwehr eine Pistole im Cockpit hat?», fragt Silvio Barro. Ein Linienpilot antwortet.

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Wir sind Piloten und wollen fliegen, nicht schießen. Es gibt wohl einige Piloten, die das Militär absolviert haben und durchaus fähig sind, einen präzisen Schuss abzugeben. Aber es gibt sicherlich viele, die noch nie eine Waffe in der Hand hielten. Und sowieso: wenn wir eine Waffe bedienen müssten - wer fliegt dann das Flugzeug?

Die Pistole gehört also definitiv nicht ins Cockpit. Wir haben andere Sicherheitsvorkehrungen. Diese sind zwar prinzipiell geheim. Aber ein bisschen kann man schon darüber erzählen:

Es gibt zum Einen Sicherheitspersonal, das zivil mitfliegt - in den USA heißen diese Angestellten Sky Marshals. Sie sind dafür da, die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten und im Fall eines terroristischen Akts oder einer Flugzeugentführung einzugreifen. Ihr Hintergrund kann polizeilich sein, nachrichtendienstlich oder sie können eine andere sicherheitstechnische Ausbildung genossen haben. Diese Sky Marshals existieren wirklich und werden sehr oft eingesetzt. Möglicherweise sind sie bewaffnet und haben Munition, welche die Flugzeughaut nicht beschädigt. Wie sie aufs Flugzeug kommen, wo sie sitzen, wie sie gekleidet sind und auf welchen Flügen sie wirklich mitfliegen untersteht aber der absoluten Geheimhaltung.

Kugelsichere Cockpittür

Zudem ist unsere Cockpittür mittlerweile aus kugelsicherem Material. Und sie bleibt im Flug stets geschlossen. Man kann sie von außen nicht öffnen und ins Cockpit eindringen. Dieses neue System besteht erst sein 9/11 und kostet pro Flugzeug um die 32'000 Euro. Alle Flugzeuge sind mittlerweile damit ausgerüstet. Ein Cockpit-Besuch ist für einen normalen Passagier leider auch nicht mehr möglich. Jeder könnte ein Verdächtiger sein. Das ist bedauerlich, aber durch das Geschehene auch verständlich. Nur Mitarbeiter der Fluggesellschaft oder enge Bekannte und Familie dürfen ins Cockpit kommen.

Die Zugangskontrollen wurden massiv verschärft. Einerseits ist damit die Kontrolle der Passagiere am Flugplatz gemeint. Andererseits aber auch alle anderen Mitarbeiter welche in der Nähe oder am Flugzeug selber arbeiten. Wir Piloten und Kabinenbesatzung kontrollieren zum Beispiel stets die Ausweise vom Putzpersonal, welches an jeder Destination den Flieger reinigt. Aber auch alle anderen Personen in der Nähe des Flugzeuges werden kontrolliert.

Verdächtige Koffer

Viele Passagiere haben sicherlich schon erlebt, wie der Kapitän mitteilt, dass noch ein Koffer ausgeladen werden muss, bevor man starten kann. Auch dies ist eine der Sicherheitsvorkehrungen. Sobald ein Passagier nicht auftaucht, sein Koffer aber bereits verladen wurde, wird dies registriert. Der Koffer darf unter keinen Umständen alleine mitreisen. Niemand weiss, was genau sich darin befindet. Dies geschieht praktisch täglich und führt oft zu Verspätungen. Für einen sicheren Flug sollte aber diese Verspätung auf jeden Fall begrüsst werden.

Diese und all die anderen existierenden Sicherheitsvorkehrungen zeigen, dass für die Flugsicherheit sehr viel getan wird. Eine Pistole im Cockpit wäre weder nötig noch sinnvoll.

[image2]Was Sie schon immer übers Fliegen wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten: Ein Pilot einer großen Fluglinie beantwortet exklusiv für aeroTELEGRAPH die Fragen der Leser. Er bleibt dabei anonym, um unabhängig antworten zu können. Schicken Sie uns einfach eine E-Mail an redaktion@aerotelegraph.com. Jede Woche wird eine der eingesandten Fragen beantwortet.

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