Die auffällige Bemalung wurde ab 2014 eingeführt.

Flybe-Chef Saad Hammad«Turboprops bleiben Rückgrat der Flybe-Flotte»

Warum Flybe seine Europa-Expansion in Deutschland startet, was weiter geplant ist und wie man die Flotte erweitern will, sagt Chef Saad Hammad im Interview.

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Deutschland

Warum starten Sie die Expansion in Kontinentaleuropa ausgerechnet in Deutschland?

Saad Hammad*: Deutschland ist die Konjunkturlokomotive Europas. Die Exporte machen 46 Prozent der Wirtschaftskraft aus. Daher sind jegliche Verbindungen ins Ausland für das Land überaus wichtig. Wir fliegen schon länger aus Großbritannien nach Deutschland. Im kommenden Sommer kommen Southampton - München und Manchester – Hannover hinzu und es werden dann 13 Routen mit bis zu 282 wöchentlichen Flügen sein. Das ist eine solide Basis, um ab Hannover neue Routen auf dem Kontinent zu eröffnen. Es gibt unserer Ansicht nach ein großes Potenzial, deutsche Regionen direkt mit anderen europäischen Regionen zu verbinden.

Also geht es nur um Geschäftsreisen?

Nein. Auch das verfügbare Einkommen der Deutschen ist hoch und daher ist auch die Bereitschaft da,  für Urlaubsreisen Geld auszugeben. Wir sind Europas größte Regionalairline und glauben, dass Deutschland allgemein ein großes Potenzial bietet.

Der deutsche Markt gilt als schwierig - er ist heterogen, überversorgt und preissensitiv.

Das Geschäftsmodell von Flybe ist völlig anders. Wir spezialisieren uns auf regionale Routen mit begrenzter Nachfrage. Diese können die großen Airlines nicht gewinnbringend oder mit genügend Frequenzen bedienen.

Sie starten in Hannover. Planen Sie auch einen Ausbau an anderen deutschen Flughäfen?

Unser Ziel ist es, Europas Regionen von wichtigen europäischen Regionalflughäfen aus zu verbinden. Wir schauen uns daher sicher weitere Möglichkeiten an.

Und welche andere Märkte außer Deutschland sind für Flybe interessant?

Wir fliegen von Großbritannien aus bereits nach Benelux, Frankreich, Italien und Spanien. Die Expansion in Deutschland hat nun oberste Priorität. Aber es ist sicher erst der Anfang. Wir werden jedoch vorsichtig sein und erst schauen, wie sich das Ganze entwickelt, bevor wir einen Schritt weitergehen.

Müssen Sie für die Expansion die Flotte ausbauen?

Wir planen für den Ausbau unseres Streckennetzes mit unserer bestehenden Flotte von 52 Bombardier Q400 und 20 Embraer E195 und E175 sowie den bereits geplanten weiteren Auslieferungen. 2015 haben wir die Sitzplatzkapazität 10 Prozent erhöht, 2016 werden es 20 Prozent sein.

Falls Sie später doch ausbauen, kaufen Sie dann eher weitere Turboprops oder eher Jets?

Eher Turboprops. Sie werden das Rückgrat unserer Flotte bleiben.

Flybe lag 2013 auf dem Sterbebett als Sie die Führung übernahmen. Ist es nun nicht zu früh für eine Expansion?

Der über drei Jahre laufende Turnaround-Plan von Flybe basierte darauf, die historischen Fehler zu korrigieren und eine Ausgangsbasis für Wachstum zu schaffen. Das haben wir erreicht. Der nächste Schritt ist nun ein diszipliniertes Wachstum.

Doch der Druck auf die Preise ist in vielen europäischen Märkten hoch. Bei einer Expansion riskiert man Anfangsverluste.

Neue Routen brauchen drei bis vier Jahre, bis sie reifen. Wir schauen sehr genau auf die wirtschaftliche Nachhaltigkeit neuer Strecken und investieren mit Maß. Die Expansion wird evolutorisch und nicht revolutionär geschehen.

Der Sitzladefaktor liegt unter 70 Prozent. Wie wollen Sie den erhöhen?

Das ist nicht schlecht. Wir zielen minimal 70 Prozent an. In gewissen Jahreszeiten, in denen wir viele neue Routen starten, kann er aber darunter fallen. 70 Prozent ist für eine Regionalairline gut.

Und wie will Flybe mehr Geschäftsreisende für sich gewinnen?

Flybe spezialisiert sich auf das Angebot zeitsparender Geschäftsverbindungen. Wir sind die bessere Alternative als Auto, Bahn, Bus Fähre oder andere Airlines. Unsere Zuverlässigkeit, was die Pünktlichkeit anbetrifft, ist führend.

Was kann den Flybe besser als Billigairlines wie Easyjet oder Ryanair oder Netzwerkanbieter wie British Airways oder Lufthansa?

Wir bieten Hochfrequenz-Verbindungen von Regionen in Städte. Das können die Netzwerkairlines nicht. Zudem fliegen wir mit kleineren Flugzeugen, dafür öfter. Das können Billigairlines nicht. Und nicht zuletzt bieten wir dank unseren Codeshare-Abkommen mit Cathay Pacific, Emirates, Air France, Aer Lingus und Finnair Verbindungen in die Welt.

* Saad Hammad ist seit dem 1. August 2013 Vorstandsvorsitzender von Flybe. Zuvor hatte er unter anderem bei Easyjet und Gores Group, Proctor & Gamble und Thorn-EMI gearbeitet. Hammad wurde im Libanon geboren, wuchs aber ab dem Alter von sieben Jahren in Großbritannien auf.

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