Boeing 737 Max 10 für United Airlines: Deutlich mehr Orders als für die Max 7.

Konzernchef erhöht den DruckWieso Boeing bei der 737 Max 10 so hoch pokert

David Calhoun pokert mit einem möglichen Scheitern der 737 Max 10. Für Boeing und seinen Konzernchef steht viel auf dem Spiel.

Top-Jobs

bwlv

Fluggerätmechaniker (m/w/d)

BWLV-Motorflugschule Hahnweide
Vollzeit
Kirchheim/Teck
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Flugschule
Pilatus Logo

Team Leader Account Management

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Hahnair Logo

Compliance Monitoring Manager (all genders)

Hahn Air Lines GmbH
Vollzeit
Düsseldorf
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Luftfahrt
Etihad Job

Captain A320

Etihad Airways
Vollzeit
Abu Dhabi
Top jobs
United Arab Emirates
Feste Anstellung

Hinter den Kulissen argumentierten Boeings Lobbyisten schon im März so. Die politischen Strippenzieher des Flugzeugbauers informiertes Kongressmitglieder und -mitarbeitende über potenzielle Auswirkungen wie Arbeitsplatzverluste, sollte der Kongress der Boeing Max 10 keine Ausnahme genehmigen und die Variante womöglich nicht gebaut werden.

Vergangene Woche sagte Boeing-Chef David Calhoun persönlich im Gespräch mit dem Magazin Aviation Week, dass der Konzern Gefahr laufe, das Max-10-Programm einstellen zu müssen. Wenn man bedenke, was Boeing in den vergangenen Jahren durchgemacht habe, sei auch «eine Welt ohne -10 nicht bedrohlich», so Calhoun. Er sei willens, das Risiko einzugehen. «Wenn ich den Kampf verliere, verliere ich den Kampf eben.»

737 Max 10 braucht Verlängerung

Der Hintergrund: Ende des Jahres läuft eine gesetzliche Frist aus. Schafft es Boeing nicht, vorher die Zertifizierung für die 737 Max 10 zu erhalten, muss der Flugzeugbauer das Cockpit mit einem verbesserten Warnmeldungssystem ausstatten. Alle anderen Boeing-Modelle haben dies schon, nur die 737 Max hinkt mit einem uralten Standard hinterher.

Die Max 8 und Max 9 sind bereits zertifiziert und somit noch nicht betroffen. Derweil hofft Boeing, für die beiden noch nicht zugelassenen Varianten Max 7 und Max 10 noch in diesem Jahr die Zertifizierung zu erhalten. Gerade bei der Max 10 ist dies aber kaum zu schaffen. So drängt der Hersteller darauf, dass der Kongress die Frist verlängert.

Druck auf den Kongress wächst

Dass der Konzernchef nun scheinbar lapidar erwähnt, dass selbst ein Scheitern des Max-10-Programms ihn nicht schockieren würde, ist ein gewagtes Manöver. Es beruht auf dem, was Calhoun nicht sagt, was aber trotzdem jeder weiß: Ein Scheitern der Max 10 würde auch viele Folgen haben, die dem Kongress nicht gefallen, allen voran Arbeitsplatzverluste. Aber gelingt der politische Druck? «Es ist im Grunde ein Pokerspiel mit dem Kongress, und leider hat Boeing ein sehr schwaches Blatt», kommentiert das Analyse-Portal Air Insight.

Die Zeitung Seattle Times merkt an, dass der Druck auf den Kongress zuletzt nicht nur von Seiten Boeings gewachsen ist: «Die Familien der Opfer der beiden Max-Unfälle haben sich dafür eingesetzt, den Kongress davon zu überzeugen, die Verlängerung nicht zu gewähren.»

737 Max 10 fliegt nach Farnborough

Was geschieht also, wenn der Kongress Boeing keine Fristverlängerung gewährt? Verzichtet der Hersteller dann wirklich auf die Max 10? Es gibt einiges, was dagegen spricht.

Gerade hat Boeing angekündigt, genau diese Variante bei der anstehenden Farnborough Airshow bei London zu zeigen, der wichtigsten Messe seit Beginn der Pandemie. Macht Boeing das nur, um den politischen Druck in den USA zu erhöhen? In Farnborough sind vor allem die internationalen Kunden und Pressevertreter anwesend, vor denen der Hersteller schlecht dastehen würde, wenn der gezeigte Jet nur Monate später scheitert.

Herber Gesichtsverlust droht

Auch gegen einen Max-10-Verzicht spricht: Boeing hat Bestellungen für rund 640 der Flugzeuge von 17 Kunden. Auch wenn der Flugzeugbauer einige der Orders womöglich umwandeln könnte in solche für die kleinere Max 9, würde er doch Gefahr laufen, den Großteil ganz zu verlieren. Das wäre nicht nur ein großer wirtschaftlicher Rückschlag, sondern vor allem auch ein Prestigeschaden, den Boeing sich kaum leisten kann.

Mit den beiden 737-Max-Unglücken, dem langen Grounding des Modells, den Verzögerungen bei der 777X und dem langen Lieferstopp bei der 787 hat Boeing die Geduld vieler Kunden schon an einen kritischen Punkt gebracht. Jetzt noch die 737 Max 10 aufzugeben und einige der Kunden an Airbus zu verlieren, wäre ein herber Gesichtsverlust.

Viel Geld, längere Wartezeiten

Allerdings bringt auch Boeings andere Option zumindest kurz- und mittelfristig Probleme mit sich. Der Hersteller müsste das Cockpit der Max 10 umrüsten. Das würde ihn selber viel Geld kosten und die Fluggesellschaften müssten länger auf ihre bestellten Flugzeuge warten - laut Schätzungen von Air Insight etwa zwei zusätzliche Jahre.

Vor allem würde sich das Cockpit der Max 10 und - je nachdem, wie es bei dieser Variante läuft - womöglich auch das der Max 7 von denen der Max 8 und Max 9 sowie aller älteren 737 unterscheiden. Pilotinnen und Piloten könnten nicht mehr nahtlos zwischen den verschiedenen Version wechseln. Auch das würde den Betreibern nicht gefallen.

Stuhl des Konzernchefs wackelt

Beide Optionen sind höchst unattraktiv für Boeing. Eine mögliche Fristverlängerung durch den Kongress wäre dagegen der goldene Ausweg. Und so erklärt sich auch, warum Konzernchef Calhoun so auf diese Option pokert. Gewinnt er, ist es ein Erfolg für Boeing und ihn selbst. Verliert er, ist es nicht unwahrscheinlich, dass ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin sich mit einer der beiden anderen Optionen herumschlagen muss.

Mehr zum Thema

Boeing 737 Max: Grünes Licht auch in Südkorea.

Boeing durfte in 737 Max suboptimales Warnsystem einbauen

Boeing 737 Max 10: Kann sie wie geplant starten?

Boeing will Cockpit-Umrüstung für 737 Max verhindern

Produktion der Boeing 737 Max: Änderungen statt Ausbau.

Produktion der Boeing 737 Max wird durchleuchtet

ticker-boeing-1

Boeing steigert Auslieferungen im September auf Jahreshöchststand

Video

Airbus U740 Valkyrie: Erstflug erfolgreich absolviert.
Sie startet ohne Landebahn, erreicht bis zu Mach 0,8 und kann bewaffnet werden: Die Airbus U740 Valkyrie hat ihren ersten Flug absolviert. Künftig soll das autonome Kampflugzeug gemeinsam mit Eurofightern operieren.
gerard al fil
Gérard Al-Fil
Boeing 747-8 von Lufthansa: Am 10.Oktober wäre es fast zu einem Tailstrike in Los Angeles gekommen.
Eine Boeing 747-8 von Lufthansa musste in Los Angeles durchstarten. Dabei kam das Heck des Jumbo-Jets der Piste bedenklich nahe.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
Szene aus «111 - Echoes from Halifax»: Der Film zeigt die Tragödie anhand menschlicher Schicksale nach.
Anne Walser ist Produzentin des Kinofilms «111- Echoes from Halifax». Im Interview erklärt sie, weshalb das Thema Absturz von Swissair-Flug SR111 auch nach mehr als 25 Jahren noch aktuell ist, wieso sie bewusst auf einen Katastrophenfilm verzichtete und wie sich das Team vorbereitete.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin