Fahrwerk einen Boeing 777-300: Kaum Platz, mörderische Minustemperaturen.

Überlebenschancen im Fahrwerk

Ein Kubaner wollte im Fahrwerk eines Iberia-Jets flüchten und starb. Trotz extremem Risiko wird dieses Abenteuer immer wieder gewagt.

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Adonis G. B. hatte genug von der Perspektivlosigkeit und Unterdrückung in seinem Heimatstaat. Und so wählte er die Flucht über die Luft. Auf dem Flughafen Havanna schlich sich der 23-Jährige an einen Airbus A340 von Iberia heran, der bereit zum Abflug nach Madrid war. Als er unbeobachtet war, muss sich der junge Mann im Radkasten versteckt haben. Die Reise endete am Mittwoch (13. Juli) tragisch: Bei der Ankunft in der spanischen Hauptstadt wurde die Leiche des Kubaners bei einer Kontrolle der Maschine im Radkasten entdeckt. Atemversagen nach Unterkühlung und Quetschungen an Brustkorb und Kopf wurden festgestellt.

So wie es Adonis G. B. erging, geht es den allermeisten Flüchtlingen, die in Fahrwerke von Jets mitreisen. Kein Wunder. Der Flug von Kuba nach Spanien etwa dauert rund neun Stunden. Und je länger ein Flug ist, desto kleiner die Chancen von blinden Passagieren, zu überleben. Die Temperaturen im Außenbereich einer Passagiermaschine betragen bis zu minus 50 Grad Celsius. Zudem ist die Luft im Flugbereich arm an Sauerstoff - fliegen die Jets doch einiges höher als der Gipfel des Mount Everest ist. Kommt hinzu, dass der Platz im Fahrwerk sehr klein ist, sind die Räder einmal hochgezogen. Und nicht zuletzt ist das Risiko groß, beim Öffnen des Radschachts bei der Landung herauszufallen und auf den Boden zu stürzen.

Es gibt auch Wunder

Dennoch wählen immer wieder Flüchtlinge den Weg, der fast sicher in den Tod führt. Die Federal Aviation Administration zählte seit 1947 rund 86 Fälle von blinden Passagieren in Radkästen weltweit. Vor allem seit den Neunzigerjahren ist die Fluchtart in Mode gekommen. Gemäss den Zahlen der amerikanischen Flugaufsichtsbehörde überlebte rund ein Fünftel der Passagiere. Diese Zahl ist indes mit Vorsicht zu genießen, da viele Fälle von tödlich endenden Fluchtversuchen gar nie entdeckt werden - etwa wenn die Leichen bei Anflügen über Meer aus den Fahrwerkschächten fallen. Die Überlebensrate ist also noch viel kleiner als diese 20 Prozent.

Doch es gibt auch Wunder. Im Frühling 2010 überlebte ein Rumäne einen Flug von Wien nach London. Er hatte Glück: Die private Boeing 747 flog wegen schlechtem Wetter unüblich tief. Im selben Jahr im November machte ein 17-jähriger Russe eine Flugreise im Fahrwerk einer russischen Turboprop-Maschine in Sibirien und überlebte. Er wies lediglich leichte Erfrierungen auf.

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