Die deutsche Lufthansa-Beteiligung DLT setzte zwischen 1977 und 1984 bis zu sieben Shorts 330 ein. Sie flogen auf Regionalstrecken ab Deutschland.

Short 330Kehrt der Kultflieger in einer Neuauflage zurück?

Mehr als 30 Jahre nach dem Ende der Produktion könnte die kantige Short 330 ein überraschendes Comeback feiern. De Havilland Canada sondiert den Markt für eine modernisierte Neuauflage des unförmigen Regionalflugzeugs aus Nordirland.

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Kaum jemand hätte damit gerechnet, dass ein über 50-jähriger kantiger Regionalflieger noch einmal eine Zukunft haben könnte. Doch genau das könnte nun passieren: Die legendäre Short 330 soll mehr als 30 Jahre nach dem Produktionsende ein Comeback feiern – diesmal unter kanadischer Flagge.

Der nordirische Flugzeughersteller Short Brothers entwickelte in den 1970er-Jahren aus dem robusten Transportflugzeug SC7 Skyvan die SD3-30, besser bekannt als Short 330. Der 30-sitzige Turbopropfleiger wurde auch im deutschen Linienverkehr eingesetzt und könnte nun durch De Havilland Canada eine zweite Karriere erhalten.

Die Wiege in Nordirland

Die Geschichte von Short Brothers reicht bis ins Jahr 1908 zurück. Die Brüder gründeten ihr Unternehmen zunächst im Londoner Stadtteil Battersea, ehe die Produktion später nach Belfast verlagert wurde. Zu den bekanntesten Konstruktionen zählte das Flugboot Short Sunderland.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konzentrierte sich das Unternehmen zunehmend auf kleinere Flugzeuge. Dazu gehörte die SC7 Skyvan, ein Transportflugzeug mit markantem Doppelleitwerk und Heckladerampe. Von dem erstmals 1963 geflogenen Modell entstanden insgesamt 150 Exemplare.

Die Short 330 flog einmal auch Zubringer für Lufthansa

Aus der Skyvan entwickelte Short Brothers die größere und ebenfalls unverwechselbare SD3-30. Das besser als Short 330 bekannte Flugzeug absolvierte 1974 seinen Erstflug und wurde 1976 in Dienst gestellt. Insgesamt wurden 141 zivile Maschinen gebaut. Hinzu kamen 60 militärische Exemplare als C-23 für die US Army. Diese Version erhielt den Beinamen Sherpa und verfügte ebenfalls über eine große Heckrampe. Sie flog 1984 erstmals.

Shorts 300 von Teuto Air: Die deutsche Frachtairline setzte um die Jahrtausendwende das Modell auf Frachtflügen ein.

Der geräumige 30-Sitzer setzte im Regionalverkehr neue Maßstäbe beim Platzangebot, verfügte allerdings nicht über eine Druckkabine. Zu den wichtigsten Absatzmärkten zählten die USA, Großbritannien und Deutschland. In Deutschland setzte unter anderem die Lufthansa-Beteiligung DLT die Short 330 ein.

Von Bombardier zu De Havilland Canada

Bombardier beteiligte sich später an Short Brothers und übernahm das Unternehmen 1989 vollständig. Die Produktion der Short 330 lief allerdings nur noch bis 1997 weiter, als die letzte C-23 an die US Army ausgeliefert wurde. Noch zuvor entstand mit der Short 360 eine Weiterentwicklung. Der gestreckte 36-Sitzer erhielt ein konventionelles Leitwerk anstelle des charakteristischen Doppelleitwerks. Zwischen 1981 und 1991 entstanden insgesamt 165 Exemplare. Eine noch größere Short 450 mit 45 Sitzplätzen blieb dagegen ein nie verwirklichtes Projekt.

Bombardier behielt die Rechte an den Modellen und war viele Jahre für die Ersatzteilversorgung der verbliebenen Flugzeuge verantwortlich. Im Jahr 2006 verkaufte der kanadische Konzern seine Regionalflugzeugsparte aber an De Havilland Canada. Damit kehrten nicht nur die Twin Otter und die Dash 8 zu ihrem ursprünglichen Hersteller zurück – auch die Short-Reihe.

Nun wird das Interesse am Modell abgeklopft

Rund 20 Jahre später denkt das Unternehmen über eine Wiederbelebung der Short 330 auf Basis der C-23 nach. Dafür beschaffte De Havilland Canada ein gebrauchtes Exemplar aus dem Jahr 1986, die zuvor bei der US Army im Einsatz stand und noch ihre Tarnlackierung trägt. Ergänzt wurde diese um ein auffälliges Haifischmaul am Bug.

Sherpa Demonstrator: De Havilland Canada nutzt aktuell die Militärvariante C-23C als Sherpa Demonstrator.

Erstmals präsentiert wurde die Maschine kürzlich auf der Verteidigungs- und Sicherheitsmesse Cansec in Ottawa. Dort stand sie gemeinsam mit anderen Flugzeugen des Herstellers im Mittelpunkt des Interesses. Nun soll eine Roadshow folgen, um potenziellen Kunden das Konzept vorzustellen. Im Fokus stehen dabei vor allem militärische Betreiber, die ein vielseitig einsetzbares Transportflugzeug mit großer Heckrampe suchen. Gleichzeitig möchte De Havilland Canada die modernisierte Shorts 330 aber auch zivilen Kunden anbieten – sowohl als Frachter als auch als Regionalflugzeug.

Zweite Chance für den kantigen Klassiker aus Belfast

Angetrieben von zwei PT6-Turboproptriebwerken kann die Short 330 Sherpa rund 3,3 Tonnen Fracht oder 30 Passagiere samt Gepäck über eine Distanz von etwa 1000 Kilometern transportieren. Gedacht wird bei der Neuversion sogar an eine gestreckte Version – ähnlich der einst geplanten Shorts 450. Anders als die spätere Shorts 360 könnte sie jedoch wieder mit dem markanten Doppelleitwerk und optionaler Heckrampe ausgestattet werden.

Damit könnte aus einem fast vergessenen Regionalflugzeug plötzlich wieder ein aktuelles Produkt werden. Und der kantige Klassiker aus Belfast bekäme eine zweite Chance.

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