Bei Delta Air Lines neigt sich eine Ära langsam dem Ende zu. Die Fluggesellschaft beginnt offenbar damit, ihre Boeing 717 auszumustern. Das geht aus übereinstimmenden Berichten hervor. Demnach sollen zunächst sechs Flugzeuge außer Dienst gestellt werden, sobald größere Wartungsereignisse anstehen.
Die Boeing 717 gehört seit mehr als einem Jahrzehnt zu den prägenden Flugzeugmodellen in der Flotte. Die Airline betreibt aktuell 80 Exemplare mit einem Durchschnittsalter von rund 24 Jahren. Die meisten stammen ursprünglich von Airtran Airways. Sie kamen über einen ungewöhnlichen Umweg zu Delta. Als Southwest Airlines Airtran übernahm, wollte sie die Boeing 717 nicht behalten und verleaste die gesamte Flotte an Delta. Die ersten Flugzeuge wechselten 2013 den Betreiber.
Für die Boeing 717 von Delta gibt es nicht mehr genügend Ersatzteile
Anders als bei vielen älteren Flugzeugmodellen scheint das Alter jedoch nicht das Hauptproblem zu sein. Delta ist dafür bekannt, Flugzeuge oft deutlich länger zu betreiben als viele Konkurrenten. Schwieriger ist bei der Boeing 717 die Versorgung mit Ersatzteilen und die wirtschaftliche Perspektive. Das Modell wird seit rund 20 Jahren nicht mehr gebaut. Insgesamt entstanden nur 156 Exemplare.
Hinzu kommt, dass die Flugzeuge mit den speziellen Rolls-Royce-BR715-Triebwerken ausgestattet sind, die nur bei der Boeing 717 zum Einsatz kamen. Das macht Wartung und Ersatzteilversorgung zunehmend aufwendig. Deshalb soll Delta nun bei mehreren Flugzeugen darauf verzichten, noch einmal Millionenbeträge in umfangreiche Struktur- und Wartungsarbeiten zu investieren. Stattdessen könnten die Jets als Ersatzteilspender dienen und so die verbleibende Flotte länger am Leben halten. Betroffen sein sollen zunächst die Flugzeuge mit den Kennzeichen N943AT bis N948AT, berichtet der Branchenbeobachter JohnNYC.
Bestellt Delta mehr Airbus A320 Neo oder Boeing 737 Max?
Die Entwicklung könnte zugleich Auswirkungen auf die künftige Flottenstrategie haben. Laut Berichten wird bei Delta intern über zusätzliche Bestellungen von Airbus A320 Neo oder Boeing 737 Max 8 nachgedacht. Beide Modelle würden eine Lücke zwischen den kleineren Airbus A220 und den deutlich größeren Airbus A321 Neo sowie Boeing 737 Max 10 schließen.
Eine direkte Nachfolge der Boeing 717 wären sie allerdings nicht. Die 110-Sitzer dürften vielmehr schrittweise durch eine Mischung aus Airbus A220, Airbus A319 und größeren Flugzeugen ersetzt werden.
Boeing 717 basiert auf Douglas DC-9
Tatsächlich steht Delta ohnehin vor einer umfassenden Erneuerung ihrer Kurz- und Mittelstreckenflotte. Die Airline hat bereits 62 Airbus A220-300, 96 Airbus A321 Neo sowie 100 Boeing 737 Max 10 fest bestellt. Gleichzeitig sind viele Airbus A319 und A320 inzwischen fast 30 Jahre alt. Die Ausmusterung der ersten Boeing 717 könnte deshalb weniger der Beginn eines abrupten Abschieds sein als vielmehr der erste sichtbare Schritt einer langfristigen Flottenmodernisierung.
Die Boeing 717 selbst gilt vielen Fachleuten bis heute als unterschätztes Flugzeug. Ursprünglich wurde sie als McDonnell Douglas MD-95 entwickelt und nach der Übernahme von McDonnell Douglas durch Boeing lediglich umbenannt. Technisch basierte sie auf der traditionsreichen Douglas DC-9. Wirtschaftlich kam das Programm jedoch zur falschen Zeit auf den Markt. Die Nachfrage blieb gering, und bereits 2006 lief die Produktion aus. Bei Delta fand die Boeing 717 dennoch eine zweite Karriere. Nun scheint sich auch diese langsam ihrem Ende zuzuneigen.
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