737 Max 10: Boeing muss das Cockpit nicht abändern.

Keine Anpassungen im CockpitBoeing erhält Ausnahme für 737 Max 7 und 10 - mit einem Aber

Der Flugzeugbauer hat sich durchgesetzt. Er erhält in den USA für die beiden neuesten 737-Max-Modelle eine Ausnahme. Boeing muss aber dennoch etwas unternehmen - nur nicht sofort.

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Pünktlich zu Weihnachten erhält Boeing seinen dringendsten Wunsch erfüllt. Das Parlament der USA gewährt dem Flugzeugbauer eine Ausnahme, was die Boeing 737 Max 7 und Max 10 angeht, schreibt die Seattle Times. Das heißt: Die Cockpits der beiden noch nicht zertifizierten Versionen der Boeing 737 Max brauchen keine zusätzlichen Anpassungen, obwohl das per Gesetz eigentlich nötig wäre.

Hintergrund ist der Aircraft Safety and Reform Act von 2020. Er wurde nach den Abstürzen von zwei Boeing 737 Max in den Jahren 2018 und 2019 verabschiedet. Das Gesetz schreibt vor, dass alle Flugzeuge, die nach dem 31. Dezember 2022 zugelassen werden, im Cockpit neue Sicherheitsvorschriften erfüllen müssen. So müssen die Systeme es der Crew ermöglichen, akustische und visuelle Warnungen bestmöglich zu unterscheiden und fehlerhafte Warnungen zu unterdrücken, die, wie einst bei den Unglücken, für Ablenkungen sorgen.

Nicht ohne Bedingungen

Boeing würde das allerdings viel Zeit und Geld kosten. Zudem argumentierte der Flugzeugbauer, es sei am Ende auch sicherer, keine Neuerungen einzuführen, weil Pilotinnen und Piloten sonst verwirrt werden könnten, wenn sie zwischen Flugzeugen hin- und herwechseln. Jetzt hat der Kongress das Unternehmen erhört. Die Mitglieder haben sich am Dienstagmorgen (20. Dezember) auf einen Gesetzesentwurf zum Jahresende geeinigt. Der enthält einen Änderungsantrag, der sicherstellt, dass die im 2020 verabschiedeten Gesetz enthaltene Frist nicht für die Max 7 und 10 gilt.

Ganz ohne Bedingungen erteilte der Kongress die Ausnahmeregelung aber nicht. Der neue Gesetzentwurf verpflichtet alle Fluggesellschaften zur Umsetzung von zwei spezifischen Anpassungen, die die Sicherheit verbessern sollen. Das gilt nicht nur für die zwei jüngsten Modelle, sondern für alle bereits zugelassenen Flieger.

USA verlangen Anpassungen ...

Innerhalb von drei Jahren müssen alle Boeing 737 Max nachgerüstet werden. Die Kosten trägt laut dem Gesetzesentwurf Boeing. Die erste Verbesserung speist den Bordcomputer des Jets mit einer dritten Messung durch einen virtuellen Anstellwinkelsensor. Er misst den Winkel zwischen der Tragfläche und dem entgegenkommenden Luftstrom, einem wichtigen Datenpunkt, der in verschiedenen Steuerungssystemen verwendet wird.

Es handelt sich um eine Art virtuellen Check der beiden physischen Anstellwinkelsensoren. Der Bordcomputer berechnet seine Messung aus einer Vielzahl anderer Sensoren und Eingaben. Bei den Max-Abstürzen hatte das fehlerhafte Flugsteuerungssystem von einem einzigen Anstellwinkelsensor abgehangen, der falsche Daten gesendet hatte.

... die Europa und Kanada bereits fordern

Die zweite Verbesserung ist ein Schalter, mit dem die Crew einen irrtümlichen Stick-Shaker-Alarm - eine Überziehwarnung, bei der das Steuerhorn kräftig vibriert - abschalten kann. Der Stick Shaker hatte die Piloten der beiden Max-Abstürze stark abgelenkt, wie die Ermittlungen hinterher ergaben.

Das klingt nach viel – doch im Endeffekt haben die USA damit nur nachgezogen und setzen um, was anderswo gilt. In Europa und Kanada zum Beispiel haben die Behörden bereits angekündigt, diese Anpassungen von Boeing-737-Max-Betreibern zu verlangen. Boeing muss also nicht etwas Neues umsetzen. Doch der Zeithorizont von drei Jahren setzt den Flugzeugbauer zeitlich unter Druck. Die europäische Flugsicherheitsbehörde Easa und Transport Canada hatten keine Fristen gesetzt.

Lobbyarbeit seit Monaten

Schon seit Monaten bearbeiteten Boeings Lobbyisten in Washington die Politikerinnen und Politiker. Neben dem Sicherheitsargument wiesen sie auch auf mögliche Arbeitsplatzverluste hin, sollten die Anpassungen per Gesetz nötig bleiben. Denn dann, so hatte auch Konzernchef David Calhoun wiederholt gedroht, hätte es sein können, dass der Flugzeugbauer die Modelle gar nicht mehr baut.

Auch die Gewerkschaften der Pilotinnen und Piloten hatte die Thematik auf den Plan gerufen. Einig waren die sich allerdings nicht. Während die Crews von American verlangten, dass der Kongress keine Ausnahme gewährt, schlugen sich die Besatzungen von Southwest Airlines auf die Seite von Boeing. 

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