Das Terminal des Flughafens Ostrava: Das Passagiergeschäft erholt sich gut, hat aber seine Grenzen.

Große Cargo-Pläne in TschechienFlughafen Ostrava sucht Anschluss an die Seidenstraße

An der Nordostgrenze Tschechiens entsteht ein neuer Cargoumschlagplatz. Am Flughafen Ostrava soll Fracht aus Asien kommend über Straßen, Schienen und Fluganbindungen auf ganz Europa verteilt werden.

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Eigentlich ist der Flughafen Ostrava im Passagiergeschäft auf einem guten Weg. «In den ersten acht Monaten wurden bereits 212.000 Passagiere abgefertigt, was einen Rückgang von nur 8 Prozent gegenüber dem Jahr 2019 bedeutet», erklärt Geschäftsführer Jaromir Radkovsky im Gespräch mit aeroTELEGRAPH.

Das Problem des Flughafens liegt jedoch in seiner geografischen Nähe zur polnischen Grenze. Denn mit den Flughäfen Katowice und Krakau in 90 und 170 Kilometern Entfernung hat man zwei übermächtige Mitbewerber quasi direkt vor der Haustür.

Cargogeschäft als neuer Fokus

Das macht es für das Flughafenmanagement nicht nur schwer, neue Fluglinien für Flüge nach Ostrava zu gewinnen, sondern bedeutet gleichzeitig, dass tschechische Reisende zu den nahegelegenen polnischen Flughäfen abwandern. Neben einem breitgefächerten Smartwings-Charterflugprogramm bieten nur Lot und Ryanair ab Ostrava regelmäßig Linienflüge nach Warschau und London an. Vom nahen Katowice aus fliegen alleine die beiden Low-Cost-Giganten Wizz Air und Ryanair rund 60 Destinationen an.

Nachdem man im Passagierverkehr mit den Mitbewerbern also nicht mithalten kann, will sich das Management in Ostrava künftig auf den Aufbau des Frachtgeschäftes fokussieren. Bereits in den vergangenen vier Jahren stieg der Frachtumschlag um satte 300 Prozent auf zuletzt 18.000 Tonnen Fracht. Damit erzielt der Flughafen bereits heute rund 40 Prozent seines Jahresumsatzes.

Ausbau von Frachtvorfeld und -Terminals

Geht es nach den Plänen des Managements, soll deshalb innerhalb der nächsten drei Jahre das bestehende Angebot massiv ausgebaut werden. Bislang wird es von DHL und UPS für Flüge nach Köln und Leipzig sowie vom tschechischen Unternehmen EGT Express Logistic Solutions nach China genutzt.

Der Masterplan des Flughafens sieht nun in die Errichtung eines sogenannten Multimodulparks vor. In dem sollen neue Logistik-Unternehmen rund um das Flughafengelände angesiedelt werden. Ebenfalls soll bis zum Jahr 2025 die bestehende Flughafenfracht-Infrastruktur wachsen mit einem um 15.000 Quadratmeter erweiterten Frachtvorfeld sowie zwei, insgesamt 20.000 Quadratmeter großen Frachtterminals.

Keine Slot- und Nachtflugbeschränkungen

Die Voraussetzungen für den Bau eines neuen Cargodrehkreuzes in Ostrava sind gut. Der ehemalige Militärflughafen verfügt nicht nur über eine 3500 Meter lange und 63 Meter breite Piste, sondern auch über keinerlei Slot-, Nachtflug- oder Lärmbeschränkungen für seinen uneingeschränkten 24-Stunden-Flugbetrieb

Seit dem Jahr 2013 besteht zudem eine direkte Bahnverbindung zum Flughafen Ostrava, die schon heute von den dortigen Logistikunternehmen genutzt wird. In unmittelbarer Nähe befindet sich außerdem ein Autobahnknotenpunkt mit Verbindungen in die Nachbarländer Polen, Deutschland, Slowakei und Österreich.

Erste Investoren bauen schon

Von Seiten des Flughafens beteuert man, dass für die zukünftige Expansion genügend Freiflächen für die Ansiedelung von Frachtflugunternehmen vorhanden seien und man sich ganz auf die deren Wünsche einstellen könne. Eine Reihe von tschechischen und ausländischen Investoren sehen inzwischen Potenzial im Airport Ostrava Multimodulpark. Darunter die österreichische Logistikfirma Innofreight, die über Investoren bereits mit dem Bau eines 115.000 Quadratmetern großen Kombiverkehrsterminals begonnen hat.

Die tschechische Post hat ebenfalls in den Bau eines neuen 30.000 Quadratmeter großen Paket-Sortierzentrums investiert, das noch im September eröffnet werden soll. Die Sendungen werden hauptsächlich aus Asien nach Ostrava geschickt, von wo aus sie vorerst noch hauptsächlich per Zug oder Lkw in ganz Europa verteilt werden sollen.

Anbindung an Seidenstraßen-Projekt

Die Investoren blicken bei ihren Überlegungen aber auch ganz gezielt nach Osten, konkret auf die mögliche Anbindung der Terminals an das chinesische Projekt Neue Seidenstraße. Zusätzlich zu den bereits bestehenden Straßen-, Schienen- und Luftanbindungen des neuen Logistikparks erwägt man die Errichtung eines Wasserkanals, der eine Anbindung an das europäische Schifffahrtsnetz ermöglichen könnte, wie Radkovsky erklärt.

Ob die weitreichenden Pläne tatsächlich umgesetzt werden, werden die nächste Jahre zeigen. Aktuell befinde man sich laut Radkovsky aber bereits mit einer nicht näher genannten türkischen Luftfrachtlinie im Gespräch, die erwäge, bis zu neun Frachtflugzeuge am Flughafen Ostrava zu stationieren. Sollte dieser Deal zustande kommen, würde dies eine Initialzündung für das gesamte Projekt bedeuten, so Radkovsky.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie den Flughafen Ostrava.

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