Lukoil: Die Firma ist auch größter Steuerzahler in Bulgarien.

Verbindungen mit RusslandSanktionen abgewendet: Wie Bulgarien knapp einem Kerosinmangel entging

Die neuen US-Sanktionen gegen Lukoil und Rosneft hätten Bulgarien fast in eine akute Versorgungskrise gestürzt. Denn die einzige Raffinerie des Landes liefert den Großteil des Kraftstoffs – und gehört weiterhin dem russischen Konzern.

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US-Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne Lukoil und Rosneft hätten Bulgarien fast in eine prekäre Lage gebracht. Die einzige Ölraffinerie des Landes deckt rund 80 Prozent des heimischen Kraftstoffbedarfs – und befindet sich fast vier Jahre nach Beginn des Krieges in der Ukraine weiterhin im Besitz von Lukoil.

Die Ansage aus Washington kam mit großer Wucht: Nachdem die Ukraine-Friedensgespräche gescheitert waren, leitete US-Präsident Donald Trump Ende Oktober neue Sanktionen gegen Russlands größte Ölproduzenten ein. Rosneft und das kremlnahe Unternehmen Lukoil sollten künftig keine Möglichkeit mehr haben, Ölprodukte im Ausland zu verkaufen und damit indirekt den Krieg in der Ukraine zu finanzieren.

Bulgarien ist voll von Lukoil abhängig

In Bulgarien schrillten sofort die Alarmglocken. Das Land setzt bis heute voll auf die Zusammenarbeit mit Lukoil, das in Burgas die einzige Raffinerie betreibt. Ein möglicher Ausfall der Kerosin- und Kraftstofflieferungen des de-facto-Monopolisten hätte für Wirtschaft und Luftfahrt gravierende Folgen gehabt.

Die Anlage in Burgas verarbeitet täglich rund 190.000 Barrel Öl, das offiziellen Angaben zufolge aus Kasachstan und arabischen Ländern stammt. Daraus entstehen Kraftstoffe aller Art – darunter auch Kerosin –, die an rund 200 Tankstellen sowie an allen fünf internationalen Flughäfen des Landes verkauft werden.

Lukoil ist größter Arbeitgeber und größter Steuerzahler Bulgariens

Im Jahr 2024 erzielte die Lukoil-Tochter einen Umsatz von rund 4,7 Milliarden Euro und ist damit nicht nur größter Arbeitgeber, sondern auch größter Steuerzahler Bulgariens. Lukoil Aviation Bulgaria Eood betankt als Iata-Partner Flugzeuge an den Flughäfen Sofia, Burgas, Varna, Plowdiw, Gorna Orjachowiza sowie im moldawischen Chisinau und beliefert unter anderem Lufthansa, Wizz Air und Ryanair.

Um den drohenden Lieferausfall abzufedern, untersagte das bulgarische Parlament zunächst den Export bestimmter Kraftstoffe – vor allem Diesel und Flugbenzin – in EU-Staaten. Ein geplanter Verkauf der Raffinerie an den Schweizer Rohstoffhändler Gunvor wurde gestoppt, nachdem das US-Finanzministerium das Unternehmen auf X als «Marionette des Kreml» bezeichnet hatte und Gunvor daraufhin sein Angebot zurückzog.

Lukoil-Tochter unter Treuhandverwaltung gestellt

Obwohl Bulgarien dank EU-Regeln Kraftstoffreserven für sechs Monate hat, verabschiedete das Parlament vor wenigen Tagen ein Eilverfahren: Die Lukoil-Tochter wurde unter Treuhandverwaltung gestellt, um die Produktion in Burgas abzusichern. Ein Verkauf darf nur noch mit Zustimmung eines vom Staat bestellten Sachverwalters erfolgen. Am selben Tag kündigten die USA und Großbritannien laut Medienberichten eine vorübergehende Ausnahme der Sanktionen für Bulgarien an.

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