Mailand Linate: Das Kerosin wird aktuell rationiert.

Krieg in NahostWird das Kerosin in Europa knapp?

Der Iran-Krieg bringt Europas Luftfahrt unter Druck: In Italien wird Kerosin bereits rationiert. Während Preise explodieren und Lieferketten ins Wanken geraten, wächst die Sorge vor Engpässen im Sommer.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Teamleiter Montage & Support (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Leiter Zerspanung Kleinteile / Stv. Abteilungsleiter (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
k5 logo

Captain A320 (m/w/d)

K5-Aviation GmbH
München, Hamburg, Stuttgart
Feste Anstellung
Business Aviation
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
logo-gi-group

Teamleiter (gn) am Flughafen Hamburg

Hamburg
Feste Anstellung
Gi Group Recruiting
Deutschland
Vollzeit
Top jobs

Der Krieg im Iran zeigt nun auch ganz konkret Wirkung an Europas Flughäfen: Einige italienische Airports rationieren Kerosin. In Mailand-Linate, Bologna, Venedig und Treviso gelten Einschränkungen bei der Betankung. Grund sind geschrumpfte Bestände. Priorität haben Langstreckenflüge, medizinische Einsätze und staatliche Flüge. Für viele Kurzstreckenverbindungen gilt dagegen ein Limit von 2000 Litern pro Flugzeug. Die Menge reicht für knapp eine Stunde Flugzeit bei gängigen Jets wie Airbus A320 oder Boeing 737.

Noch versuchen Betreiber, die Lage zu relativieren. Teilweise sei nur ein einzelner Lieferant betroffen, heißt es von Airportseite. Daher gilt die Rationierung aktuell auch nur bis zum 9. April. Gleichzeitig wird aber deutlich, dass die Versorgung unter Druck geraten ist. Denn der Nachschub hängt an einer globalen Lieferkette, die derzeit massiv gestört ist.

Straße von Hormus im Zentrum

Im Zentrum steht die Straße von Hormus. Sie ist eine der wichtigsten Energierouten der Welt. Rund ein Fünftel des globalen Ölhandels passiert diese Meerenge. Für Europa ist sie besonders entscheidend: Mehr als die Hälfte der Kerosinimporte gelangt laut Daten von Bloomberg über diesen Weg auf den Kontinent. Insgesamt stehen rund 32 Prozent des globalen seegestützten Rohöls und etwa 16 Prozent des Handels mit Ölprodukten im Zusammenhang mit dieser Route.

Die Folgen zeigen sich bereits auf dem Markt. Kerosinpreise haben sich seit Beginn der Krise mehr als verdoppelt und liegen bei rund 1500 Euro pro Tonne oder etwa 195 Dollar pro Barrel. In den USA sind die Preise um 95 Prozent gestiegen. Gleichzeitig steigen auch die operativen Kosten der Airlines, die zusätzlich Umwege fliegen müssen und dadurch mehr Treibstoff verbrauchen, der ohnehin schon teurer ist.

Kürzungen in Flugplänen und Engpässe möglich

Noch schwerer wiegt jedoch die Frage der Verfügbarkeit. Denn die üblichen Ausweichmechanismen greifen kaum. Länder sichern zuerst ihre eigenen Vorräte, Exportbeschränkungen nehmen zu, und alternative Lieferanten können die fehlenden Mengen nur teilweise ersetzen. Selbst im besten Fall würde es laut Analysten Wochen dauern, bis sich Lieferströme normalisieren. Das Portal Politico nennt als Beispiel von Analysten rund sechs Wochen etwa für Lieferungen von Kuwait nach Europa.

Die Luftfahrt reagiert bereits. Viele Fluggesellschaften prüfen Kürzungen im Flugplan oder setzen diese bereits um. Tickets werden teurer, wenn der Kerosinpreis weiter steigt, der den größten Teil der Kosten von Airlines ausmacht. Ryanair-Chef Michael O´Leary warnte kürzlich, dass im Sommer bis zu 10 bis 25 Prozent der Treibstoffversorgung gefährdet sein könnten. Auch Lufthansa denkt mögliche Szenarien durch. Eines davon beinhaltet auch die Option, bis zu 40 Flugzeuge zu parken.

Die meisten Flughäfen sind noch entspannt

Noch ist die Lage nicht flächendeckend kritisch. Laut dem Verband ACI Europe melden rund 86 Prozent der Flughäfen in Europa weiterhin normale Kerosinbestände, etwa 10 Prozent sehen ein erhöhtes Risiko. Doch die Unsicherheit bleibt hoch. Was passiert, wenn die Lage sich nicht entspannt und es zu Engpässen kommt?

Wie schnell das gehen kann, zeigt der Blick ins Ausland, etwa nach Vietnam oder Indonesien. Dort haben erste Airlines bereits Flüge gestrichen, um Treibstoff zu sparen. Regierungen rufen ihre Bevölkerung zum Energiesparen auf, oder fördern Arbeiten im Homeoffice, um Verkehr zu reduzieren. In einigen Ländern kommt es bereits zu Versorgungsengpässen und steigenden Preisen im Alltag. Im Senegal verbot die Regierung Dienstreisen, um der Knappheit entgegenzuwirken.

Von der Breaking News bis zur Hintergrundanalyse: Unser Team begleitet die Luftfahrt mit Erfahrung und Leidenschaft. Unterstützen Sie unabhängigen Qualitätsjournalismus – für weniger als einen Cappuccino im Monat. Jetzt hier klicken und abonnieren

Video

condor flughafen zeichnen
Wer am Flughafen warten muss, kann einen künstlerischen Zeitvertreib ausprobieren. Zeichner Kevin Zych gibt eine kurze Videoanleitung dafür.
Timo Nowack
Timo Nowack
erdfall la guardia loch
Am New Yorker Flughafen LaGuardia ist nahe einer Start- und Landebahn ein tiefes Loch im Rollweg entdeckt worden. Viele Flüge mussten am Mittwoch gestrichen werden.
Timo Nowack
Timo Nowack
Snowbirds im Formationsflug: Die Flugstaffel fliegt ab 2030 mit Pilatus PC-21.
Über 50 Jahre setzten die Snowbirds auf heimische Strahlflugzeuge von Canadair. Nach der aktuellen Saison ist damit Schluss. Künftig werden die Pilotinnen und Piloten der kanadischen Kunstflugstaffel mit Flugzeugen von Pilatus begeistern.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies