Bevor Biman Bangladesh im Jahr 2022 Flüge von Dhaka nach Toronto in Kanada aufnahm, stellte sich die Frage nach der Routenführung. Luftlinie sind die Städte knapp 12.500 Kilometer voneinander entfernt - über China, Russland, die Arktis und Grönland. Die Airline erklärte damals, dass sie für diese Strecke so viel Treibstoff in der Boeing 787-9 benötigen würde, dass sie die Zahl der Fluggäste reduzieren müsste und die Verbindung nicht rentabel wäre. Zudem gebe es beim Flug über Russland Schwierigkeiten mit der Versicherung.
Daher entschied sich Biman Bangladesh für einen Zwischenstopp. Zuerst fand der in Istanbul statt, doch im März 2026 wechselte die staatliche Fluggesellschaft nach Rom. Nun sind es Luftlinie rund 7300 Kilometer von Dhaka nach Rom und knapp 7100 Kilometer von Rom nach Toronto.
Rund 40 Stunden in Rom - statt anderthalb Stunden
Normalerweise ist das Flugzeug in der italienischen Hauptstadt nur rund anderthalb Stunden am Boden. Doch kürzlich kam es ganz anders. Am 6. August startete die Boeing 787-9 mit dem Kennzeichen S2-AJY als Flug BG306 in Toronto und landete am Morgen des 7. August gegen 07:20 Uhr in Rom. Allerdings konnte der Dreamliner den Airport erst rund 40 Stunden später wieder verlassen, gegen Mitternacht vom 8. auf den 9. August. Das Besondere dabei: Auch die Fluggäste mussten so lange in Rom bleiben - viele von ihnen im Flughafen.
Wie die Zeitungen The Daily Star und The Business Standard berichten, mussten die Reisenden die ersten acht Stunden an Bord des Flugzeuges verbringen. Denn es gab ein nicht näher spezifiziertes technisches Problem am Flugzeug, wie Biman später bestätigte. Die Fluglinie versuchte, dieses Problem mit eigenem Personal und Partnern vor Ort schnell zu beheben, was aber nicht gelang. Schließlich wurden die Reisenden ins Terminal gebracht.
Runde 170 Fluggäste konnten Flughafen nicht verlassen
Die 259 Passagierinnen und Passagiere sollten in Hotels untergebracht werden, jedoch gab es für viele ein Problem, «da Italien für Inhaber bangladeschischer Reisepässe keine Visa bei der Einreise ausstellt», wie eine Biman-Sprecherin gegenüber The Business Standard sagte.
So konnten nur diejenigen mit kanadischem oder US-Pass das Terminal verlassen und ins Hotel gebracht werden. Laut The Daily Star waren das nur rund 90 Reisende, während etwa 170 nicht einreisen konnten und kein Hotelbett bekamen. Sie mussten in Lounges warten.
Biman musste Techniker und Teil aus Dhaka einfliegen
Das technische Problem am Flugzeug konnte Biman Bangladesh erst lösen, nachdem sie zwei Techniker mit Ersatzteilen aus Dhaka nach Rom geschickt hatte. Die gestrandeten Fluggäste wurden derweil weder auf Verbindungen mit anderen Fluggesellschaften umgebucht, noch schickte Biman ein eigenes Flugzeug als Ersatz, um sie abzuholen.
Offenbar stand keines zur Verfügung. «Solche Probleme treten auch bei anderen Airlines auf», sagte die Sprecherin. «Da diese jedoch über Ersatzflugzeuge verfügen, können sie sofort ein anderes Flugzeug entsenden.» Die Langstreckenflotte von Biman besteht aus vier Boeing 787-8, zwei 787-9 sowie vier 777-300 ER, wovon eine derzeit in der Wartung ist.
Hinter aeroTELEGRAPH steckt mehr als eine Website: ein Team erfahrener Journalistinnen und Journalisten, das fliegt, recherchiert und einordnet – Tag für Tag. Mit Ihrer Unterstützung bleiben wir unabhängig und Sie lesen werbefrei. Jetzt hier klicken und abonnieren