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Erfahrungsbericht Premium Economy Delta

Viele Vorteile, großzügiger Sitz und Wein in Plastikbechern

Delta Air Lines hat ihr Angebot in den letzten Jahren ausgebaut. Was bietet die Fluggesellschaft in der neuen internationalen Premium Economy? Wir haben es getestet.

Das Angebot an Flügen nach Nordamerika ist überwältigend. Alleine aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bieten Fluggesellschaften täglich Dutzende von Flügen in die USA und nach Kanada an. Reisende haben also die Qual der Wahl. Neben dem Preis und den Flugzeiten ist dabei der Komfort für viele ein entscheidendes Kriterium.

Hier hat Delta Air Lines in letzter Zeit viel unternommen. Unter anderem hat sie zusammen mit der Einflottung der Airbus A350 unter dem Namen Premium Select eine neue Premium Economy eingeführt. Sie ist inzwischen auch auf A330 Neo sowie umgebauten Boeing 777-200, 757-200 und 767-400 verfügbar. Doch was bietet sie? Wir haben es auf einem Flug von New York JFK nach Zürich im Dezember 2019 getestet.

Buchung/Reservierung: ★★★★☆. Die Webseite der Fluggesellschaft ist für unseren Geschmack optisch etwas überladen. Das lenkt vom Wesentlichen ab. Alle für den Passagier wichtigen Vorgänge (Buchung, Check-in, Buchungsänderung, Upgrade und so weiter) sind aber ganz oben prominent aufgeführt und daher mit wenigen Klicks zu erreichen. Die Ladegeschwindigkeit der Seite ist ebenfalls sehr gut. Wir checken über die App ein. Das funktioniert einwandfrei, nach einer einmaligen Eingabe der Buchungsnummer bleibt der Flug gespeichert. Etwas nervig ist die jedes Mal wiederholte Aufforderung, ein Delta-Konto anzulegen, und der sehr klein geratene Hinweis, dass man auch ohne Registrierung fortfahren kann.

Check-in/Einsteigen: ★★★★★. Der Premium-Economy-Passagier bekommt bei Delta fast alle Vorteile, die auch ein Business-Reisender genießt. Zum Einchecken steht am Flughafen New York JFK ein eigener Schalterbereich zur Verfügung, der etwas abseits im Terminal angeordnet ist. Das sorgt für eine entspannte Atmosphäre. Obwohl am Abend unseres Abfluges viel los ist und sich Schlangen bilden, stehen wir nur rund fünf Minuten an. Die Frau am Schalter ist sehr freundlich, macht zwischendurch auch mal einen Scherz und erledigt den Prozess innerhalb kürzester Zeit. Auch bei der Sicherheitskontrolle hat man mit Premium Select Vorzugsbehandlung und darf sich in der schnelleren Schlange einreihen. Das ist ein großer Vorteil, denn die Wartezeiten sind an diesem Abend lang. Wir warten so nur rund zehn Minuten. Ins Flugzeug einsteigen kann man als Premium-Economy-Passagier nach den Gästen der Business Class. Nur Loungezugang bekommt man nicht – außer man ist Vielflieger.

Crew: ★★★★☆. Nach einigen wirklich schlechten Erfahrungen vor vielen Jahren mieden wir amerikanische Airlines eine Weile. Deshalb waren wir besonders gespannt auf den Service an Bord. Gleich vorweg: Wir wurden bekehrt. Die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter von Delta waren freundlich, effizient und kannten sich auch mit dem Speise- und Getränkeangebot gut aus. Ein Crewmitglied spulte das Programm etwas gar mechanisch und mit wenig Enthusiasmus ab, was für einen Abzug bei der Crew-Note reicht.

Kabinenausstattung: ★★★★☆. Die Premium Economy beginnt bei Delta hinter der Business Class. Sie besteht aus 20 Sitzen in einer 2-2-2-Konfiguration. Am Fenster gibt es drei Sitzreihen, in der Mitte vier. Die Zwischenklasse ist in einem eigenen Abteil untergebracht, das nach hinten durch eine Wand und nach vorne durch den Eingangsbereich und eine kleine Bordküche abgetrennt wird. Dadurch entsteht ein Gefühl von Exklusivität. Ein Nachteil: Es gibt nur eine Toilette auf der rechten Seite, die zudem auch von Business-Passagieren benutzt wird. Der Umbau der Boeing 767-400 hat sich aber definitiv gelohnt. Obwohl die Flieger 20 Jahre alt sind, kommt das Interieur sehr frisch und elegant daher. Eines aber lässt sich nicht wegrenovieren – wegen der älteren Triebwerke ist es in der Kabine recht laut. Zudem fanden wir die Temperatur auf ein doch sehr tiefes Niveau eingestellt – vielleicht auch eine amerikanische Eigenheit.

Sitz: ★★★★★. Hier hat Delta nicht gespart. Der Premium-Economy-Sitz ist 48 Zentimeter (19 Zoll) breit und bietet fast 97 Zentimeter (38 Zoll) Beinfreiheit. Der Passagier hat daher wirklich viel Platz. Neben Strom- und USB-Steckdosen ist auch mehr als genug Stauraum vorhanden. Neben der Sitztasche stehen ein größeres Fach in der Sitzlehne zur Verfügung plus ein Flaschenhalter. Die Armlehne ist breit und gestattet es, dass die Sitznachbarn ihre Arme auf ihr legen, ohne dass es zu Lehnenkämpfen kommen muss. Die verschiedenen Positionen des Sitzes und der gepolsterten Fußstütze lassen sich per Knopfdruck verstellen, allerdings geht das bei uns nicht wirklich stufenlos, sondern mitunter etwas ruckelig. Die Rückenlehne kann man rund 18 Zentimeter nach hinten kippen. Das ist deutlich mehr als in der Economy, aber für tiefenentspannten Schlaf reicht es auch nicht.

Sauberkeit: ★★★★★. Die Großstädte der USA sind nicht bekannt für perfekte Sauberkeit. Von der Kabine von Delta lässt sich das nicht sagen. Vor unserem Abflug wurde alles perfekt gereinigt, wir finden keine Krümel vom Vorpassagier oder in keiner Ritze Staubablagerungen, wie das auch in höheren Klassen bei gewissen Fluggesellschaften durchaus ab und an vorkommt.

Mahlzeiten: ★★★★☆. Nach dem Start bekommen wir einen Aperitif gereicht, dazu gibt es Nüsse. Wir wählen einen amerikanischen Chardonnay und dazu eine Cola Zero. Zur Vorspeise gibt es später Salatherzen mit Croutons, Manchego-Käse, geräucherten und getrockneten Tomaten. Gleichzeitig wird uns (liegt es an unserer Körperfülle?) auch die zweite Vorspeise gereicht: Rucola-Salat mit Crevetten. Als Hauptspeise wählen wir die Ricotta-Ravioli mit Tomatensauce und Broccoli. Auch das Frühstück ist üppig: Neben einem Joghurt-Müsli bekommen wie ein etwas pampiges Croissant sowie frische Früchte. Die Zusammenstellung der Mahlzeiten, die Auswahl und die Qualität hat uns überzeugt. Für Europäer immer etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass nicht nur Limonaden in Plastikbechern serviert werden, sondern auch der Wein. Das wertet das hochstehende Essensangebot etwas ab. Ohne das hätten wir hier die volle Punktzahl vergeben.

Unterhaltungssystem: ★★★★★. Das Angebot an Filmen (395) und Serienstaffeln (890) ist wirklich üppig und größer als bei vielen Konkurrenten. Was für uns etwas fehlt, ist eine Auswahl von internationalen Perlen und Studiofilmen. Konsumiert wird es auf einem 13,3 Zoll großen, berührungsempfindlichen Bildschirm. Die Menüführung ist intuitiv und so finden wir das, was wir uns anschauen wollen, auch ziemlich rasch. Der Passagier bekommt in der Premium Select zudem einen qualitativ guten Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung.

Wifi/Strom: ★★★★★. Am Sitz gibt es reichlich USB- und Stromsteckdosen. Auch Wifi gibt es an Bord und das sogar kostenlos. Passagiere können sich einfach verbinden und gratis Textnachrichten versenden oder mit Messenger chatten. Wer mehr online machen will, muss ein Paket vom Delta-Partner Gogo kaufen. Ein Tagespass für unlimitiertes Surfen kostet 16 Dollar oder 14.40 Euro. Während der Kauf bei uns noch erfolgreich war, gelang es uns danach nicht, das Guthaben auch zu nutzen. Das war ärgerlich. Der Betrag wurde aber nach unserer Beschwerde per E-Mail diskussionslos zurückerstattet.

Extras: ★★★★☆. Premium-Eco-Passagiere bekommen bei Delta ein schmuckes und gut verarbeitetes Etui von Tumi. Es hat eine gute Größe, sodass man es auch nach dem Flug weiter verwenden kann, sei es als Kulturbeutel auf Tagestrips oder als Tasche für Schreibstifte. Enthalten sind die Klassiker: Schlafmaske, Socken, Zahnbürste und -paste und Desinfektionsmittel.

Gesamtnote: 4,4 – Gut
(Skala: Sehr gut = über 4,5, Gut = 3,7 bis 4,4, Befriedigend = 2,7 bis 3,6, Schlecht = 2,0 bis 2,6, Sehr schlecht = unter 2,0)

Fazit: Wer sich etwas leisten will (die Tickets sind je nach Economy-Tarif zwischen 50 und 100 Prozent teurer) und doch nicht das Geld für ein Business-Class-Ticket ausgeben möchte, findet in der Premium Economy von Delta ein wirklich gutes Produkt. Die Fluggesellschaft hat mit der Erneuerung ihrer Kabinen ein Angebot geschaffen, das mit der Konkurrenz nicht nur gut mithalten kann und sie da und dort sogar übertrifft.

Der Testflug verursachte 1592 Kilogramm CO2. Wie bei allen Dienstreisen kompensierte aeroTELEGRAPH diese Emissionen durch die Unterstützung von Aufforstungsprojekten und des Kaufs von Biokerosin über den Kompensationsanbieter Compensaid.

Das Flugticket für diesen Test wurde von Delta zur Verfügung gestellt. Die Tester von aeroTELEGRAPH hatten bei ihrem Urteil trotzdem freie Hand. Die Fluggesellschaft nahm weder Einfluss auf den Inhalt des Artikels noch stellte sie irgendwelche Bedingungen. Das würde dem Verhaltenskodex von aeroTELEGRAPH widersprechen.



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