Finanzielle DetailsDas staatliche Rettungspaket wird für Lufthansa teuer

Der Konzern und der deutsche Staat haben sich auf die Details des neun Milliarden Euro schweren Rettungspakets geeinigt. Jetzt ist auch mehr über die Bedingungen bekannt, die Lufthansa einhalten muss.

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Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Auch wenn es um die Rettung einer Fluggesellschaft geht. Vor vier Tagen meldete Lufthansa, man befinde sich «in fortgeschrittenen Gesprächen» mit dem deutschen Wirtschaftsstabilisierungsfonds über eine Milliardenhilfe. Die Verhandlungen werde man «zeitnah» abschließen.

Doch das Feilschen dauerte an und zog sich übers Wochenende hin. Nun meldet die Fluggesellschaft aber einen endgültigen Durchbruch. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds habe dem Paket zugestimmt, so die Fluggesellschaft am Montag (25. Mai) in einer Mitteilung. Damit ist der Weg frei für ein neun Milliarden Euro schweres staatliches Rettungspaket für den Luftfahrtkonzern, der wie viele andere wegen der Corona-Krise in eine Liquiditätskrise zu geraten drohte.

Einstieg über Kapitalerhöhung

Der deutsche Staat beteiligt sich wie angekündigt über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds mit 20 Prozent an Lufthansa. Dazu erhöht der Konzern zuerst sein Kapital um rund 300 Millionen Euro - ohne Bezugsrechte für die bisherigen Aktionäre, wie früher gesagt wurde. Das heißt, ihre Anteile werden verwässert. Der staatliche Fonds kauft die Lufthansa-Aktien zum Nennwert von 2,56 Euro, wie es in der neuen Mitteilung von Lufthansa heißt. Nicht mehr erwähnt wird die Möglichkeit eines Kapitalschnittes.

Zugleich beteiligt sich der Staat mit 5,7 Milliarden Euro als stiller Teilhaber an Lufthansa. 4,7 Milliarden davon stellen eine klassische stille Einlage dar. Die Laufzeit ist unbeschränkt. Lufthansa kann das Geld aber jederzeit zurückzahlen. Die stille Einlage wird 2020 und 2021 mit vier Prozent verzinst. Danach steigt die Abgeltung an - bis auf 9,5 Prozent im Jahr 2027.

Drei Voraussetzungen für Sperrminorität

Darüber hinaus zeichnet der Wirtschaftsstabilisierungsfonds eine Art Wandelanleihe über rund eine Milliarde Euro. Damit bekommt er das Recht, ab 2024 und 2026 zusätzliche Aktien von Lufthansa zu beziehen. Würde er das tun, bekäme er nochmals 5 Prozent der Anteile plus eine Aktie.

Die Bundesrepublik hätte dann eine Sperrminorität. Doch die Partner haben drei Voraussetzungen festgelegt, damit dies passieren kann: es droht eine Übernahme von Lufthansa, der Konzern kommt seinen finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem Staat nicht nach oder der Anteil des Staates droht verwässert zu werden.

Auch ein Darlehen

Zahlt Lufthansa die stille Einlage aber zurück und liegt der Aktienkurs bei mindestens 2,56 Euro plus einer jährlichen Verzinsung von 12 Prozent, verkauft der Wirtschaftsstabilisierungsfonds seine Beteiligung an Lufthansa bis zum 31. Dezember 2023.

Neben den Milliarden aus der Beteiligung bekommt Lufthansa auch ein Darlehen von der staatlichen Bank KfW über drei Milliarden Euro. Er läuft drei Jahre. Über die Höhe des Zinssatzes ist immer noch nichts bekannt.

Keine Dividenden, keine Mitsprache

Als Gegenleistung bekommt der Staat über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds zwei Sitze im Aufsichtsrat von Lufthansa. Eines Mitglied wird im Prüfungsausschuss sitzen, der das Finanz- und Risikomanagement überwacht. Zudem muss sich Lufthansa auf «Beschränkungen der Managementvergütung» verpflichten, wie es von in der neuen Mitteilung heißt.

Lufthansa bestätigt auch den «Verzicht auf künftige Dividendenzahlungen». Geld darf also vorerst nicht mehr an die Aktionäre fließen - wohl bis der Kredit zurückbezahlt ist. Außer im Übernahmefall wird der Wirtschaftsstabilisierungsfonds seine Stimmrechte in den Hauptversammlungen nicht ausüben. Das ist ein Entgegenkommen an den Vorstand, der sich vor politischer Einflussnahme fürchtet.

Was sagen die Aktionäre?

Einige wichtige Hürden sind nun genommen. Dass Vorstand und Aufsichtsrat dem Stabilisierungspaket zustimmen, ist so gut wie sicher. Danach muss aber noch die Europäische Union zustimmen.

Die größte Hürde bleiben die bisherigen Aktionäre. Zu den größten gehören der deutsche Milliardär Heinz Herrmann Thiele sowie die Fonds Lansdowne Partners International und Blackrock. Sie verlieren einiges: Geld und Einfluss.

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