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Forschung der Nasa

Ehemalige Germanair-Fokker kracht ungehindert auf Boden

Forscher der Nasa haben eine ausrangierte Fokker 28, die einst für Germanair flog, aus 45 Metern Höhe fallen lassen. Der Versuch soll künftige Flugzeuge sicherer machen.

Einst übten Astronauten dort die Landung auf dem Mond. Seit dem Ende des Apollo-Programmes benutzt die Nasa die Landing and Impact Research Facility in Hampton im Bundesstaat Virginia für einen anderen, aber ebenso spektakulären Zweck. Die Luft- und Raumfahrtbehörde der USA lässt dort seit Jahrzehnten Luftfahrzeuge von einem Kran in die Höhe ziehen, nur um diese anschließend ungebremst wieder zu Boden fallen zulassen.

Sinn dieser Crashtests sind Nachforschungen darüber, wie sich Flugzeuge oder Helikopter bei Unfällen verhalten. Mit einer ausrangierten Fokker 28 ließen die Forscher vergangene Woche nun das bisher größte jemals dort getestete Flugzeug zum Versuch herunterfallen. Die neu gewonnen Daten sollen insbesondere dabei helfen, bessere Zulassung-Richtlinien für künftige Verkehrsflugzeuge zu bestimmen.

Erster Test dieser Größenordnung

Die Vorbereitungen für den Versuch dauerten Monate. Der Fall der fast 15 Tonnen schweren Fokker aus 45 Meter Höhe, bei dem am Boden beide Tragflächen geknickt wurden, dauerte dagegen nur wenige Sekunden. Für die Forscher hat sich dieser Aufwand trotzdem gelohnt: «Bisher hat die Nasa Daten von Versuchen zur Verfügung gestellt, bei der Rümpfe vollkommen senkrecht aufgeschlagen sind» erklärt die Behörde in einer Mitteilung. Der neue Versuch soll der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA nun realistischere Daten liefern, da das Flugzeug dank des Testgestells sich während des Aufpralls auch nach vorne bewegte.

Möglich macht dies ein großes Schwingengestell, von dem die Fokker auf einen Sandboden fallen gelassen wurde. «Es wird oft angenommen, dass sich Flugzeugabstürze nicht überleben lassen, wenn es in Wahrheit aber viele sind», sagt ein Mitarbeiter der Federal Aviation Adminsitration FAA und erklärt weiter: «Zu sehen wie das Flugzeug reagiert, hilft uns, andere in Zukunft sicherer zu machen». Dazu haben die Forscher nicht nur die Fokker mit Sensoren zur Messung der Beschleunigungskräfte vollgestopft. Auf den Sitzen des Fliegers haben sie insgesamt 24 Crashtest-Puppen platziert, die ebenfalls die Kräfte der Aufschläge gemessen haben.

Gemischtes Testpuppen-Publikum

Bei den unechten Passagieren achtete die Nasa dem realen Airline-Alltag entsprechend auf Diversität. So entsprachen die Merkmale einiger Dummys denen kleiner Kinder, während die Statur einer anderen Puppe etwa der einer 122-Kilogramm schweren Person gleichkam. Mehrere Hochgeschwindigkeitskameras innerhalb des Rumpfes beobachteten zusätzlich, wie sich die nachgestellten Körper in Zeitlupe während des Aufschlags bewegten.

Auch außerhalb des Flugzeuges beobachteten Kameras den Versuch. Damit diese besser erkennen konnten, wo sich die Fokker verformte, wurde das Flugzeug zuvor mit einer speziellen Lackierung versehen. Dabei trägt der Flieger auf einer Seite unzählige kleine Punkte, die auf Filmaufnahmen als Referenz für die Rumpfform dienen.

Fokker hatte viele Vorbesitzer

Für die Fokker 28 war dies der Abschluss einer bewegten Geschichte. Zuvor trug das Flugzeug die Farben der Canadian Regional Airlines, wo es bis zum Jahr 2000 im Einsatz stand. In den Jahren zuvor wechselte die Maschine sechs Mal den Besitzer. So wurde sie 1972 an die Südwestflug-Nachfolgerin Germanair ausgeliefert und war auch bei British Airways einige Jahre im Einsatz.

Für den allerletzten Flug der etwas anderen Art würdigten die Nasa-Forscher den Flieger jedoch nochmals mit einem neuen Detail. So prangte während des Versuchs am Heck der Fokker 28 des Rumpfes die fiktionale Registrierung C-RASH.

Sehen Sie in der oben stehenden Bildergalerie Fotos sowie ein Video vom Crashtest der Fokker 28.



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