TGV von SNCF: Der Bahnchef fordert teurere Flüge.

FrankreichChef von Staatsbahn fordert Kerosinsteuer

Zug und Flugzeug können sich ergänzen. Der Chef der französischen Staatsbahnen SNCF geht jetzt allerdings auf Konfrontation. Er fordert eine Kerosinsteuer für die Luftfahrt.

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Der amerikanische Informatik-Unternehmer Raymond Noorda schuf den Begriff der Coopetition oder auf Deutsch: Koopkurrenz. Er umschreibt Märkte, auf denen Teilnehmer zwar in Konkurrenz stehen, zugleich aber Kooperationen sinnvoll sein können. Ein Paradebeispiel sind Bahnbetreiber und Fluggesellschaften.

Die beiden Verkehrsmittel können sich gut ergänzen - stehen aber auch in direktem Wettbewerb. Das zeigt sich auch am Beispiel von Lufthansa. Die deutsche Fluggesellschaft hat das Angebot Express Rail im Frühjahr ausgebaut. Mit Berlin, Bremen, Hamburg, München und Münster kamen fünf neue deutsche Bahnhöfe hinzu, ab denen Schnellzüge zum Flughafen Frankfurt fahren, die auf die Flüge von Lufthansa abgestimmt sind. Zugleich nehmen ICE-Verbindungen der Deutschen Bahn auf gewissen Strecken Lufthansa Kundinnen und Kunden weg.

«Nicht der Zug, der zu teuer ist, sondern das Flugzeug, das nicht teuer genug ist»

Eine Studie der Universität Barcelona von 2014 fand heraus, dass die Einführung von Hochgeschwindigkeitsverbindungen in Europa dazu führt, dass Fluggesellschaften zwar nicht ihre Frequenzen verringern, aber das Angebot an Sitzplätzen. Sie setzen also kleiner Flugzeuge ein. Dies gilt jedoch nur für Strecken, die nicht zu den Drehkreuzen der Airlines führen.

Die Koopkurrenz hat der Chef der französischen Staatsbahnen SNCF dieser Tage allerdings zumindest verbal wieder zur Konkurrenz gemacht. Jean-Pierre Farandou forderte vor dem Ausschuss für nachhaltige Entwicklung der Nationalversammlung, den Luft- und Straßenverkehr aufgrund des Klimaproblems stärker zu besteuern. «Es ist nicht der Zug, der zu teuer ist, sondern das Flugzeug, das nicht teuer genug ist», erklärte er, wie französische Medien berichten.

EU hat das bereits vor

Der Chef der SNCF kristierte, dass im Flugticket die Kosten der CO2-Belastung nicht enthalten seien. «Ich verstehe nicht, warum die Fluggesellschaften von jeglicher Kerosinsteuer befreit sind. Ich zahle Steuern, ich zahle Steuern auf meine Energie, auf meinen Dieselkraftstoff», so Farandou. Er bedauerte auch, dass der europäische Straßenfernverkehr von jeglicher Kohlenstoffsteuer ausgenommen ist. «Wenn ich einen Wunsch frei hätte, wäre es ein Nachdenken über eine Ausweitung der Kohlenstoffbesteuerung auf die gesamte Transporttätigkeit.»

Die Europäische Union plant jedoch, genau das zu tun. Im Aktionsplan Fit for 55 sind Mindeststeuersätze auf Kerosin bei Flügen innerhalb der EU vorgesehen. Die Steuer für Flugkraftstoff wird schrittweise erhöht, bis nach zehn Jahren den endgültigen Mindestsatz erreichen. Dann soll Kerosin ebenso besteuert werden wie Benzin im Straßenverkehr.

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