Die gesamten Hochbauten werden neu gebaut.

Engadin Airport St. Moritz - SamedanChaos und Konflikte beim Ausbau des Schweizer Alpen-Flughafens

Diffuse Verantwortlichkeiten, Kompetenzüberschreitungen und unrealistische Kostenschätzungen: Das Ausbauprojekt des Flughafens Samedan wurde immer teurer, gebaut wurde aber noch nichts.

Top-Jobs

k5 logo

Captain A320 (m/w/d)

K5-Aviation GmbH
München, Hamburg, Stuttgart
Feste Anstellung
Business Aviation
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
logo-gi-group

Teamleiter (gn) am Flughafen Hamburg

Hamburg
Feste Anstellung
Gi Group Recruiting
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
Hahnair Logo

Kapitän C680A (all genders) mit Zusatzaufgaben

Düsseldorf
Feste Anstellung
Hahn Air Lines GmbH
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
Hahnair Logo

Deputy Continuing Airworthiness Manager (all genders)

Düsseldorf
Feste Anstellung
Hahn Air Lines GmbH
Deutschland
Vollzeit
Top jobs

Der Flughafen ist idyllisch gelegen. Wer am Engadin Airport St. Moritz - Samedan landet, fliegt zuerst an 3000 Meter hohen Bergen vorbei, bevor er vorbei an Lärchenwäldern und Almweiden langsam auf die 1840 Meter lange Start- und Landebahn hinab gleitet, neben der Kühe grasen. 16.000 Bewegungen zählt er jährlich, neben Helikoptern, Segel- und Privatfliegern vor allem auch Privatjets.

Denn der Flughafen Samedan liegt nur unweit des mondänen Kurorts St. Moritz, in dem die Reichen Europas gerne Bergurlaub machen. Doch seine Infrastruktur ist in die Jahre gekommen. Sie  ähnelt eher einer Lagerhalle mit Turm als einem Airport, an dem der Jetset ankommt.

«Grundsätzliche Mängel» in der Organisation

Das soll sich ändern. Schon 2017 legten die anliegenden Kommunen den Bürgerinnen und Bürgern ein Ausbauprojekt für 22 Millionen Franken (rund 19 Millionen Euro) vor, das diese bei einer Volksabstimmung guthießen. Der Engadin Airport St. Moritz - Samedan sollte ein neues, schickes Terminal, einen neuen Kontrollturm sowie neue Räume für die Personen- und Warenkontrolle erhalten. Ebenso sollte es zusätzliche Parkflächen für Flieger sowie Helikopterhangars gebaut werden. 2021 sollten die Bagger auffahren.

Die Projektkosten sind inzwischen auf 88 Millionen oder das Vierfache angestiegen. Und dennoch wurde noch immer nichts gebaut. Eine unabhängige Untersuchung eines Anwalts förderte inzwischen eklatante Mängel bei den Planenden zutage. Unter anderem ist von «grundsätzlichen Mängeln» in der Organisation die Rede, welche «zu diffusen Verantwortlichkeiten, Kompetenzüberschreitungen und Kompetenzkonflikten führten».

Kostenschätzung von Beginn an unrealistisch

Auch wurden mitunter keine Protokolle geführt oder Daten nicht ordnungsgemäß abgelegt. Nicht zuletzt hält der Bericht fest, dass die ursprünglich projektierten 22 Millionen Franken unrealistisch gewesen sind. «Während man damals anscheinend davon ausging, dass das Kernprojekt mit der dem Volk vorgelegten Projektsumme umsetzbar sei, macht es rückblickend den Anschein, dass sich schon das ursprüngliche Projekt nicht mit dem vorgesehenen Budget umsetzen ließ», heißt es im Bericht. Es habe offenbar schon seit Beginn «an einer adäquaten Projektkostenprognose» gefehlt.

Die Graubündner Parlamentarierin Franziska Preisig wird noch deutlicher. «Das ist der Filz», sagte sie der Zeitung Tages-Anzeiger. Die Betreibergesellschaft des Flugplatzes Samedan gehört den Engadiner Kommunen, in den entscheidenden Gremien des Projektes säßen deren Vertreter, aber auch lokale Unternehmer. Sie planten den Flugplatz und beaufsichtigten sich gegenseitig, so ihr Vorwurf. Und weiter: «Es geht hier mindestens um grobfahrlässiges Verhalten – und zwar systematisch.»

Neue Volksabstimmung im Jahr 2025

Mit 1707 Metern über Meer ist der Flughafen Samedan der höchstgelegene Europas. Ob er bald seinem mondänen Publikum gerecht werden kann, ist ungewiss. «Es ist wichtig, dass der Bericht nun vorliegt, denn er schafft Transparenz», heißt es zwar von der verantwortlichen Flughafenkonferenz. Man habe inzwischen die meisten Empfehlungen des Berichts «bereits umgesetzt oder organisatorische Mängel auf andere Weise behoben». Unter anderem wurden auch Wertberichtigung auf bisherigen Investitionen von 5,5 Millionen Franken vorgenommen - diese Investitionen waren also vergebens.

Aber weil die Kosten gestiegen sind, steht im September 2025 eine neue Volksabstimmung an. Ob das Volk das teuere Projekt zum Ausbau des Flughafens wieder gutheißen wird, ist unklar.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Bilder, wie der neue Flughafen gemäß dem alten Projekt hätte ausschauen sollen. Ein Klick aufs Foto öffnet die Galerie im Großformat.

Mehr zum Thema

Flieger in Samedan: Das neue System erhöht die Erreichbarkeit des Alpen-Airports.

Flughafen Samedan hat ein Jahr Verspätung

So präsentiert sich der Engadin Airport heute: Die Infrastruktur ist veraltet.

Samedan soll regelmäßige Charterflüge bekommen

Ein Pilatus PC-12 von Fly 7: Zusammen mit Zela Jet wird das Flugzeug regelmäßig zwischen Griechenland und den Alpen unterwegs sein.

Mit Pilatus PC-12 und PC-24 direkt nach Gstaad, Innsbruck oder Chambéry

ticker-skyguide

Skyguide: Entscheidung zum Leistungsplan der Schweizer Flugsicherung verzögert sich

Video

Absturzstelle: Hier prallte der Jet ins Gebirge.
Der Absturz von Flug MU5735 beschäftigt Ermittlungsbehörden seit mehr als vier Jahren. Jetzt deuten neue Daten darauf hin, dass es im Cockpit der Boeing 737 von China Eastern Airlines vor dem Crash zu einem Kampf um die Kontrolle kam.
Laura Frommberg
Laura Frommberg
Der Moment vor der Berührung: Die Boeing 767 von United fliegt extrem niedrig an.
Eine Boeing 767 von United Airlines ist bei der Landung in Newark extrem tief geflogen. Neue Videoaufnahmen zeigen nun von außen, wie das Hauptfahrwerk den Lastwagen auf der Autobahn berührte.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
Moment der Kollision: Zum Glück verletzte sich der Fahrer nur leicht.
Eine Boeing 767 von United Airlines berührte beim Anflug in Newark einen Lastwagen und einen Lichtmast. Flug UA169 landete dennoch sicher. Brisant: Weder Cockpit noch Flugsicherung registrieren die Kollision zunächst.
Laura Frommberg
Laura Frommberg