Die gesamten Hochbauten werden neu gebaut.

Engadin Airport St. Moritz - SamedanChaos und Konflikte beim Ausbau des Schweizer Alpen-Flughafens

Diffuse Verantwortlichkeiten, Kompetenzüberschreitungen und unrealistische Kostenschätzungen: Das Ausbauprojekt des Flughafens Samedan wurde immer teurer, gebaut wurde aber noch nichts.

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Der Flughafen ist idyllisch gelegen. Wer am Engadin Airport St. Moritz - Samedan landet, fliegt zuerst an 3000 Meter hohen Bergen vorbei, bevor er vorbei an Lärchenwäldern und Almweiden langsam auf die 1840 Meter lange Start- und Landebahn hinab gleitet, neben der Kühe grasen. 16.000 Bewegungen zählt er jährlich, neben Helikoptern, Segel- und Privatfliegern vor allem auch Privatjets.

Denn der Flughafen Samedan liegt nur unweit des mondänen Kurorts St. Moritz, in dem die Reichen Europas gerne Bergurlaub machen. Doch seine Infrastruktur ist in die Jahre gekommen. Sie  ähnelt eher einer Lagerhalle mit Turm als einem Airport, an dem der Jetset ankommt.

«Grundsätzliche Mängel» in der Organisation

Das soll sich ändern. Schon 2017 legten die anliegenden Kommunen den Bürgerinnen und Bürgern ein Ausbauprojekt für 22 Millionen Franken (rund 19 Millionen Euro) vor, das diese bei einer Volksabstimmung guthießen. Der Engadin Airport St. Moritz - Samedan sollte ein neues, schickes Terminal, einen neuen Kontrollturm sowie neue Räume für die Personen- und Warenkontrolle erhalten. Ebenso sollte es zusätzliche Parkflächen für Flieger sowie Helikopterhangars gebaut werden. 2021 sollten die Bagger auffahren.

Die Projektkosten sind inzwischen auf 88 Millionen oder das Vierfache angestiegen. Und dennoch wurde noch immer nichts gebaut. Eine unabhängige Untersuchung eines Anwalts förderte inzwischen eklatante Mängel bei den Planenden zutage. Unter anderem ist von «grundsätzlichen Mängeln» in der Organisation die Rede, welche «zu diffusen Verantwortlichkeiten, Kompetenzüberschreitungen und Kompetenzkonflikten führten».

Kostenschätzung von Beginn an unrealistisch

Auch wurden mitunter keine Protokolle geführt oder Daten nicht ordnungsgemäß abgelegt. Nicht zuletzt hält der Bericht fest, dass die ursprünglich projektierten 22 Millionen Franken unrealistisch gewesen sind. «Während man damals anscheinend davon ausging, dass das Kernprojekt mit der dem Volk vorgelegten Projektsumme umsetzbar sei, macht es rückblickend den Anschein, dass sich schon das ursprüngliche Projekt nicht mit dem vorgesehenen Budget umsetzen ließ», heißt es im Bericht. Es habe offenbar schon seit Beginn «an einer adäquaten Projektkostenprognose» gefehlt.

Die Graubündner Parlamentarierin Franziska Preisig wird noch deutlicher. «Das ist der Filz», sagte sie der Zeitung Tages-Anzeiger. Die Betreibergesellschaft des Flugplatzes Samedan gehört den Engadiner Kommunen, in den entscheidenden Gremien des Projektes säßen deren Vertreter, aber auch lokale Unternehmer. Sie planten den Flugplatz und beaufsichtigten sich gegenseitig, so ihr Vorwurf. Und weiter: «Es geht hier mindestens um grobfahrlässiges Verhalten – und zwar systematisch.»

Neue Volksabstimmung im Jahr 2025

Mit 1707 Metern über Meer ist der Flughafen Samedan der höchstgelegene Europas. Ob er bald seinem mondänen Publikum gerecht werden kann, ist ungewiss. «Es ist wichtig, dass der Bericht nun vorliegt, denn er schafft Transparenz», heißt es zwar von der verantwortlichen Flughafenkonferenz. Man habe inzwischen die meisten Empfehlungen des Berichts «bereits umgesetzt oder organisatorische Mängel auf andere Weise behoben». Unter anderem wurden auch Wertberichtigung auf bisherigen Investitionen von 5,5 Millionen Franken vorgenommen - diese Investitionen waren also vergebens.

Aber weil die Kosten gestiegen sind, steht im September 2025 eine neue Volksabstimmung an. Ob das Volk das teuere Projekt zum Ausbau des Flughafens wieder gutheißen wird, ist unklar.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Bilder, wie der neue Flughafen gemäß dem alten Projekt hätte ausschauen sollen. Ein Klick aufs Foto öffnet die Galerie im Großformat.

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