Letzte Aktualisierung: um 10:06 Uhr

Dreamliner-Rumpf

Boeings Problem mit der 787 weitet sich aus

Der Flugzeugbauer entdeckt weitere Schwierigkeiten bei der Dreamliner-Produktion. Im November konnte Boeing daher keine einzige 787 ausliefern.

Boeing

Boeing 787-9: Probleme nicht nur am hinteren Rumpf.

Im November lieferte Boeing keinen einzigen Dreamliner aus. Das ist bemerkenswert, da der Flugzeugbauer 2020 bisher in jedem Monat 787 an Kunden übergeben hatte – der Corona-Krise zum Trotz. Der niedrigste Wert lag im Juli bei zwei Exemplaren, im Oktober waren es vier. Was ihn dann im November bremste, wird nun klar.

Boeing muss zusätzliche Inspektionen an den Dreamlinern vornehmen, bevor diese an die Kunden gehen. Grund ist ein Problem, das schon im Sommer an einer Stelle am hinteren Rumpf auftrat und das nun auch in anderen Rumpfbereichen entdeckt wurde. Die innere Oberfläche von Verbundwerkstoffteilen ist in einigen Fällen nicht glatt genug. Wo verschiedene Sektionen zusammenkommen, können dadurch winzige Lücken entstehen.

Auch Zulieferer müssen Rumpfsektionen prüfen

Ein Boeing-Sprecher bestätigte gegenüber der Zeitung Wall Street Journal, dass die Unebenheiten der Oberflächen an manchen Stellen womöglich die Toleranzschwelle überschreiten. Der Flugzeugbauer und die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA, welche die Dreamliner-Produktion besonders unter die Lupe nimmt, sehen kein unmittelbares Sicherheitsrisiko. Für Boeing bedeutet es aber zusätzliche Arbeit und Verzögerungen.

Die Zeitung Seattle Times berichtet, Boeing überprüfe jede fertig produzierte 787 an den Standorten Everett und North Charleston. Die Produktion von neuen Dreamlinern stelle der Flugzeugbauer zudem nicht nur in den eigenen Produktionslinien auf den Prüfstand. Auch die Zulieferer Spirit Aero Systems in den USA, Leonardo in Italien und Kawasaki in Japan müssten die in ihren Werken produzierten Rumpfsektionen überprüfen. Jets, die bereits in Betrieb sind, können einfach bei der nächsten geplanten Wartung inspiziert werden.

Mehrere Probleme mit zu großen Lücken

Bei den Schwierigkeiten am hinteren Rumpf im Sommer war neben den zu unebenen Oberflächen hinzugekommen, dass Boeing Lücken nicht sachgemäß schloss. Auffüllstücke wurden teilweise in der falschen Größe produziert. Boeing beorderte acht 787 zu Boden, bei denen beide Probleme zusammenkamen. Die FAA nahm die Produktion genauer ins Visier.

Im September bestätigte Boeing  zudem, dass Ingenieure bereits im Februar festgestellt hatten, dass in Salt Lake City bei der Produktion der Höhenleitwerke für die 787 bestimmte Komponenten mit zu viel Kraft zusammengeführt wurden. Auch dadurch könnten zu große Lücken entstanden sein, erklärte der Hersteller.

787 kommt künftig nur noch aus North Charleston

Die zu großen Lücken bergen keine direkte Gefahr, können aber zu einer vorzeitigen Materialermüdung führen, besonders bei extremen Belastungen. Die Frage ist zudem, wie es in den computergesteuerten Produktionsprozessen überhaupt zu den verschiedenen Fehlern kommen konnte.

Boeing baut den Dreamliner bisher noch in Everett und in North Charleston. Bis Mitte 2021 wird der Flugzeugbauer die 787-Produktionsrate jedoch auf nur noch fünf Exemplare pro Monat senken und die Endmontage in North Charleston in South Carolina konzentrieren. In Everett im Bundesstaat Washington werden dann keine Dreamliner mehr gebaut.



Die Redaktion behält sich das Recht vor, Kommentare zu moderieren und zu kürzen. Kritische Diskussionen sind willkommen. Beschimpfungen oder Kommentare mit rassistischem, sexistischem, themenfremdem, rein politischem, beleidigendem oder rein polemischem Inhalt hingegen werden entfernt. Es besteht kein Recht auf Veröffentlichung. Über die Entscheide der Moderatoren wird keine Korrespondenz geführt.